Politische Rhetorik. Lesson 1

Liebe Journalisten, liebe Kommunikationswissenschaftler, liebe Studenten des Instituts für Journalismus und Public Relations (JPR) der Fachhochschule in Gelsenkirchen. Herzlich Willkommen an Ihrer studienbeitragsfreien virtuellen Hochschule für politische Kommunikation. Heute widmen wir uns einem Thema, dessen Anwendung in der Praxis häufig problembehaftet ist. Die Formulierung von Interviewitems zur Generierung von stichhaltigen Informationen bei politischen Adressaten in medienvermittelten Interviews.

Wir widmen uns einem Fallbeispiel aus dem politischen Alltag, indem ein dumm dreist durch die Gegend fragender, penetranter und nichtswissender Blogger, einem hochrangigen Lokalpolitiker konkrete Fragen zu dessen Partizipation am Wahlkampf stellt, um die vom Politiker öffentlich geäußerte Kritik, am Wahlkampf seiner Partei, öffentlich einordnen zu können. Um Geringschätzung durch Ihr hochrangiges Gegenüber aus dem Weg zu gehen, faxen Sie vorab Ihren Lebenslauf, Fremdsprachennachweise und ggf. die Urkunde der Doktorwürde honoris causa, die Sie für Ihren Einsatz zur Rettung der lokalen Kulturindustrie unentgeltlich erworben haben, dem Büro des Politikers.  Machen Sie nicht den Fehler und fragen Sie unprofessionell und völlig niveaulos, wie im folgenden Beispiel als Unbekannter, nach mehrfacher Antwortsverweigerung nocheinmal nach:

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Eine solche Anfrage in die Richtung der politischen Elite, ist in einer Demokratie noch nicht strafbar. Als angehende Journalisten sollten Sie sich jedoch darüber im Klaren sein, dass dies bald der Fall sein könnte. Auch können Sie davon ausgehen, dass derartige Fragen entweder gar nicht oder nur mit Gegenfragen beantwortet werden. Fragen zum Arbeitspensum, zur Effizienz, zum Engagement von Politikern eignen sich generell nicht zur Informationsgewinnung, da Politiker innerparteilich oft so sehr beschäftigt sind, dass eine Antwort darauf  länger auf sich warten lässt. Machen Sie also nicht den Fehler, wie der dumm-dreiste Drexxbloggerschmierfink im folgenden Beispiel und drängeln Sie:

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Das lässt hochrangige Lokalpolitiker nur in Rage geraten und bringt Ihnen darüber hinaus nicht den gewünschten Informationsfluss.

...

Der Autor spricht  den Blogger beim Vornamen an, obgleich leicht zu erkennen ist, dass der Fragende mit Nachnamen “(Gelsenkirchen Blog)” heißt. Eine Antwort auf die eigentlich gestellte Frage, weist der Politiker mit dem Hinweis zurück, dass eine Antwort auf eine konkrete Frage für ihn eine “entblödung” darstellt. Der Politiker macht damit unmissverständlich klar, dass den Internet-Schmierfink sein persönliches Engagement für die Partei nichts angeht.  Blogger (nicht alle) akzeptieren dies dann folgendermaßen:

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Echte Journalisten hingegen beginnen jetzt erst mit der Arbeit, merken sich den Namen, wälzen Sitzungsprotokolle und schauen in der Zukunft ganz genau hin. Was wäre die Welt nur ohne das Internet ?

Ein Kommentar zu “Politische Rhetorik. Lesson 1”

  1. Taner
    8. September 2009 at 21:10 #

    :). Andere Lokalpolitiker warten auf Fragen für Interviews. Du, lass uns damit doch von neu anfangen. Die ersten Antworten sind einfach schon zu lang, oder?

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