Innovativer Stress

Innovativer Stress



Gelsenkirchen und Herten haben Aussicht auf Erfolg. Doch die Konkurrenz mault.

Niemand kann ich Frieden leben, wenn der liebe Nachbar das nicht will. Dieses einfache und gerade den Deutschen wohl bekannte Sprichwort trifft auch auf Nachbarstädte zu. Und wer sich zusätzlich noch im deutschen Rechtswesen ein wenig auskennt, der weiß, dass Inhalte in Deutschland gern einmal der Form zum Opfer fallen. Ein solches Szenario bahnt sich auch im Wettkampf um den Titel “Innovation City” an. Die Konkurrenzstädte  Bochum, Bottrop, Essen und Mülheim proben den Aufstand, weil es Gelsenkirchen und Herten, nach Auffassung dieser Städte, an Fairness fehlen lassen. Stein des Anstoßes ist primär die Bewerbung.

Seitenzahl der Bewerbung wird moniert.

Gelsenkirchen_Herten habe nach Informationen der WAZ 111 Seiten statt der geforderten 60 Seiten abgegeben und ohnehin sei das Modelgebiet Gelsenkirchen_Herten übervölkert, denn mit 75000 Einwohnern habe man die formale Vorgabe von  60.000 Einwohner übertroffen. Gelsenkirchen und Herten findet diese Kritik kleinlich, schließlich gehe es nicht um die Form, sondern um die Inhalte.  Und wenn Gelsenkirchen_Herten viel zu zeigen habe, würde eine solche Bewerbung im Umfang auch schon mal etwas üppiger daher kommen. Und überhaupt stellt sich die Konkurrenz die Frage, warum Gelsenkirchen die Bewerbung im Internet veröffentlicht hat.  Natürlich wegen der größtmöglich anzustrebenden Bürgerbeteiligung halten Baranowski und Dr.Paetzel dagegen. Und ausserdem: Wenn man die Grafiken und Tabellen abzieht, stimme auch die Form wieder. Gelsenkirchen_Herten wollte es eben anschaulich gestalten, weil es schließlich um etwas geht. Viel wichtiger als der Titel ist schließlich das dahinter stehende Geld. Kein Wunder also, dass es im Ton zum Ende hin etwas rupiger wird.

Zweifel an der objektiven Vergabe.

Das Gelsenkirchen und Herten derart stark den Wettbewerb dominieren war zu beginn nicht abzusehen. Auch ich war zunächst der Meinung, dass zwar die technologische Substanz für diesen Wettbewerb in Gelsenkirchen vorhanden sei, aber die Kommunikation eben dieser bisher auf der Strecke blieb. Es war also zunächst fraglich, ob Gelsenkirchen den Ruf als Ökostadt und vor allem als die Solarstadt, die sie seit vielen Jahren vorgibt zu sein, “auf die Straße bekommt”, um in einem solchen Wettbewerb zu gewinnen. In Partnerschaft mit der Stadt Herten scheint dies – wie es aussieht – gelungen zu sein. Aber selbstverständlich fragen sich auch die anderen aufmerksamen Beobachter, woher diese neue Stärke denn wohl kommt. Georg Kontekakis von den Ruhrbaronen vermutet, dass es folgendermaßen läuft:

“Was macht jetzt Baranowski? Er telefoniert mit allen möglichen Leuten und weißt jeden darauf hin, dass diese Kooperation zwischen Herten und seiner Stadt das Entscheidende ist. Er lobbyiert eben rum. Dabei sollte man wissen, dass Frank Baranowski nicht irgendwer ist. Er ist Chef der Ruhr-SPD mit entscheidendem Einfluss in der aktuellen Landesregierung. Bei etlichen Mitgliedern der Jury kommt seine Botschaft deswegen an. Zum Beispiel beim unsäglichen Noch-RVR-Chef Heinz-Dieter Klink. Dieser SPD-Parteisoldat kommt aus dem Gelsenkirchener Stadtrat. Da er kein eigenes Rückgrat hat, ist davon auszugehen, dass er dem Drängen Baranowskis erliegt” (vgl. Ruhrbarone).

Mal davon abgesehen, dass es wahrscheinlich so ganz trivial nicht ist mit dem “rumtelefonieren”, hat Gelsenkirchen dann eben nebei auch noch was Substanzielles und Inhaltliches zu bieten. Nur mit einem gut vernetzten OB gewinnt man einen solchen Wettbewerb nicht. Mit Unterstützung eines solchen wohl aber schon. Und bei Schalke ist doch auch egal, wer die Meisterschaft organisiert. Oder ?

4 Kommentare zu “Innovativer Stress”

  1. Jörg
    18. Oktober 2010 at 09:59 #

    Ok, welche Schuhgröße hat er? Ich spendiere die Schuhe!

  2. Dennis
    18. Oktober 2010 at 21:57 #

    LOL

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  1. Der Ruhrpilot | Ruhrbarone - 18. Oktober 2010

    […] Ruhrgebiet: Innovativer Stress…Gelsenkirchen Blog […]

  2. Links anne Ruhr (19.10.2010) » Pottblog - 19. Oktober 2010

    […] Innovativer Stress (Gelsenkirchen Blog) – Über die Streitereien wegen der InnovationCity […]

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