Strukturwandel 3.0

Die Ruhrbarone berichteten bereits gestern vom Treffen der Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft in der Gelsenkirchener IG Metall Zentrale. Auch OB Frank Baranowski war vor Ort. Das thematische Zentrum bildete selbstredend die Situation bei Opel. Und: DGB-Chef Hülsdünker sprach von einer Gefahr der “Deindustrialisierung” der Emscher-Lippe-Region. Ich muss da noch mal nachfragen, denn “nur” weil Opel infolge von Dauerästhetikverweigerung und – aus meiner Sicht- extremen Nichtmanagement nun die Arbeitsplätze von tausenden Opelanern gefährdet, stellt die Deindustrialisierung nun plötzlich eine Gefahr da? Ich kann mich noch an Summer Schools erinnern, da standen hochdotierte Ökonomieprofessoren und Wirtschaftssoziolgen am Rednerpult und propagierten die Etablierung einer technologieafinen fragmentierten Wirtschaftsstruktur. Soll heißen: “Elitecluster” oder wen das Wort “Elite” zu sehr an den Führer erinnert: “Technologie-Cluster”. Die Vorstellung hier: Viele kleinst und und mittelständige Betriebe, in der Regel technologieaffin, siedeln sich eng beieinander  an und sorgen so für Inovationen und gegenseitige “Anregung”. Ich weiß nicht, wieviele Diplomarbeiten und Dissertationen ich dazu in den Fingern hatte. Wehe dem, der im Fazit zu einem negativen Ergebnis kam. Nun, da Opel bedroht ist, stellt der Wandel vom Wandel eine Gefahr dar?  Mitnichten. Das Beispiel zeigt nur, wie schwer es ist, so einen  fetten Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Die Deindustrialisierung ist eine Chance, keine Gefahr. Opel ist nicht die Zukunft der Region, Opel repräsentiert nichts deutlicher als deren Vergangenheit. Die Zukunft wird gerade in der flächendeckenden (aber nicht zielgerichteten) Ausbringung von Konjukturmilliarden verbrannt. Aufgabe des Staates ist es in erster Linie nicht (vermutlich) unfähiges Management zu versichern, es wird aber zu einer dringlichen Aufgabe, wenn das Führungsversagen weniger, zu einer sozialstrukturellen Katastrophe werden könnte. Ob Opel stirbt oder ob Opel gerettet wird, ist doch in Bezug auf eine kleine Evidenz völlig egal: Es kostet unfassbar viel Geld. Geld, das in Zukunft, sprich Bildung  hätte investiert werden können. Oder in Förderungen für eben diese kleinen fragmentierten modernen Firmen? Oder in neue Technologien, die in der Region entwickelt wurden. Oder, oder, oder. Was können wir jetzt daran ändern ? Nichts. Aber gehen Sie mal raus und zählen Sie die Opelfahrzeuge. Es wird Ihnen etwas auffallen. Da bin ich sicher.

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