Wie sich das Grillo Gymnasium lächerlich macht.

Es ist noch gar nicht so lange her, als ich als Abiturient am Grillo und Ricarda Huch Gymnasium in Gelsenkirchen auf dem Pausenhof stande und mir gern die ein oder andere Portion Pommes gekauft hätte. So etwas gab es damals aber leider nicht. Höchstens warme Milch konnte man zu “moderaten Preisen” erwerben. In den vergangenen Wochen berichtete die WAZ über ein neues “Grillo Bistro” am Grillo Gymnasium. Dann hat die Schulkonferenz entschieden, dass es möglicherweise ungesund sei, Pommes – oder im Verständnis der politisch korrekten und ernährungswissenschaftlich aufgeklärten Schulkonferenz – “Junkfood” im Angebot eines Schul-Bistros zu behalten und schränkte zunächst den Verkauf von Pommes zeitlich ein. Der Betreiber und Hausmeister des Bistros sah sich daraufhin seiner Wirtschaftsgrundlage entzogen und schloss das Schul-Bistro, ohne jedoch darauf zu verzichten, seinem Ärger öffentlich Luft zu machen.

Aus meiner persönlichen Sicht völlig zurecht. Es kann nicht sein, dass sich der Bistrobesitzer den Entscheidungen einer pseudointellektuellen Schulkonferenz unterwerfen muss und das Angebot entsprechend der willkürlichen Meinung Dritter zu gestalten hat. Die Schulkonferenz agierte in ihrem Vorstoß ausgesprochen unpassend, wenn nicht gar anmaßend. An einem Gymnasium mit gutem Ruf – und das Grillo Gymnasium gehört ohne Zweifel zu einem solchen – sollen junge und intelligente Menschen zu selbstständigen und wie im pädagogischen Diskurs der letzten Jahre immer gern postuliert, zu selbstbestimmten Individuen heranreifen. Es kann daher Aufgabe der Schulkonferenz sein, Informationen über die negativen Folgen eines übermäßigen Konsums von Pommes und anderem “Junkfood” zu verbreiten. Es darf nicht Aufgabe der Schulkonferenz sein, die Entscheidung darüber zu treffen, was verkauft und damit gegessen wird und was nicht.

Jedenfalls konterkariert es den eigentlichen Bildungsauftrag des Gymnasiums. Die Diskussion ist lächerlich und schadet dem sonst guten Ruf des Grillos.

11 Kommentare zu “Wie sich das Grillo Gymnasium lächerlich macht.”

  1. Magdalene Szodruch
    6. Juli 2010 at 12:19 #

    Da sich der Kiosk im Gebäude der Schule befindet, fungiert der Schulleiter als Hausher. Und der darf bestimmen. Es ist natürlich leichter für ihn, dieses mit der Schulkonferenz zu tun. Im übrigen sollte der Hausmeister die Arbeiten verrichten, für die er von der Stadt eingestellt ist und nicht während der Arbeitszeit zusätzlich Geld verdienen. Das darf in der freien Wirtschaft auch niemand, während der Arbeitszeit, Fingernägel zu modelieren bei anderen.

  2. Katsugo
    6. Juli 2010 at 15:38 #

    Hmm, ich lese da was von “Der Betreiber und Hausmeister des Bistros[…]”, und nicht der Hausmeister der Schule.
    ICh war selbst auf dem Grillo, und wenn ich mich recht erinnere, gab es damals einen hauseigenen Kiosk, betrieben vom Schulhausmeister. Dort gab es neben Milch und Milchprodukten auch mindestens Süßigkeiten und Chips in verschiedenen Variationen. Cola glaub ich auch.
    So anders als Junk-Food war das nun auch nicht.

  3. Kai
    6. Juli 2010 at 16:47 #

    Möchte mich da mal anschließen. War nämlich auch mit Dennis zusammen am Grillo.

    Also der Kiosk wird in der Tat vom Hausmeister der Schule betrieben. Zu unserer Zeit gab es da aber auch schon belegte Brötchen und Kaffe und sowas. Was man da letztlich anbietet, kann sicherlich heiß diskutiert werden. Die Schulkonferenz kann das aber denke ich schon entscheiden, weils halt ein Kiosk IN der Schule ist, der auch vom Hausmeister betrieben wird.

    Andersrum kann man das auch so sehen: Wenn die Schule keine Pommes verkauft, gehen die Schüler kurz um die Ecke zu den Bushaltestellen. Da gibts nämlich auch welche, soweit ich weiß 😉

    Ich verstehe allerdings die ganze Diskussion auch nich so wirklich. Vielleicht alles etwas unglücklich gelaufen…

  4. Kai
    6. Juli 2010 at 19:15 #

    Sorry für den Doppelpost, aber ich muss hier mal was richtigstellen. Wie es aussieht hat die WAZ mal wieder schlecht recherchiert oder einfach falsche Informationen bekommen.

    Aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, dass es bei dem Schulkonferenzbeschluss keineswegs darum ging, Pommes und Co. zu verbieten, sondern der Beschluss lediglich festgelegt hat, dass solches Essen nicht schon ab 9:20 Uhr sondern erst ab 12:30 Uhr mit dem Beginn der Mittagspause für die Ganztagsschüler verkauft werden sollte.

    Wenn ich das höre kann ich nur sagen: Gute Entscheidung und auch im Sinne des pädagogischen Auftrags absolut korrekt. Man muss nicht schon am Vormittag Pommes und sowas in sich reinstopfen und wenn die Schule das unterstützt finde ich das absolut in Ordnung.

    Bedenklich finde ich dagegen dann schon wieder was für schlecht recherchierte Informationen den Weg in die WAZ finden 😉

  5. Maik Gorski
    7. Juli 2010 at 09:30 #

    Die WAZ hat das aber nicht falsch dargestellt. Das steht da so, wie es “richtigstellst”.

  6. Taner Ünalgan
    7. Juli 2010 at 11:43 #

    Ich habe das große Glück, aktuell in der elften Stufe des Grillo-Gymnasiums Schüler zu sein und bin der Meinung, dass beide Seiten teilweise Recht haben: Es ist vielleicht unnötig, eine Uhrzeit für die Pommes vorzuschreiben, seitens der Schulkonferenz, allerdings ist die Betreiberin des Kiosks, nämlich die Frau des Hausmeisters, auch nicht ohne und erhöht z.B. regelmäßig Preise, schon am Kiosk an der Litfaßsäule zwischen RHG und G.-G. kostet Wassereis nur 10 Cent, am Schulbistro 20 Cent und anderes…insofern glaube ich nicht, dass deren wirtschaftliche Grundlage oder sonst etwas entzogen wird.

  7. Taner Ünalgan
    7. Juli 2010 at 11:44 #

    Und ein Nachtrag: Das ist das Schul-Bistro, daher darf die Schulkonferenz selbstverständlich vorschreiben, was wie verkauft werden darf und was nicht, das ist auch gut so, schließlich kann ich mir schlimmere Szenarien als Pommes vorstellen, wo die Schule auch einen Riegel vorschieben sollte.

  8. Kai
    7. Juli 2010 at 15:46 #

    @Maik:

    Ok hab das jetzt auch nochmal gesehen. Dann versteh ich aber ganz ehrlich den ganzen Ansatz hier nicht, warum sich das Grillo damit lächerlich macht. Lächerlich ist dann höchstens, dass das überhaupt in der Presse landet ^^

  9. Jones Million
    26. März 2014 at 10:13 #

    Ich verrichte dort momentan meine Sozialstunden, und sehe schon gegen 10 uhr die kids mit ner portion pommes in der hand, nebenbei picke ich reichlich pommesschalen auf die den weg nicht in die mullkörbe gefunden haben.. :). von daher, gehe ich davon aus…. DIE POMMES LEBEN :0 hahaha.. over and out ! ;D

  10. Dennis
    27. März 2014 at 12:10 #

    Sozialstunden ? Was haste denn gemacht ?

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  1. Ruhrpilot | Ruhrbarone - 7. Juli 2010

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