Sozialticket ?

Seit längerem beherrscht die Thematik “Sozialticket” die Lokalpresse und zum Teil auch öffentliche Diskussion. Die Grundidee des Sozialtickets ist auf den ersten Blick sympathisch. Arbeitslose, Hartz-4- Empfänger und sonstige finanzschwache Bürger und Bürgerinnen können zu einem stark ermäßigten Preis den öffentlichen Nahverkehr nutzen und so der gesellschaftlichen Anforderung nach Mobilität entsprechen. Selbstredend, dass sich für ein solches Vorhaben auch DIE LINKE einsetzt. Die Einführung eines Sozialtickets, das dem “Armen” für rund 15 Euro zur Verfügung gestellt wird, ist zumindest für den Zweck, für den es erfunden wurde, ungeeignet. Soziale Inklusion erreicht man durch die ungleiche Regulierung von Marktprozessen kaum. Es mag dem Normalbürger nicht einleuchten, dass er für die gleiche Leistung eines Dienstleistungsunternehmens mehr als das Doppelte gegenüber dem “Armen” zu zahlen hat.  Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass das Sozialticket stigmatisiert. Mit jeder Busfahrt legt der “Arme” sein Armutszeugnis vor und spiegelt seine Position in der Gesellschaft. Kann man das als Leitmodell gelungener Integration verstehen ?  

Die Frage, die gestellt werden muss, ist doch die Frage nach der Finanzierbarkeit eines solchen Vorhabens. Die Argumentation, der Verkehrsbetriebe ist absurd: Man steigere durch das Projekt die Fahrgastzahlen, so sei das Ticket kostendeckend. Warum bitte funktioniert das nicht bei Personen im Normalarbeitsverhältnis ? In den letzten Jahren monieren die Verkehrsbetriebe gebetsmühlenartig die hohen Belastungen durch Steuern und Sprit. Ständige Preiserhöhungen sind die Folge. Das Pendeln mit Bus und Bahn ist für die Mehrheit der Normalbürger ein teuer Spass, der sich kaum noch lohnt. In Dortmund, so berichtet Der Westen, boomt das Sozialticket. Ende Juni sollen dort rund 20.000 Personen mit dem 15 Euro billigen Ticket unterwegs sein. Insgesamt sind 90.000 Personen bezugsberechtigt. Von einer Marginalität kann jedenfalls bei dieser Größenordnung keine Rede mehr sein. Wenn es den Verkehrsbetrieben grundsätzlich möglich ist, mit 15 Euro im Monat kostendeckend zu arbeiten, dann erachte ich persönlich diese Preise  als blanke Abzocke.

Das Sozialticket darf nicht Sozialticket heißen, denn es ist grundsätzlich nicht sozial. Zum einen werden die “Nicht-Armen”  preislich benachteiligt, zum anderen zeigt es deutlich auf, dass in der Kalkulation der Verkehrsbetriebe etwas nicht stimmen kann. Dass diese nicht am Hungertuch nagen, erkennt man an den tollen Verwaltungsgebäuden. Wahrscheinlich herrscht dort bereits die Mentalität vor “Lieber die fünfzehn Euro vom Sozi, als keinen Euro von Keinem”. 

Mobilität darf nicht zum Luxus werden, das gilt aber nicht nur für Sozialschwache, sondern auch für den Normalbürger. In einem Land indem es sich lohnt arm zu bleiben, wird keiner große Lust haben zu arbeiten. Und wenn man dann noch die Arbeitenden benachteiligt, dann muss man sich nicht wundern, wenn bald gar nichts mehr geht. Zauberland ist abgebrannt. Das Verhält sich mit dem “Sozialticket” ähnlich wie mit dem  “Grundeinkommen”. Gut, dass Gelsenkirchen bisher darauf verzichtet.     

7 Kommentare zu “Sozialticket ?”

  1. Blinkfeuer
    13. Mai 2008 at 21:57 #

    Schön auch, wenn am Vormittag des Karfreitags Gelenkbusse 1l/km verbraten-
    selbstredend nur mit `nem dicken Fahrer an Bord.
    Für dir 2 oder 3 zahlende Figuren pro Kurs könnte man auch Taxis mit Sektfrühstück günstiger einsetzen, aber die stehen am Karfreitag- und Pfingstvormittag an den Halteplätzen-
    die braucht keiner.
    Ist wohl unter “Arbeitsplatzsicherung” in der planlosen Wirtschaft zu verbuchen, von einem, der dadurch wieder Arbeit hat, zu der er irgendwie hinkommen muß.
    Der war das dann wohl, gestern in dem Bus….

    Demnächst in der Pauermetropole OB, Test lief schon:

    http://www.sonnenseite.com/upload/v1_img_a9466_5_thumb.jpg

    Wolle kauffe, GE?

  2. Dennis
    14. Mai 2008 at 12:29 #

    LOL

  3. Niko the kid
    21. Mai 2008 at 11:28 #

    Neoliberaler Unsinn, lieber Dennis.

  4. Peter Banse
    9. Juni 2008 at 16:41 #

    Nicht nur Unsinn, sondern auf sehr sehr niedrigem sozialen Niveau. Die Armen sind ja auch alle Schuld an Ihrem Dasein. Völlig abgefahren! Demnächst werden diese Armen Dennis und den “Normalen” vor den Supermärkten auflauern und diesen die Einkaufstüten abnehmen weil sie nichts zu fressen haben!

  5. Dennis
    9. Juni 2008 at 18:28 #

    Dass die Armen schuld sind, dass Sie arm sind, steht da nicht.

  6. jens marco scheidewig
    27. November 2008 at 12:45 #

    Bei Sozialtickets geht es darum menschen mit kleinem geldbeutel die möglichkeit zugeben die Öffentlichen Verkehrsmittel kosten günstig zu ermöglichen bei Hartz IV Empfängern hat der Gesetzgeber damals endschieden uns 17€ im Monat für alle Fahrten zuzuteilen mehr ist nicht drin deshalb setzt man die Tickets so günstig an.

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  1. Das Sozialticket ist unsozial. // Gelsenkirchen Blog - 3. November 2008

    […] berichtet die WAZ heute über die finanziellen Konsequenzen für die Stadt Dortmund. Ich hatte an anderer Stelle bereits meine Meinung zum Sozialticket geäußert. Ich bin nicht gegen die Idee, sozial Schwache […]

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