GErockt in der Kritik

GErockt in der Kritik

GErockt

Die JuSo’s Gelsenkirchen schießen sich ein Eigentor.

Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint. So könnte man das Eigentor der JuSo’s in Gelsenkirchen zusammenfassen. Eine CD mit rockiger Musik in 3.000er-Auflage haben die engagierten Jugendlichen für Jugendliche herausgebracht. Allerdings sorgt eben diese CD nun für Zoff. Die CD enthalte gewaltverherrlichende Texte, die eigentlich verboten werden müssten. Das meinen zumindest die Jungen und Mädchen vom anderen Ufer, sprich die Junge Union. “Einstampfen” sollte man die CD , so deren Vorsitz. Dem kann man eigentlich nun entgegenhalten, dass die Union in Sachen Medienkompetenz ja gerade dabei ist, mit einem “Antikinderporno-Gesetz” Geschichte zu schreiben. Erstaunlich ist, dass selbst deren Nachwuchs, der man eigentlich generationenspezifische Medienkompetenz zuschreiben dürfte,  ähnlich engstirnig und eigenlich realitätsfern argumentiert. Kritisieren kann man die CD sicherlich. Das Einstampfen zu fordern ist allerdings überzeichnet. Direkte Kausalzusammenhänge von Medienkonsum und Gewalt sind wissenschaftlich nicht belegt. Soll heißen: Die CD, ob eingestampft oder nicht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Zahl derjenigen beeinflussen, die sich auf Gelsenkirchens Straßen auf’s Maul hauen. Mal davon abgesehen, dass die Zielgruppe, die sich ohnehin aufs Maul haut, wohl kaum auf die Idee kommt, ins nächste Wahlkreisbüro zu gehen, um höflich nach GErockt 2009 zu fragen. Ich bezweifele, dass diese Jugendlichen wissen, was ein Wahlkreisbüro überhaupt ist.

Die Diskussion ist m.E. daher schräg und sollte schnellstmöglich unterlassen werden. Sowohl die Kritik ist schräg, als auch deren Rechtfertigung. Gewaltverherrlichende und sexistische  Texte können zwar als Bestandteil der Jugendkultur angesehen werden, sie sind aber keineswegs für diese konstitutiv. Das Ganze als künstlerische Freiheit retten zu wollen, erscheint mir auch nicht als der Weisheit letzter Schluss. Schlussendlich ist die CD ein klares Eigentor der JUSOS, weil man damit hätte rechnen können, dass weniger medienaffine Zeitgenossen hier einen Angriffspunkt ausmachen. Der Jungen Union sei auf den Weg gegeben, dass zuviel “Political Correctness” oft auch dazu führt, dass man gern mal von denen verarscht wird, die man eigentlich schützen will. Alice Schwarzer musste das schon leidvoll erfahren.

13 Kommentare zu “GErockt in der Kritik”

  1. Taner
    24. Mai 2009 at 21:34 #

    Ach, du meinst wirklich, dass sich auf künstlerische Freiheit beschränken nicht gilt? Sag das mal Sido oder Bushido, die mit ihrem Gangster-Rap Millionen, wenn nicht mehr verdienen! Auch in Metal-, Punk- oder Pop-Texten werden teilweise auf deutsch, teilweise auf englisch, ja, gewaltverherrlichende, oder sogar schlimmere Szenen beschrieben. Wir können uns hier nicht auf das Lied beschränken, weil es Gangster-Rap ist – die anderen werden offiziell gut verkauft und die WAZ berichtet über Konzerte von Sido in der Nähe, aber motzt, wenn Jugendliche sich aufregen. Nun gut, du hast es in einem Teil sehr gut auf den Punkt gebracht: “Die CD, ob eingestampft oder nicht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Zahl derjenigen beeinflussen, die sich auf Gelsenkirchens Straßen auf’s Maul hauen.” – richtig. Es geht darum, dass man hieran plastisch sehen kann (und das ist meine Argumentation, mal sehen ob sie dir gefällt), dass es Jugendlichen, ja – auch in Gelsenkirchen, schlecht geht. Dass sie aufgrund ihrer sozialen Probleme, dass sie aufgrund von familiärer, schulischer Probleme oder mangelnder Integrationsanstrengungen auch das singen, was sie erleben. Und hier müssen wir ansetzen! Es geht nicht darum, die Auswirkungen zu verteufeln, sondern die Ursachen – z.B. die massiven Probleme im sozialen Umfeld zu beseitigen! Ich kann auch von mir persönlich sagen, dass die Menschen das, was sie erleben in Kunstformen ausdrücken. Seien es Lieder, Gedichte oder Bilder.

    Ich erlaube mir noch kurz ein Statement zu der Jungen Union (in Gelsenkirchen) von mir zu posten, das ich in diesem Zusammenhang schonmal verwendet hatte: “Wer Brauereien besichtigt und das als hohe politische Jugendkultur betitelt, der hat keine Ahnung von jugendlicher, gerechten, sozialer Politik in Gelsenkirchen. Diese Organisation ist nicht nah an den Jugendlichen dran, sondern nur Macht- und Wählerstimmengierig und
    scheut sich auch nicht davor, mit Vorwänden junge Menschen für eine inhalts- und vor allem zukunftslose Politik zu werben.”

    Außerdem macht die WAZ m.M. nach ein unglaublich übertriebens Drama draus.

    In diesem Sinne,

    Taner Ünalgan

    Das Jahr wird rot.

  2. Dennis
    24. Mai 2009 at 22:05 #

    Ich versteh die Message schon. Nur müsste auch klar gewesen sein, dass ein solcher Text, der natürlich aufgebauscht wird, zu einem Strick gedreht wird. Gerade wo doch der letzte Amoklauf vorbei ist, kommt sowas nicht so dolle rüber. Find ich. Bushido und Sido, sind darüber hinaus kein gutes Vorbild für jungsozialistische Ambitionen.

  3. Maik Gorski
    25. Mai 2009 at 11:27 #

    Ach, das ist doch alles Unsinn. Wer glaubt Sido sei ein SuperIntelligentesDrogenOpfer, der muss sich klarmachen, dass er allerhöchstens ein SI ist. Super Intelligent. Kommerzieller geht es schon kaum noch. Zur CD: Ich finde schade, dass ein tolles Projekt Jugendlicher so kaputtgeredet wird.

  4. Sebastian Watermeier
    25. Mai 2009 at 18:04 #

    Der Anwurf mit dem AMoklauf ist aber irgendwo ein Bumerang: Der typische Musikgeschmack von Amokläufern ist ja gerade nicht HipHop, sondern Metal härterer Gangart mit entsprechenden Texten. Gerade solcher wird aber heute von der WAZ im Rahmen des RockHard-Festival abgefeiert.

    Ich will damit überhaupt nichts gegen Metal sagen, immerhin bin ich selber auch Metalhead. Aber wer sich mal ernsthaft mit den Textaussagen nahezu jeder etwas weniger mainstreamhaften Musikrichtung auseinandersetzt, wird da schnell viele Steine, an denen man sich stoßen kann, finden. Insofern bin ich da sehr einig mit Maik Gorski.

    Letztlich spricht die Berichterstattung doch Jugendlichen jede Fähigkeit ab, ohne an die Hand genommen zu werden irgendwie mit medialen Inhalten umzugehen. Tolles Jugendbild.

    [Anmerkung GELSENKIRCHEN BLOG: Sebastian Watermeier ist Vorsitzender der Jusos Gelsenkirchen ]

  5. Martin
    25. Mai 2009 at 18:17 #

    Cool, auf der CD ist ja sogar ‘n Track von Straftanz! :-O

    *habenwill*

  6. Dennis
    25. Mai 2009 at 18:21 #

    @Tanner @Sebastian: Nochmal vielen Dank für Eure Kommentare zum Thema.

  7. Taner
    25. Mai 2009 at 19:13 #

    @Martin: Unsere momentane Auflage ist leider schon verteilt worden, nach dem riesigen Presse-Echo verständlich.

  8. Martin
    25. Mai 2009 at 19:15 #

    Verdammt! 🙁

    Aber danke für die Info.

  9. Nicetrise
    25. Mai 2009 at 21:59 #

    Ach wieder ein Drama um nix. Man könnte meinen es gibt nix wichtigeres. Lasst die Leute die Musik doch feiern und gut ist. So lange nicht bei einem Konzert schwarze Messen und Menschenopfer da gebracht werden, ist es nur Musik. Und Musik ist ein Spiegel der Gesellschaft…

  10. Taner
    26. Mai 2009 at 19:07 #

    Habt ihr eigentlich alle die schöne “WIR in GE”-Zeitung heute bekommen? Da war z.B. auch ein Artikel zu meinem Blog drin, zum kommunalpolitischen Planspiel oder einer zu Europa-Aktionen der Jusos von mir @Dennis.

  11. Dennis
    26. Mai 2009 at 20:02 #

    Ja hab ich. Ohne zu wissen, liefere ich sogar Texte dafür!

  12. Martin
    26. Mai 2009 at 20:19 #

    lol XD

  13. Dennis Bartel
    30. Mai 2009 at 14:38 #

    @Martin
    Wenn Du es gar nicht aushalten kannst, den Straftanztrack findest Du auch auf Youtube

    @Rest
    Das faszinierende an diesem Eigentor ist doch das es der Jungen Union gelingt selbst auf dieses noch eines draufzusetzen. Quasi ein Eigentor aufs Eigentor. Denn wer sexistische und gewaltverherrlichende Populärkultur zu Parteizwecken verwendet sollte sich seine Einstampf-Pressemitteilungen gut überlegen
    Guckstu hier:
    http://www.gruenes-gelsenkirchen.de/die-union-und-das-glashaus-582

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