Die Metamorphose der Ruhr-Städte.

Der Limbecker Platz in Essen

Seit dem 22.Oktober drängen sich Menschenmassen durch die nun komplett fertiggestellten Rotunden des Limbecker Platzes in Essen. Ein Shopping-Center der Luxusklasse. An dieser Feststellung wird niemand objektiv vorbei kommen. Ebenso die geographische Position des Centers indiziert auf den ersten Blick, dass die Konstrukteure und Stadtplaner alles richtig gemacht haben. Das Center steht mitten in Essen. Nicht, wie das CentrO, “auf der grünen Wiese”.

Und dennoch: Die Kritik am “häßlichen Riesen” nimmt nicht ab. Die Argumentation der Kritiker ist dabei zum Teil berechtigt, zum Teil verrissen. Wer den Limbecker Platz abends beleuchtet sieht und die Farbspiele auf der Fassade betrachtet, dem mögen Adjektive wie “ungewohnt”, “kollosal”, “beängstigend” über die Lippen gehen. “Häßlich” dürfte ihn nur eine interessengeleitete Spezies Mensch finden. Eigenartig, dass die alle bei der Zeitung arbeiten.

Die Hauptkritik am CentrO in Oberhausen war die Strahlkraft auf die umliegenden Städte und die eigene Stadtmitte. Das CentrO wurde als Jobkiller gepriesen, der die Innenstädte veröden lässt und die Menschen auf “die grüne Wiese” zerrt. Diese Kritik hat im Kern zwei Seiten: Es war ein Fehler, das CentrO nicht in Oberhausens Stadtmitte zu integrieren, um eine Verödung zu verhindern. Es war aber kein Fehler per se, das CentrO zu bauen. Denn Oberhausen ist Oberhausen. Und das CentrO bringt Steuergelder ohne die die Stadt heute wahrscheinlich noch schlechter aufgestellt wäre.

So schlecht kann es den Centern ohnehin nicht gehen. Nicht umsonst klagen umliegende Städte gegen eine Erweiterung und verschwenden so Zeit, Energie und Geld, die sie für die Ausgestaltung einer eigenen innerstädtischen Perspektive nutzen könnten. Und aus betriebswirtschaftlicher Perspektive ist die “grüne Wiese” nur bedingt ein Nachteil, schließlich bringt der Raum kostenlose Parkplätze, die DEN entscheidenden Vorteil gegenüber der Innenstadt liefern.

So wird der Limbecker Platz  trotz seines wesentlich differenzierteren Branchenmixes und seinem Innestadtkonzept,vor allem in Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft, gegenüber dem CentrO, den Kürzeren ziehen. Das Parkhaus ist baulich eng und nur schwer zu erreichen. Darüberhinaus ist es teuer und die Anbindung ist bei Besucherspitzen schlecht bis unzumutbar. Und dann kostet es auch noch Geld, was dem Metropolenshopping die Stechuhr bei Seite stellt. In so einem Center verfliegt die Zeit kaum spürbar. Am Ausgang dann nochmal 6 Euro fürs Parken zu berappen, läd nicht gerade zum Wiederkommen ein.

In umliegenden “nichtüberdachten” Stadtzentren hingegen kehrt seit einigen Jahren Stillstand ein. Die hochwertigen Filialisten wandern in die Center und das im Wesentlichen aus zwei Gründen: Zum einen, weil die Center-Konzepte sich bewährt haben und Kunden ziehen, zum anderen weil sich diese Center auch in Punkto Kundenfreundlichkeit von den klassischen Innenstädten unterscheiden. Während in vielen Städten Politessen auf vermeintliche Verkehrssünder gehetzt werden, und diese beim Brötchenholen mal eben um 15 Euro abgezockt werden, betreiben Center in der Regel aufwendige Analysen, wie den Besuchern der Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet werden kann.

Dass dann diejenigen Städte, die weiter Politessen als geignete Quellen der kommunalen Finanzierung heranziehen, langfristig auf die Nase fallen, ist ja fast schon klar.

Es bleiben Evidenzen: Das CentrO funktioniert. Trotz aller Kritik. Und der Limbecker Platz wird funktionieren. Trotz aller Kritik. Vielleicht betrachten wir die Center einfach als Metamorphose der Ruhr-Städte und beginnen sie zu akzeptieren und vor allem zu integrieren. Wenn die umliegenden Städte endlich beginnen eine ähnliche Orientierung am Kunden walten zu lassen, dann werden die Center eine sinnvolle Alternative zur klassischen Einkaufsstadt unter freiem Himmel. Gegenwärtig hingegen ziehen sie Kaufkraft ab. Und zwar nicht weil sie so schön, groß und innovativ sind, sondern weil die klassischen Innenstädte unpraktisch, zugemüllt und ohne Angebot sind. Das alles hat aber Ursachen, die nichts mit den Centern zu tun haben. Die Center geben den Städten jetzt nur den Rest. In den letzten Jahren ist viel verschlafen worden. Das Schlimme ist: Viele schlafen weiter.

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13 Kommentare zu “Die Metamorphose der Ruhr-Städte.”

  1. Arnold Voß
    25. Oktober 2009 at 10:21 #

    Ich bin mir nicht sicher, ob der Limbeckerplatz auf dauer funktionieren wird, was die Beschaffung von bleibende Neukunden für die Innenstadt von Essen betrifft. Da kann man eigentlich gleich zum “Original”, sprich zum CentrO, fahren und keine Parkgebühren bezahlen.Ich bin mir aber ganz sicher, dass die Innenstadt von Essen nicht mehr so funktionieren wird wie bisher.

  2. Magdalene Szodruch
    25. Oktober 2009 at 11:34 #

    Recklinghausen, die kleine gemütliche Stadt mit 125.00 Einw., baut nun auch ein kleines feines Center. Nicht neu, nein schon vor 30 Jahren waren die dort so innovativ und bauten das Löhrhofcenter gegenüber dem Rathaus. Zwar hatte es noch viele Macken, aber es lief. Nun wird es neu- bzw. umgebaut zu Löhrhofarkaden. Und Gelsenkirchen? Sauertöpfisch guckt man als Stadt mit 275.000 Einw. neidisch auf die anderen Städte. Es nutzt nichts, neue Lampen und Sitzbänke aus Edelstahl und Bäume zu pflanzen, wenn man keinen Einzelhändlern die Chance gibt, hier auf der Bahnhofstr. einzuziehen. Die Mieten sind einfach zu hoch. Ob berechtigt oder nicht, Tatsache ist, die Exclusivität der Bahnhofstr. ist schon lange passé.

  3. Dennis
    25. Oktober 2009 at 13:05 #

    @Magdalene Den von dir angesprochenen Problemen beizukommen ist durchaus problematisch und von der Politik kaum zu lösen. Natürlich gewachsene Innenstädte zeichnen sich vor allem durch eine fragmentierte Immobilienstruktur aus. D.h. nicht allein die Verwaltungen bestimmen den Preis, sondern die jeweiligen Vermieter. Die sind es auch, die die Geschäfte auswählen. Und wenn ein Ramschhändler den qm-Preis zahlen kann, dann bekommt er den Zuschlag statt z.B. der finanzschwächere Feinkosthändler.

    Dies ist nebenei ebenfalls ein Vorteil dieser Center. Das Management bestimmt wer dazugehört und wer nicht und kann so ein ausgewogenes Verhältnis schaffen.

    Bezogen auf Gelsenkirchen muss ich sagen, finde ich die Erneuerung der Bahnhofstraße ganz gelungen. Der größte Fehler wäre es, jetzt ein eigenes Center zu bauen. Davon hat das Ruhrgebiet nun wirklich genug.

  4. Sonntag
    25. Oktober 2009 at 14:57 #

    das was hier niemand erwähnt ist, das es egal ist ob ich nach OB oder nach Essen fahre, es ist egal ob ich im Limbeckerplatz gehe oder in Bochum City, ich bekomme überall die selben Geschäfte, sie sehen genau so aus, auch wenn es von aussen anders aussieht, aber ich komme z.B. bei H&M rein, und es spielt keine rolle ob ich in New York, in Stockholm oder in Essen bin, es ist immer das selbe. Deswegen mag ich diese einkaufs malls nicht mehr, CentrO war was anderes, aber den Limbeckerplatz finde ich so interessant wie ein sack reis in china. Es gibt in dem Laden nichts was mich anzieht.
    Da gefällt mir die City von Gelsenkirchen besser, nur dort gibt es nicht die richtigen Geschäfte, leider.
    Kleine Läden in Altbauten oder in eckstraßen haben charm, die haben Fler, aber große Beton Kisten mit Glas Mcdoof, Starbucks, H&M, hoffentlich bald kein Karstadt mehr und den anderen stores die es wirklich überall gibt und immer da selbe haben.

    Als Kunde sprichen mich diese neuen Centren nicht mehr an, wenn fahre ich nach OB, weil das CentrO das “Original” ist. Es ist wie mit SAW, SAW1 und 2 waren okay, aber danach gings bergab, es ist immer das selbe, nur in einer anderen verpackung. Ich bin da zu abgestumpft, ich brauche was neues. Ich will was echtes haben, und im Leben würde ich keine 6euro Parkgebühr für den Limbeckerplatz zahlen!

  5. Der andere Dennis
    26. Oktober 2009 at 12:14 #

    Würde man den ÖPNV gesamtpottig planen, takten, ausstatten und finanzieren, müsste man nicht über Parkplätze klagen, für die in verbauten Städten kein Raum ist.

    Erstes Ergebnis des Limbecker Platzes bleiben zumindest die Arbeitszeiten meiner Freundin vom letzten Wochenende. Von 8 Uhr bis spät in die Nacht.
    “Dies ist nebenei ebenfalls ein Vorteil dieser Center. Das Management bestimmt wer dazugehört und wer nicht und kann so ein ausgewogenes Verhältnis schaffen.”
    Korrekt. Aber nur solange die Margen stimmen. Das bei Leerstand irgendwann auch die erste Spielhalle einzieht, ist klar. Siehe Rhein-Ruhrzentrum.
    Insofern ist auch gar nicht die die Frage ob der LP funktioniert oder nicht, sondern ob er die kalkulierten Gewinne erwirtschaftet.
    Tut er das nicht, ist ganz schnell vorbei mit dem hohen Anspruch. Der LP war nämlich sicherlich in der Investition nicht billig.

  6. Sonntag
    26. Oktober 2009 at 18:29 #

    hoffentlich wird aus dem LP eine Spielhölle dann gibt es ein Grund dahin zufahren.

  7. Maik Gorski
    26. Oktober 2009 at 18:47 #

    @Der andere Dennis: Da hast du Recht.

    @Sonntag: Deine Negativeinstellung gegenüber dem LP verstehe ich nicht. Gönne doch der Stadt Essen ein funktionierendes Centrum und der Stadt Gelsenkirchen eine aufblühende Bahnhofstraße. Das funktioniert.

  8. GELSEN-NET
    29. Oktober 2009 at 10:26 #

    Hallo Dennis,

    ich wage es noch einmal, einen Link zu posten:
    http://www.mypott.de/video/Ross-Antony-bei-Er%C3%B6ffnung-Limbecker-Platz/1f3c9664963fc57ce5fb428382771a2b

  9. Dennis
    29. Oktober 2009 at 22:24 #

    Ihr seid ja Patrioten !!! Da macht Wilp als einzigstes Gelsenkirchener Mittelstandsunternehmen in Essen auf und ihr berichtet von Bärchen 🙂 Aber Scherz bei Seite: Schönes Video. Beste Szene: Der Plasma – Sparfux! Ahaha xD! Das war aber auch was an dem Tag. In einem Gespräch sagte ein Händler gegenüber einem Pressevertreter, der ihn nach seinen Eindrücken des ersten Tags befragte: “Kopftücher und Plasmafernseher, aber schreiben Sie das nicht !” Tihihi

  10. Martin
    29. Oktober 2009 at 23:44 #

    ROFL XD

  11. GELSEN-NET
    30. Oktober 2009 at 13:46 #

    Beim nächsten Mal musst du uns dann einfach zum Pressetermin zu Wilp einladen. Vielleicht kommt Ross dann auch einfach noch mal vorbei….

  12. Dennis
    30. Oktober 2009 at 14:32 #

    Die Gage kann Wilp nicht bezahlen 😉

  13. lana
    24. Februar 2010 at 21:10 #

    @Dennis
    LOKALpatrioten!

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