Düsseldorfer Spießer-Kommunikation

Düsseldorf ist ganz ohne Imagekampagne der Inbegriff der stilvollen Urbanität. Düsseldorf versprüht einen ganz besonderen Charme, der einzigartig ist. Düsseldorf muss sich, aus meiner Sicht, um sein Image keine Gedanken machen. Düsseldorf präsentiert sich ganz ohne Kampagne angemessen. Eine proaktive Imageaufwertung ist eigentlich nicht nötig.

Dennoch – aus Gelsenkirchener Sicht mag man es kaum glauben – hält es die Landeshauptstadt Düsseldorf für notwendig, eine Imagekampagne zu fahren, die das Image der Stadt korrigieren soll. Der Nicht-Düsseldorfer wird sich jetzt die Frage stellen, welches Image eigentlich verändert werden soll und welche Richtung die Korrektur anstrebt. Schlecht ist das Image eher nicht. Düsseldorf wird gemeinhin eher das Attribut spießig zugeschrieben. Und genau dieses Image soll nun weichen. Düsseldorf ist menschlich und kreativ, dachte man sich und beauftragte: Die MetaDesign AG, eine internationale Agentur mit – richtig – einem Büro in Düsseldorf.

“Düsseldorf ist spießig” trifft die Landeshauptstadt auf ihren Plakaten als Aussage, um sie gleich darauf wieder zu relativieren, nicht aber zur revidieren: “Düsseldorf ist mehr!” Was genau mehr,  sollen die Düsseldorfer selbst auf den Punkt bringen, indem Sie ihre Bilder auf eine eigens eingerichtete Kampagnenwebsite hochladen. Durchaus gelungen, wenn auch vom Konzept her sehr naheliegend. Ziel scheint es zu sein, der Stadt ein menschlicheres Gesicht zu geben, die viele Facetten hat und die sich nicht auf die Edelmeile Königsallee reduzieren lassen möchte.

Düsseldorf ruft öffentlich nach der Meinung seiner Bürger, um der durchaus landesweit bekannten und voranschreitenden Gentrifizierung die emotionale Stirn zu bieten.

“Düsseldorf ist scheisse teuer!”

Und so schallt es den Initiatoren aus der städtischen Öffentlichkeit um die Ohren: “Düsseldorf ist scheisse teuer“.  So also sieht eine Gruppe Kreativer und Künstler die Stadt, die sich zunehmend von der Politik verlassen fühlt. Kernkritik ist die aus Sicht der Initiatoren extreme Vermarktung und Kommerzialisierung der Stadt. Das Recht auf freie Meinung gibt es schließlich auch in Düsseldorf. Und wenn die Autoren der Gegenkampagne der Meinung sind, dass der Wohnraum mit steigender Tendenz unbezahlbar wird, Düsseldorf im Gegenkontrast zur eigentlichen Intention der Kampagne zur “Luxus-Stadt” verkommt, dann ist auch das eine Wahrnehmung, die schlicht geäußert werden darf. Wie es sich für eine moderne Gegenöffentlichkeit gehört, wurde eine eigene Website ins Leben gerufen. Im Gleichklang zur Kampagnenseite der Stadt, jedoch optisch klar davon zu unterscheiden, bringen die Autoren deutlich Gegenteiliges von dem auf den Punkt, was sich die Initiatoren als Meinung gewünscht hätten.

Unter http://dein.duesseldorf.de.tc/ finden sich in einer sehr deutlichen Sprache die Argumente, die die eigentliche Imagekampagne inhaltlich ad absurdum führen. Rein instrumentell hingegen hat die Kampagne genau das erreicht, was sie sollte: Zeigen, das Düsseldorf mehr ist. Das Amt für Kommunikation der Stadt Düsseldorf findet die Gegenkampagne blöd. Die Kommunikationschefin der Stadt denkt darüber nach, rechtliche Schritte gegen die Internetseite der Gegeninitiative einzuleiten. Sie sei offenbar zu nah am Original. Auch dieser Auffassung kann man sein. Aber die rechtlichen Schritte sind wie es die Öffentlichkeit für Düsseldorf erwartet: spießig.

(Grafik: http://dein.duesseldorf.de.tc/ )

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2 Kommentare zu “Düsseldorfer Spießer-Kommunikation”

  1. Torsten
    12. Dezember 2011 at 18:55 #

    Werden solche Kampagnen nicht gemacht, um zu verbergen, dass derzeit nicht genug Leute, die teuren Plakatflächen mieten? Wie im Fernsehen: wenn die Werbezeit nicht verkauft werden kann, nimmt man so etwas wie “Alfatelefon Münster” ins Programm und gibt das als Goodwill aus.

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  1. Der Ruhrpilot | Ruhrbarone - 12. Dezember 2011

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