Dr.möchtegern honoris causa

Im Zuge voranschreitender Individualisierung sollen nach Ulrich Beck die “Zertifikate”  von entscheidender Bedeutung sein, wenn es um die Verteilung von “Lebenschancen” geht. So ein Doktor Titel ist dann gerade für Personen des öffentlichen Lebens von besonderer Bedeutung. Doof ist nur, wenn man einen Dr. Titel führt, der einem gar nicht zusteht. Noch dümmlicher ist, wenn man diesen Titel führt und angeblich nicht einmal weiß, dass er einem nicht zusteht. Hirnlos ist, wenn man dieses dann der Presse erzählt.
So wurde ein Kölner Politiker nun entlarvt, einen falschen Dr. Titel geführt zu haben, was ihn daraufhin bewog, von seinen politischen Ämtern zurückzutreten. Er sei nach eigenen Angaben, so berichtet der Westen, einem Titelhändler aufgesessen, der einschlägig polizeilich bekannt sei.

Der 55-Jährige ist Geschäftsführer der Kulturstiftung der Sparkasse Köln-Bonn und war kulturpolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion. Nach seinen Angaben hat er im Jahr 2001 eine Dissertationsschrift zum Thema Stiftungen dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Hamburg vorgelegt. Auch die mündliche Prüfung habe er in den Räumen der Universität abgelegt, vor einem Prüfer, der ihm zuvor als Dekan des Fachbereichs vorgestellt wurde (Link Hervorhebung von Gelsenkirchen Blog).

Spätestens hier wird die Sache dann lächerlich. Seinen Dekan kennt man. Und mein Dekan kennt mich ! Und wenn man an einer fremden Uni promoviert, dann kennt man auch den Dekan dort . Bis so eine Promotion ihren Gang geht, kennt man auch (mindestens) alle Mitarbeiter der Fakultät, die kompletten Nervensägen Mitarbeiter im Prüfungsamt. Seine eigene Master- Magister oder Diplomurkunde auswendig ( weil wegen den ganzen Kopien, die angefertigt werden und beglaubigt werden) müssen). Man lernt unweigerlich ALLE Öffnungszeiten der Univerwaltung AUSWENDIG kennen. Und man hat, wenn man damit durch ist, schon keinen Bock mehr auf die eigentliche Promotion. Falls man also irgendwem für irgenwas 2500 Flocken überweist und dann urplötzlich n’ Brief bekommt mit einer Vorladung zur mündlichen Prüfung, dann könnte der geneigte Herr Doktorand ein bisschen stutzig werden. Sollte er zumindest. Denn neben der Blamage ist sowas auch strafbar. Und das zurecht nicht zu knapp.  

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2 Kommentare zu “Dr.möchtegern honoris causa”

  1. Niels
    24. Februar 2009 at 02:11 #

    An genau eines habe ich – als Germanist – beim Lesen Deines Beitrags gedacht, nämlich an Ernst Jandls “kurzficker” aus dem Gedichtband “idyllen” des genialen Sprachkünstlers: Um Vollzitate zu vermeiden hier nur ein Link!

    Siehe unten: http://www.physiologus.de/karrier_ak.htm

  2. Dennis
    24. Februar 2009 at 12:31 #

    Die akademische Karriere des kurzfickers ist echt bemerkenswert LOL! Danke für den Link. Genauso siehts nämlich aus!

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