Lofts in Bismarck kommen

Lofts in Bismarck kommen

Wie der Rat der Stadt Luxusprojekte durchwinkt, die nach Datenlage zum Scheitern verurteilt sind.

Ich hatte mich bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Pläne des Zechenbarons kritisch darüber ausgelassen, dass es unternehmerisch waghalsig ist, in einem Stadtteil, der weitgehend durch Armut glänzt, Luxuslofts etablieren zu wollen. Mit dieser Überlegung, die ich nach wie vor für ganz und gar plausibel halte, bin ich jedoch scheinbar allein. Der Rat der Stadt Gelsenkirchen hat schließlich ganz aktuell die Voraussetzungen zur Errichtung der 17 Luxuswohnungen geschaffen ( damals war noch die Rede von 19  Wohnungen ) und dem Projektvorhaben grünes Licht signalisiert.

Dies ist zunächst einmal an keiner Stelle verwerflich, schließlich ist die Idee an sich ja zu begrüßen. Wer die Idee aber betriebswirtschaftlich konsequent zu Ende denkt, der wird spätestens an der Stelle, an der die Luxus Wohnungen auch verkauft werden müssen, auf eine Reihe von Fragen stoßen, die so leicht nicht zu beantworten sind. In der näheren Umgebung sind kaum Menschen anzutreffen, die sich eine derart luxuriöse Wohnung leisten können oder wollen. Dies sage ich nicht so pauschal daher, sondern darüber gibt es statistische Daten. Die Errichtung der Wohnungen ist daher aus meiner Sicht hoch spekulativ und insofern gefährlich, als dass das unter Denkmalschutz stehende Gebäude baulich verändert wird und später leer stehen könnte, weil sich keiner die Wohnungen leisten möchte oder kann.

Eine aus meiner persönlichen Sicht hoch eigentümliche Förderzusage an die Zechenbaumeister GmbH setzt dem Ganzen für mich die Krone auf. Nach der Berichterstattung der WAZ am heutigen Samstag, soll das Land Fördermittel in Höhe von  478.000 Euro zugesagt haben, um den Fördertum öffentlich zugänglich zu machen. Dass Firmen beim Bau von Luxus Lofts Ansprüche auf öffentliche Fördergelder haben, wusste ich nicht. Ob das jeder so gelungen findet, glaube ich nicht.

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13 Kommentare zu “Lofts in Bismarck kommen”

  1. Franz Przechowski
    21. März 2010 at 09:27 #

    Man darf gespannt sein!
    Manchmal führen mutige Visionen zu etwas Großartigem. Manchmal führen Visionen schlicht nur zum Arzt. Hoffe, der ist dann in der Nähe.

  2. Dennis
    21. März 2010 at 11:48 #

    Issa, issa!!! Ärzte haben wir hier genug. Sogar mit Bundesverdienstkreuz! 🙂

  3. rote rosa
    21. März 2010 at 13:44 #

    Mann, mann, mann imma alles schlecht machen 😉 Aber die Kritik erschließt sich mir nicht so ganz. Natürlich können nicht unbedingt die Bewohner Bismarck sich das leisten, die wohnen ja auch schon da. Aber hoffentlich zieht es viele interessante Leute dahin, die Lust haben für ihren Stadtteil ein wenig was bewegen wollen und dieses in ihre Kiez ausstrahlen. Das Gelände ist doch einmalig schön und super zentral und was wäre denn die Alternative?? Und lieber Steuergeld in einen “begehbaren” Förderturm für alle zu geben, als für weitere Rüttgers Spezis. Natürlich muss man dann anschließend aufpassen, dass dadurch nicht die Reichen und Schönen alle nach Bismarck wollen und die Mieten steigen, Läden durch Coffee Shops und Nobelmarken ersetzt werden, so wie in hier in Berlin zu sehen (Gentrifizierung) Aber dieses “Problem” würde ich Bismarck wünschen 😉 Grüße aus Berlin.
    P.S. Du weißt doch, woanders ist auch Scheiße!

  4. Dennis
    21. März 2010 at 14:57 #

    Nujuh, schlecht machen wollte ich das nicht. Ich finde die Idee wirklich gut. Allein die Idee ist schon fast ne’ Auszeichnung wert. Aber wenn wir hier das originär soziologische Wort “Gentrifizierung” einführen, dann müssen wir in dessen Fahrwasser auch über den Begriff der Segregation reden. Segregationsprozesse finden schließlich zweifelsohne in Bismarck statt. Allerdings in eine gänzlich andere Richtung, als es einer Gentrifizierung wohl gut täte.

    Ohne wieder was schlecht machen zu wollen: Mit 17 Wohneinheiten schafft man absehbar keine Gentrifizierung, sondern wohl eher den Bentley in der Bronx.

  5. Franz Przechowski
    21. März 2010 at 18:14 #

    WOW! Klärt mich mal bitte über die inhaltliche Bedeutung der “Fremdwörteze” auf. Bin nur ein kleiner doofer Ruhrpottbengel

  6. Sonntag
    22. März 2010 at 00:18 #

    klar ich kauf mir nen 500.000 euro Luxus Loft gegenüber vom Kaufpark Parkplatz, 500 Meter weiter stehen (miese) Nutten, es fährt genau 1 Bus einmal die Stunde daher und die U-Bahn ist nach 20uhr nicht mehr zu gebrauchen. Ok der, der sich so ein Loft leistet hat bestimmt auch ne S Klasse um da auch wieder weg zu kommen, aber mal im ernst das wird nichts werden.

    Naja in Holland darf man Leerstehende Gebäude nach 1 Jahr besetzten 😉 also sollte sowas in Bismarck auch möglich sein 😉

  7. Tschoepe
    22. März 2010 at 03:11 #

    Ob die Nutten nun “mies” sind, überlasse ich dem Kenner; allerdings haben diese Frauen einen gewissen Unterhaltungswert und wenn’s einem kalt wird, kann man sich am brennenden Wohnwagen die Hände wärmen. In der Bronx haste brennende Tonnen und in Bismarck … nunja. ^^

    Da das aber so ziemlich fast gänzlich total off-topic ist: mit 17 Lofts schafft man in Bismarck wirklich keine Gentrifizierung. Mal gespannt, wer oder was da einzieht – wenn überhaupt.

  8. rote rosa
    22. März 2010 at 16:43 #

    Ok, ich gebe zu, mein Einwurf war nicht als Ironie zu erkennen (aber gemeint ;-), aber die ernsthafte Diskussion darüber zeigt auch, dass Bismarck wohl nicht ganz verloren ist. Denn gerade eine (ethnische) Segredation sollte hier unterbrochen werden. “Bentley in der Bronx und was wird dann daraus” finde ich eine super Idee als soziologische Brechung. Solltest du als Innovationsthema einreichen. Dazu fällt mir ein, gab es mal eine geniale selbstironische Ausstellung zum Thema “Gelsenkirchener Barock”. Bisschen lockerer werden und mit dem schlechten Image “gut!” spielen, oder?
    Was sagt denn eigentlich der Investor dazu? Hat er schon eine Wohnung verkauft?
    @Franz: tja, wir können auch den elaborierten Code, also bitte googeln oder bingen!

  9. Dennis
    22. März 2010 at 18:07 #

    @rote rosa: Nimm doch bissi die Aggressionen raus bitte, dann werde ich im Gegenzug vielleicht etwas lockerer.

  10. stapel
    7. April 2010 at 12:26 #

    Skeptisch bin ich auch, was das Gelingen dieses Projektes angeht. Ob sich genug Interessenten für Wohnungen in einem so wenig attraktiven Umfeld finden? Aber vielleicht haben die Initiatoren ja die richtige Marketingidee. Mittlerweile ist da am Schacht 9 ein Zustand erreicht, bei dem jede Änderung eine Verbesserung bedeutet. Die kaputte Hängebank beeinträchtigt massiv das Erscheinungsbild des sog. “kulturgebiet.Consol” und eigentlich auch des Stadtteils. Die Hängebank steht übrigens nicht unter Denkmalschutz, nur das eigentliche Schachtgerüst.
    Ein paar andere Fragen zum Projekt habe ich dennoch: Etwa nach der öffentlichen Begehbarkeit des mit Steuergeldern sanierten Schachtgerüstes, wie das konkret aussehen soll und vor allem wann das passiert? Hoffentlich noch vor Ablauf der entsprechenden Bindungsfristen.
    Und: Wie verträgt sich die Wohnnutzung der Hängebank mit den anderen, schon etablierten Nutzungen des ehemaligen Zechengeländes: Trendsportanlage, Veranstaltungsplätze – durchaus auch für größere Veranstaltungen, Musikprobenzentrum mit Außenbühne und so weiter. Kann man alles sicher irgendwie klären, aber es macht das Projekt nicht einfacher.

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    […] Noch Anfang des Jahres tönte es in der Lokalpresse, dass der “Zechenbaron” oder besser die “Zechenbaumeister GmbH & Co KG” gleich 17 hochpreisige Luxuslofts in der Hängebank auf Consol errichten möchte. Angesichts des relativ maroden Images des Stadtteils Bismarck  klang dieses Vorhaben schon von Beginn an wackelig und ich zweifelte öffentlich an, dass es ausreichend Kundschaft gibt, die ein solches Luxusprojekt refinanzieren würde. Nichtsdestotrotz wurde es vom Rat der Stadt zumindest geduldet. […]

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