Gelco kündigt sein Ende für 2016 an.

Dies ist kein gutes Wochenende für die Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen. Denn es gibt – mal wieder – eine Hiobsbotschaft für den Standort Gelsenkirchen zu vermelden. Die Nachricht darüber, dass der Textilhersteller Gelco im kommenden Sommer 2016 den Geschäftsbetrieb einstellen wird, schlägt mächtig ins Kontor.

Dies ist kein gutes Wochenende für die Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen. Denn es gibt - mal wieder - eine Hiobsbotschaft für den Standort Gelsenkirchen zu vermelden. Die Nachricht darüber, dass der Textilhersteller Gelco im kommenden Sommer 2016 den Geschäftsbetrieb einstellen wird, schlägt mächtig ins Kontor.
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Das Textil- und Bekleidungsunternehmen Gelco aus Gelsenkirchen kennen vor allem die Bismarcker gut. Eine Zufahrt zum Hauptsitz der Gelco GmbH & Co. KG liegt direkt vor Kopf der Auf- und Abfahrt zur A42 in Richtung Dortmund. Optisch ist das Unternehmen in Gelsenkirchen zu einer Landmarke geworden. Operativ scheint sich der Hersteller von Damenbekleidung wohl eher als “Hidden Champion” zu vermarkten. Offensichtlich keine gute Strategie im extrovertierten, schnelllebigen und hochgradig trendaffinen Modemarkt.

150 Mitarbeiter am Standort in Bismarck könnten ihren Job verlieren.

Am Standort in Gelsenkirchen Bismarck geht bei Gelco spätestens nach der Pressemeldung und heutigen Medienberichterstattung die Angst um. Die Geschäftsführung am Standort kündigte die Schließung von Gelco zum kommenden Sommer hin an. Inhaber Joachim Dreier wird in der WAZ heute mit den Worten zitiert:

“Wir bedauern diese Entscheidung zutiefst, müssen aber die anhaltend negative Entwicklung des Textilmarktes zur Kenntnis nehmen” (vgl. WAZ GE, 17.10.2015).

Die deutsche Mode steckt generell in der Krise

Auch wenn er mit dieser Aussage nicht wirklich konkret wird, könnte er damit durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Denn die deutsche Modelandschaft liegt derzeit am Boden. Auch der markentechnisch weitaus besser aufgestellte Damenmodehersteller Gerry Weber wankt derzeit schwer. Der Aktienkurs der Gerry Weber AG hat sich kurzerhand im Spätsommer halbiert. Auch die Tom Taylor Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg musste kürzlich eine Gewinnwarnung herausgeben und ist schwer angeschlagen. Bei Hugo Boss in Metzingen ist es nicht ganz so dramatisch, aber auch dort ist die Aktie von gut 105€ auf aktuell 99,98€ gestürzt. Es wäre verwunderlich, wenn Gelco von diesen ruinösen Marktverhältnissen, wie sie derzeit vorherrschen, verschont geblieben wäre.

Nach eigenen Angaben habe Gelco seit längerer Zeit vergeblich versucht einen Investor zur Aufrechterhaltung der Geschäfte zu finden. Weit weniger bekannt und markentechnisch weniger gut aufgestellt als die ebenfalls angeschlagenen, starken Labels, erscheint die Rettung von  Gelco zu diesem Zeitpunkt auch eher wenig realistisch zu sein.

IG Metal will den Standort retten

Die IG Metal in Gelsenkirchen gibt sich in der WAZ Ausgabe heute kämpferisch. Gewerkschafter Robert Sadowsky will gemeinsam mit Gelco Alternativen zur Standortschließung entwickeln. Die Perspektive macht Mut und das Engagement ist zu befürworten. Die Marktsituation erscheint für ein solches Vorhaben derzeit allerdings, wie aufgezeigt, eher trübe zu sein.

Gelsenkirchen Bismarck wäre von dem Weggang als Wirtschaftsstandort schwer gezeichnet. So viele Traditionsunternehmen mit Exportaktivitäten bleiben dann schließlich nicht mehr.

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3 Kommentare zu “Gelco kündigt sein Ende für 2016 an.”

  1. Tyson Gandhi
    18. Oktober 2015 at 14:50 #

    Ehrlich gesagt kein Wunder. Der Tod kam schon lange in kleinen Raten.

    Unternehmensstrategie in den 80ern hängen geblieben. Von den Selfmade-Marken (bzw. der eigenen Herstellung, nicht das “drüberlabeln”) der einstigen Großkunden düpiert, an wenigen “Rennern” zu lange festgehalten, statt das Unternehmen schnell neu aufzustellen. Zum Ende hin eine viel zu ängstliche Expansionspolitik der eigenen Marke was Shops und POS angeht. Da kann man Zweifel/Unstimmigkeiten oder gar Streit?! innerhalb der Geschäftsführung vermuten. Immerhin wurde vor “kurzen” die gesamte Geschäftsführung ausgetauscht/umgebaut. An der jetzigen Entscheidung ist weder der Markt noch die Branche schuld. Immerhin wird dort immer noch viel umgesetzt und verdient. Es fehlte lediglich an Mut, Risiko- und Investitionsfreude (Unternehmertum der Erbengeneration?). Also am Ende der Glaube mit Gelco noch einmal “Groß raus zu kommen”. Für einen Turnaround hätte man viel investieren, das gesamte Unternehmen auf rechts drehen müssen. Allein die Produktion von China in billigerere Länder zu verlagern wäre ein mehrjähriger Kraftakt gewesen. Dort wo die Konkurrenz schon lange ein Fuß in der Tür hat. Besonders als Mittelständler und nicht als globaler Konzern. Zumal der Textilmarkt nicht mehr nur 2 Saisons kennt. Sondern z.T. 14-tägig neue Kollektionen bringt. Heute muss der Output ein anderer sein.

    Mit dem Kauf von BiBA damals, war der Tod der Marke “Gelco” eigentlich besiegelt. Immerhin war oder ist BiBa das, was Gelco irgendwann sein wollte. Kleidung für die nächste Generation Frau. Gibt es Erkenntnisse darüber, was mit BiBA passiert ?

    Generell hat man auch zu wenig im Marketing getan. Merkwürdige Deals mit bekannten Gesichtern, die man aber doch nirgends zeigen durfte etc.

    Gelco war einfach keine Marke. So eine aufzubauen kostet Zeit und Geld.

    Dazu eine Unternehmenspolitik die eher einem Arbeitslager ähnelt, als einer gewinnbringenden Unternehmenskultur. Investiert wurde viel zu wenig. Man saugte jeden Pfennig rendite aus Dingen, die ein funktionierendes Unternehmen bereits vor 10 Jahren auf den neuesten Stand gebracht hätte. Für große Teile der EDV gab es keinen normalen Support mehr, da der Programmierer entweder schon Tot oder seid 10 Jahren in Rente war. Die Mitarbeiter wurden weder geschult noch vernünftig behandelt.

    Jeder mit einem Hauch Kentniss von Betriebswirtschaft sah bereits vor 10 Jahren wo das Schiff lang schwimmt. Das Unternehmen wurde so lange gerade so über Wasser gehalten, wie eine einigermaßen zufriedenstellende Rendite durch den Status-quo zu erwarten war. Bei 100% EK hält man dies auch lange durch. Die Zinstiefphase hat Gelco vermutlich noch einige Jahre mehr über Wasser gehalten. Dazu kommt, dass man dem Vater des Unternehmens, dem Senior, die Schließung nicht zumuten wollte. Zumindest so lange wie möglich nicht. Immerhin wurden da noch Erfolgsbiografien im Selbstverlag gedruckt und an die Belegschaft verteilt etc. etc.

    Alles im Allem – keine Überraschung. Bitter für die Belegschaft. Besonders für den Großteil der Leute, die sich seit Jahrzehnten auf die Stellen ausgeruht und sich weder Weiterqualifiziert noch was vom sinken bemerkt hatten.

    Objektiv gesehen,wird das Unternehmen vermutlich niemand vermissen. Da kaum erkennbar am Markt.

  2. Dennis
    18. Oktober 2015 at 16:45 #

    Ohne über Insiderwissen zu verfügen, habe ich das Beschriebene genauso vermutet. Danke für den ausführlichen Kommentar!

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  1. „Für Wolfgang Palm zählen ethische Grundsätze wie Zuverlässigkeit und Fairness.“ - Gelsenkirchen Blog - 4. November 2016

    […] bekommt es in diesem Jahr ziemlich dicke. Gelco schließt, Vaillant setzt bei guten Geschäften ebenfalls die Gelsenkirchener Belegschaft vor die Tür und […]

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