Nutten, Koks und halbwahre Titel.

Nutten, Koks und halbwahre Titel.

Arena

Gewiss: Der Verein Schalke 04 ist für die Stadt Gelsenkirchen ein identitätsstiftendes Element, das über die symbolische Bedeutung der Tradition hinaus auch wirtschaftliche Systemrelevanz aufweist. Doch dieses Element, in dessen Glanze sich eine medial wieder und wieder diffamierte Stadt zu Sonnen vermochte, hat, so umschreiben es die Medien, massive Finanzprobleme. 

Gesamtschulden von mindestens 230 Millionen Euro weist FAZ Online aus. Von 55,9 Millionen billanzieller Überschuldung spricht Ruhrbaron David Schraven, dem nach eigenen Aussagen geheime Dokumente vorliegen, aus denen diese Summe hervorgehe. Schalke ist Pleite. Genau wie die Heimatstadt Gelsenkirchen. Eigentlich.

– Nicht die Stadt Gelsenkirchen will helfen, sondern eine städtische Tochter. –

Denn, so ist zu hören, sehen und zu lesen: Die Stadt Gelsenkirchen rette nun seinen Traditionsclub mit einer Finanzspritze von 20 Millionen Euro. “Woher nehmen die Pleitegeier bloß die ganze Kohle?” wird sich die mediale Öffentlichkeit vor den Radios, den Fernsehgeräten und den überregionalen Tageszeitungen überrascht fragen. Die Antwort ist einfach gefolgert: Die Verwunderung über das Geld aus dem medial geschundenen Gelsenkirchen ist direkt aus einer verfälschten, an der Sensation orientierten Berichterstattung abzuleiten.

Schließlich schwillt dem Journalisten ja viel eher der Stift, wenn er titelt: “Das verarmte Gelsenkirchen hilft dem noch ärmeren Traditionsclub“, als wenn dieser mit der Angabe der prezisen Herkunft des Geldes für Aufklärung sorgt. Denn das Geld kommt nicht von der Stadt Gelsenkirchen, sondern von einer Tochtergesellschaft der Stadt, der GEW. GEW bedeutet Gesellschaft für Energie und Wirtschaft und die scheint sich besonders mit dem Wirtschaften gut auszukennen. 20 Millionen schüttelt man sich schließlich in Zeiten der “Wirtschaftskrise” nicht mal eben aus der Tasche.

Erfolgreiche Tochtergesellschaft der Stadt Gelsenkirchen unterstützt den Traditionsclub Schalke 04” wäre als Titel wohl schon näher an der Wahrheit. Die Wörter “erfolgreich” und “Gelsenkirchen”, kombiniert im Modus der Wahrheit und das noch als Titel, kommt für viele überregionale Journalisten vermutlich aber ohnehin nicht in Frage. Schließlich steht die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Wobei: Immerhin ist der erste Titel schon mal die halbe Wahrheit und daher keine Lüge. Angesichts der angespannten Situation der Medienhäuser und Verlage, müssen wir als Rezipienten für derartige Darstellungskosmetik Verständnis walten lassen.

Ein Medienhaus oder Verlag mit einer Gesamtschuldenlast von geschätzen 230 Millionen Euro Schulden wäre schließlich pleitererererererererererererereererererererererererererere als Pleite. Selbst wenn die Verlagsmanager die Veröffentlichung einer jeden Ausgabe, mit lustigen Halbwahrheiten im Titel, mit Nutten und Koks im Ritz zelebriert hätten, so hätte es einige Zeit in Anspruch genommen, derart tief in die Schulden zu rutschen. Währenddessen würde es wahrscheinlich zuerst der Buchhaltung auffallen, dass der Einnahmeseite bestehend aus Blattverkauf, Werbeeinnahmen und Rechteverwertungen auf der Ausgabeseite vor allem die teueren Personalkosten von Biggi DD, Veronika Master of Repression und einem englischen Kollegen mit dem Namen White Nose negativ entgegenstehen. Dass man White Nose, Biggi DD und diese Veronika mit dem komischen akademischen Titel nie auf dem Redaktionsflur antraf, kann sich die Buchhaltung schließlich noch durch die teuren Besprechungen im Luxushotel erklären. Ein andauerndes Defizit dieser Art, hätte die Buchhaltung jedoch frühzeitig massiv moniert.

– Ist der Schuldenberg auf Vorsatz zurückzuführen? –

Nun ist es aber so, dass das Schalke Management frei ist von den Lastern der erfundenen schlüpfrigenVerleger. Auf Schalke gibt es keine Nutten und kein Kokain. Die frei erfundene Geschichte steht in keiner Verbindung mit den Führungsspitzen des Vereins, bis auf eine kleine Wahrheit. Auch ein Fußballverein muss wie ein Verlag und jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch, die Einnahmen den Ausgaben gegenüberstellen. Will der Verein auch finanziell erfolgreich sein, muss er mehr einnehmen als er ausgibt.

In der Regel kontrolliert die Buchhaltung und /oder der Finanzvorstand dieses Verhältnis der Zahlen und schlägt Alarm, oft schon bevor ein Missverhältnis auftritt. 230 Millionen, sollte diese Summe stimmen, sind schließlich auch nicht durch die Unübersichtlichkeit des Firmengeflechtes entschuldbar. Denn, wenn ein Management die eigenen Verbindlichkeiten des Geflechts nicht mehr überblickt, dann ist es ein schlechtes Management, das sich die Frage gefallen lassen muss, ob es den Führungsaufgaben noch gerecht wird. So spekulieren die Journalisten zurecht, ob das mehrdimensionale Geflecht an Firmen um den Verein herum, gar nicht die Ursache für den Schuldenberg ist, sondern vielmehr diesen Schuldenberg betriebswirtschaftlich ermöglicht. Es macht den Anschein, als unterstellt die Öffentlichkeit dem Schalke Management gewissermaßen einen Vorsatz, weil die hohe Summe an Schulden, nach Meinung der Öffentlichkeit, vor der Entstehung hätte abgewendet werden können und müssen. 

Auch die Staatsanwaltschaft Essen scheint über diese Sicht der Dinge aktuell zumindest nachzudenken. So ermittelt sie, folgt man den  Berichten von DerWesten.de und Spiegel Online, gegen die Führungsspitzen des Vereins wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

– Gelsenkirchen muss Hilfen an strikte Bedingungen knüpfen. –

Für den Rat der Stadt Gelsenkirchen kommen die neuerlichen Entwicklungen und Ermittlungen gerade noch rechtzeitig, um die Entscheidung an Bedigungen zu knüpfen. Sollte sich der Verdacht gegen das Management erhärten oder gar bestätigen, sollte man nur dann eine Hilfe in Aussicht stellen, wenn diese den Verein unverzüglich und abfindungslos verlassen.  Gelsenkirchen muss zusammen mit der mächtigen Tochter GEW für klare und geordnete Verhältnisse sorgen, damit nicht bald zu lesen ist: “Die Stadt Gelsenkirchen subventioniert Wirtschaftskriminelle aus öffentlichen Mitteln.”  Abwegig ist eine derart provozierende Schlagzeile sicherlich nicht.

Alles ist möglich, solange Verlage auf Aufmerksamkeit und Einschaltquoten angewiesen sind. Frontal 21 hat heute die Hetzjagt eröffnet. Harren wir der Dinge, die da kommen werden.

Hinweis: Der Artikel kann geringfügig von der Version heute mittag abweichen. Ich musste ihn nach dem Abschuss der Datenbank rekonstruieren 🙂

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Ein Kommentar zu “Nutten, Koks und halbwahre Titel.”

  1. nicetrise
    23. November 2009 at 18:28 #

    Ich sag mal so, Schalke ist zweitgrößter Steuerzahler in Gelsenkirchen…

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