Telefonterror mal anders

Eigentlich gehöre ich ja zu denjenigen, die mit der Telekom noch nie irgendeinen Ärger hatten, und zu den absolut zufriedenen Kunden dieses großen deutschen Telefonanbieters. Vor ein paar Wochen blieb mir allerdings doch die Spucke weg, als ich mit einer Bekannten sprach, die mir erzählte, was ihre Oma mit der Telekom erlebt hat bzw. immer noch erlebt.

Aber der Reihe nach: Die ganze Geschichte begann mit der simplen Tatsache, dass die über 90 Jahre alte Dame nicht mehr alleine in ihrer Wohnung in Köln bleiben konnte und deshalb beschloss in ein Altenheim in unserer Stadt umzuziehen, da ihre Tochter samt Familie hier wohnt und sich so besser um sie kümmern könnte. Der Umzug verlief auch unproblematisch und so musste nur noch ein Telefonanschluss im Altenheim angemeldet werden, damit der Kontakt zu den Freunden und Bekannten nach Köln aufrecht erhalten werden konnte.

Der Antrag wurde am 02.06.2010 gestellt, eine Woche später wurde die Telefonnummer mitgeteilt und gleichzeitig der Hinweis gegeben, dass der Anschluss auf Grund von fehlenden technischen Ressourcen erst am 02.07.2010 geschaltet werden könne.

An dieser Stelle der Geschichte musste ich zum ersten Mal schlucken. Einer der größten deutschen Telekommunikationsanbieter kann auf Grund von fehlenden Ressourcen ein Telefon in einem Altenheim nicht schalten? Das Heim steht da ja nicht erst seit gestern und da werden sicherlich öfter mal neue Telefone angemeldet. Meine Bekannte stimmte mir da zu und sagte gleichzeitig, dass wohl nicht nur ihre Oma auf einen Anschluss wartet.

Aber wenn man jetzt denkt, dass die ganze Sache damit erledigt sei, dann ist man leider absolut auf dem Holzweg. Die Oma meiner Bekannten wartet nämlich immer noch auf ihr Telefon und das jetzt schon seit über 3 Monaten. Kontakt zu alten Freunden und Bekannten ist nicht möglich und das nimmt sie doch ordentlich mit, was ich irgendwie schon verstehen kann. Wenn ich aus meinem gewohnten Umfeld wegziehen müsste und keinerlei Möglichkeit des Kontakts hätte, wäre ich, glaube ich, auch wenig begeistert. Aber weiter im Text…

Nachdem jeweils 5 Anrufe bei der Hotline und Besuche im T-Punkt zu keinerlei Ergebnissen führten, sondern nur zu Vertröstungen, musste eine Lösung her. Also entschloss man sich wenigstens für den Übergang ein Seniorenhandy anzuschaffen. Als ich verwundert fragte, ob das nicht von der Telekom gestellt werden könnte, bekam ich zur Antwort: „Nein und wenn wir Pech haben, bleiben wir sogar auf den Kosten sitzen.“

Spätestens an dieser Stelle war ich nahezu fassungslos. Nicht genug, dass es nicht möglich war, ein simples Telefon zu schalten, nein, man bekommt es noch nicht einmal hin, der Oma meiner Bekannten ein passendes Handy für den Übergang zu stellen, obwohl man eine Handysparte im Unternehmen hat und nach 3 Monaten Wartezeit ohne Kündigung des Auftrags, was wohl mal das Mindeste wäre, wie ich finde. Ein anderer Telefonanbieter war außerdem problemlos in der Lage, binnen 14 Tagen einen Anschluss für eine andere Heimbewohnerin bereit zu stellen (dabei handelte es sich im Übrigen um den Telefonanbieter Alice). Es wurde zwar seitens der Telekom angeboten, eine Handykarte zu schalten, allerdings wurde dabei nicht eindeutig geklärt, wer die Gesprächskosten zu tragen hat, weshalb man sich gegen dieses Angebot entschied.

Meine Bekannte bestellte also im Internet ein Seniorenhandy mit der schönen Bezeichnung enjoy w02. Diese Bezeichnung legt ja nun irgendwie nahe, dass man mit dem bestellten Gerät Spaß haben soll. Für Außenstehende mag das auch durchaus zustimmen, vorausgesetzt sie haben eine leicht fiese Ader gegenüber Freunden und Bekannten, für Betroffene hört der Spaß aber bereits an der Stelle auf, an der sie feststellen, dass das Handy für die Oma nur mit einer englischen Anleitung geliefert wird. Ich frage mich manchmal echt, wie weit in den Produktentwicklungs- und Marketingabteilungen mancher Hersteller gedacht wird. Ein Seniorenhandy mit englischem Handbuch? Nur weil man den Zweiten Weltkrieg und die Besetzung durch die Amerikaner miterlebt hat, heißt das nicht, dass man ein englisches Handbuch der Neuzeit lesen kann! Auch im Internet war ein deutsches Handbuch übrigens nicht aufzutreiben.

Ganz nebenbei erfüllt das Handy auch absolut nicht die Erwartungen, da es für die Oma meiner Bekannten schlicht zu leise ist. So etwas darf bei einem extra als Seniorenhandy ausgewiesenen Gerät einfach nicht passieren. Dazu kann ich nur sagen: Sechs! Setzen!

Der Mutter meiner Bekannten wurde inzwischen übrigens mitgeteilt, dass die Leitungen der Telekom Ende September dann endlich geschaltet würden, also nach fast 4 Monaten Wartezeit. Ich bin gespannt, ob der Auftrag bis dahin nicht gekündigt ist und man sich für einen anderen Anbieter entschieden hat. Ich jedenfalls hätte das, glaube ich, bereits nach 2 Monaten getan.

Ich bin auf jeden Fall echt betroffen davon, was einem alles passieren kann. Und vor allem bestätigt sich bei dieser Sache irgendwie mal wieder der Spruch: Und eine Stimme sprach zu mir aus dem Chaos: „Lächle, es könnte schlimmer kommen.“ Ich lächelte und es kam schlimmer.

Ich kann nur hoffen, dass für die Oma meiner Bekannten eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird, und frage mich ernsthaft, was bei der Telekom falsch läuft, dass so etwas überhaupt passieren kann. Eigentlich kann man nur ungläubig den Kopf schütteln.

Foto unter CC-Lizenz von Jean Pierre Hintze

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2 Kommentare zu “Telefonterror mal anders”

  1. Blinkfeuer
    24. September 2010 at 22:44 #

    Wer von “Besetzung durch die Amerikaner ” schreibt, sollte mal ne andere Oma über die Geschichte befragen als Omi Steinbach. Dann, oh baby, wüsstest du es: die Polen waren die Besatzer. Egal, nimmst es wohl nicht so genau. War ja bekannt.

  2. Laura
    15. Oktober 2010 at 16:58 #

    Ich war mehrere Jahre Kunde bei der Telekom uns muss sagen: Mich wundert da gar nichts mehr. Ich bin gespannt, wie lange die ihre Kunden noch so schlecht behandeln, bis ihnen alle weggelaufen sind …

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