WAZ Gelsenkirchen missbilligt.

WAZ Gelsenkirchen missbilligt.

Das Schweigen der WAZ Gelsenkirchen kehrt nichts unter den Teppich.

Vor einem Monat schrieb ich der WAZ Redaktion Gelsenkirchen eine kurze Email mit der Frage, ob die damals in der Kritik stehende Berichterstattung, über eine angeblich in einer Gelsenkirchener Kita stattfindende Sexualstraftäter Therapie, tatsächlich durch den Deutschen Presserat missbiligt worden sei. Eine Antwort erhielt ich nicht. Nichteinmal eine Reaktion. Die WAZ Redaktion in Gelsenkirchen hat es augenscheinlich nicht nötig, auf Anfragen der Leserschaft zu reagieren. Zwar hatte ich die Anfrage im Namen des Gelsenkirchen Blogs gestellt, doch bin ich als Autor des Blogs auch gleichermaßen langjähriger Abonnent und damit Kunde dieses Hauses. Ich empfinde es als selbstverständlich, dass man mir auf meine Fragen eine Antwort gibt. Falls mich die Antwort – nach Meinung der Redaktion – nichts angeht, hätte man mir dies ebenfalls freundlich mitteilen können. Hierzu sah die Redaktion allerdings ebenfalls keine Veranlassung.

Die WAZ Gelsenkirchen wurde, bezogen auf die Kita Berichterstattung vom 9.10. 2009, tatsächlich vom “Deutschen Presserat” missbilligt. Dies kann nun jeder im einem PDF, das im Ratssystem der Stadt zum Download bereitsteht, nachlesen. Es ist nun also nicht mehr nur ein Verdacht, sondern evident, dass die WAZ, nach Auffassung des Deutschen Presserates, eine “unsaubere” Berichterstattung geleistet hat. Laut des Presserates habe die WAZ Gelsenkirchen angesichts der Thematik, die durchaus im Interesse der Öffentlichkeit anzusiedeln sei, die notwendige Sensibilität und Tonalität vermissen lassen.

Der Presserat führt diesbezüglich aus:

“Grundsätzlich verkannte der Beschwerdeausschuss nicht, dass eine Berichterstattung über die räumliche Nähe der Behandlungseinrichtung zu einer Kindertagesstätte durchaus von öffentlichem Interesse und Gegegenstand einer Berichterstattung sein kann und muss. Allerdings muss eine solche Thematik mit der entsprechenden Sensibilität behandelt werden. Im vorliegenden Fall vermisste der Ausschuss diesen behutsamen Umgang mit der schwierigen Materie. Vielmehr ist die Berichterstattung geeignet, die Situation so zuzuspitzen, dass die Grenze zu einer unangemessenen sensationellen Berichterstattung überschritten wurde“(Entscheidung des Beschwerdeausschusses 2 des Deutscher Presserates in der Beschwerdesache BK2-463/09, Hervorhebung Gelsenkirchen Blog).

Auch falsche Tatsachen hat der Presserat in der WAZ Berichterstattung ausgemacht:

“Der Beschwerdeausschuss erkennt in den Veröffentlichungen unter den Titel “Gefährliche Untermieter” und “Sexualstraftäter- Therapie in der Kindertagesstätte” sowie in dem Kommentar unt dem Titel “Unerträglich” in der WESTDEUSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG eine Verletzung der Ziffer 2 des Pressekodex. Die Mitglieder waren übereinstimmend der Auffassung, dass die Berichterstattung falsche Tatsachendarstellungen enthält. So handelt es sich bei den in der Beratungsstelle behandelten Sexualtätern nicht um Straftäter. In allen drei Beiträgen vom 09.10.2009 wird jedoch die falsche Formulierung “Sexualstraftäter” verwendet. Gleichzeitig kritisierte der Ausschuss die Aussage, dass die Behandlung der Jugendlichen in der Kindertagesstätte stattgefunden habe. Nach Meinung des Gremiums lässt die Tatsache , dass sich zwischen dem Trakt der Kita und dem der Behandlungstätte eine Tür befindet, diese Behauptung nicht zu. Die Behandlung findet in einem seperaten Gebäudetrakt und nicht in den Räumen der Tagesstätte statt” ( ebd. Hervorh. im Orig.).

Geradezu niedlich naiv wirkt ein Passus des Presserates, der der WAZ den Umgang mit dieser Missbilligung nahelegt. Hierzu heißt es im Schreiben des Presserates:

“[…] Nach §15 Beschwerdeordung besteht zwar keine Pflicht, Missbilligungen zu veröffentlichen. Als Ausdruck fairer Berichterstattung empfiehlt der Beschwerdeaussschuss jedoch eine solche redaktionelle Entscheidung” (ebd.).   

Bei der WAZ Gelsenkirchen ist eine solche redaktionelle Entscheidung vermutlich nicht ergangen. Auf mein ganz konkretes Nachfragen diesbezüglich erhielt ich keine Antwort, woraus ich für mich persönlich schließen muss, dass die Redaktion in Gelsenkirchen kein Interesse daran hat, die durch den Presserat monierten Missstände einer öffentlichen Klärung zuzuführen , sondern vermutlich die Missbilligung schlicht unter den Teppich kehren möchte. Das hat mit fairer Berichterstattung nicht viel zu tun. Vor allem ist es ärgerlich, wenn man für “falsche Tatsachendarstellungen” jeden Tag 1,20 Euro zahlt. Vielleicht sollten wir uns alle überlegen, nur noch DenWesten zu bemühen. Dort kann man den missbiligten Qualitätsjournalismus schließlich noch viele Monate danach unverändert kostenlos lesen. Ob man die WAZ bezahlt oder nicht macht schließlich keinen Unterschied. Fragen beantworten bei der WAZ Gelsenkirchen wohl nur die Anzeigenberater.

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2 Kommentare zu “WAZ Gelsenkirchen missbilligt.”

  1. Adekon
    17. Mai 2010 at 10:58 #

    Mit großer zeitlicher Verzögerung berichtet heute die WAZ über die Missbilligung des Presserat.
    http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/Sensibilitaet-vermissen-lassen-id2990193.html

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