Die Bestie aus Bismarck.

Die Bestie aus Bismarck.

Niemand kann in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Dieses Sprichwort dürfte Ihnen sicherlich geläufig sein. Blöd, wenn das Ordnungsamt Ihre Nachbarschaft bei der Hetze gegen Sie tatkräftig unterstützt, weil es die Hetze als solche nicht erkennt oder – wie in diesem Fall dringend zu vermuten – gar nicht erkennen will.

So schließlich wird die kommunale Instanz für Ordnung und Sicherheit zur willkürlichen Waffe Ihrer Nachbarschaft. Auf Zuruf hagelt es dann Ordnungsverfügungen, Zwangsgelder und wenn Sie nicht zahlen auch gern mal Haftstrafen. Wehren können Sie sich dagegen zwar, aber zahlen müssen Sie trotzdem. Auch dann, wenn Sie anwaltlich nachweisen, dass die Aussagen Ihrer Nachbarn bewusst falsch sind und nicht der Wahrheit entsprechen.

Amtsleiter und Dezernenten sollten auf diese Art des Wegsehens ein Auge haben.

Ich habe das persönliche Gefühl, in Gelsenkirchen ist das möglich. Eine “Win-Win” Situation für Ihre Nachbarn und für die Einnahmeseite des Ordnungsamtes. Eine Synergiebeziehung, die auf der Anschwärzerseite als mangelndes Moralbewusstsein verbucht werden kann. Mit Blick auf eine amtliche Institution, die sich möglicherweise zur Durchsetzung persönlicher Befindlichkeiten vor den Karren spannen lässt, bekommt die nachfolgende Geschichte zumindest einen eigenartigen Beigeschmack, der von der Amtsleitung oder dem zuständigen Dezernenten dringenst umfassend überprüft werden sollte.

Aber der Reihe nach. Die Familie Wilp vom gleichnamigen Floristikfachgeschäft in Gelsenkirchen hält einen Golden Retriever auf ihrem von einem Zaun umfriedeten Grundstück. Das Tier ist mir viele Jahre bekannt und ist aus meiner festen Überzeugung heraus als absolut ungefährlich und verspielt einzustufen. Einen solchen Ruf genoss das Tier auch in der Nachbarschaft an der Klarastraße bis zu dem Tag, es war der 4.4.2008, als der Hund während des Beladens eines Busses für einen Moment unbeaufsichtigt vom Grundstück der Wilps auf eine angrenzende Spielstraße lief und schwanzwedelnt auf eine Mutter mit ihrem Kind zulief, sie umrundete, freudig belte und schließlich zurückkam. Es war eine Nachbarin, die man “vom Sehen” kannte, zu der die Familie Wilp aber keinerlei Beziehungen hat. Und – bis dahin – auch keinerlei Streit. Nichtsdesto trotz bildete sich ein Tumult von Anwohnern und kurze Zeit später trudelte die Post vom Ordnungsamt ein. Ein Herr Heinze beginnt seine Arbeit aufzunehmen und konfrontiert die Wilps mit einer “frei erfundenen Beschuldigung”. Eine Frau Z. bringt zur Anzeige, der Hund sei

“[…] aggressiv bellend auf ein sechsjähriges Kind zugelaufen und sprang es in Gefahr drohender Weise an.”

Während der erste Teil der Beschuldigung ja durch aus der subjektiven Wahrnehmung der Frau zugeordnet werden kann, ist die Anschuldigung, der Hund habe das Kind angesprungen, frei erfunden- so die Wilps. Der Hund hat das Kind nie berührt.

Gut vier Monate später, am 22.8.2008 der nächste, wieder von Frau Z. offensichtlich frei erfundene und zur Anzeige gebrachte Vorfall. Der Hund habe das Grundstück verlassen uns sei laut knurrend auf ein vierjähriges Kind zugerannt. Grundsätzlich ist ähnliches passiert, wie im ersten Vorfall: Nichts. Anwesende Mitarbeiter können dies bezeugen.

Wieder relativ genau vier Monate (!) später am 27.11.2008 entwickelt Frau Z. eine blühende, kriminelle Fantasie.  Unterdessen waltet Herr Heinze fleißig seines Amtes und teilt Bußgeldbescheide und Ordnungsverfügungen an die Wilps aus. Heinze ist bis zu diesem Datum offensichtlich felsenfest davon überzeugt, dass die von Frau Z. vorgetragenen Anzeigen inhaltlich der Wahheit entsprechen, obwohl ihm die Wilps zu verstehen geben, dass die Situation aufgebauscht wird und boshaft unterstellt wird, dass der Hund Kinder aggressiv angeht und von dem Hund eine Gefahr ausgeht. Heinze scheint das nicht zu interessieren, er geht weiter davon aus, dass der Hund gefährlich ist und moniert später nur, dass Herr Wilp nicht zu einem Anhörungstermin erscheint. Herr Heinze versteht nicht, dass es nichts weiter zu berichten gibt, als dass die Anschuldigungen alle frei erfunden sind. Wahr daran ist nur, dass der Hund kurz bellend das Grundstück verließ. Heinze ahndet dies und die Wilps zahlen. Passiert ist nach wie vor nichts. Vier Monate lang verlässt der Hund das mittlerweile verstärkt gesicherte Grundstück nicht.

Bis zum 27.11.2008. Da unternahm der Retriever, als ein Mitarbeiter das Tor zum Grundstück kurz öffnete, erneut einen Rundgang in alter Manier. Kurz raus aus dem Grundstück eine bellende Runde. Allerdings trifft er an diesem Tag auf einen Zustellungsboten einer privaten Firma, der sich zunächst nicht um das Tier kümmert, dann aber völlig unvermittelt und unnatürlich dem Tier sein Fahrrad entgegenwirft. Der Retriever bleibt ein bisschen verdutzt vor dem Fahrrad stehen und bellt, kehrt dann um und läuft zurück aufs Grundstück. Stephan Wilp steht daneben und weiß nicht recht, wie er die Situation deuten soll. Der Zusteller regt sich künstlich auf, beruhigt sich aber schnell wieder, weil nicht das Tier eine Gefahr für den Zusteller war, sondern das geworfene Fahrrad eine Gefahr für das Tier. Passiert ist aber nichts. Weder dem Zusteller noch dem Tier. Wieder mal nicht. Doch als die Situation geklärt scheint, betritt besagte und dem Ordnungsamt mittlerweile gut bekannte Frau Z. die Bühne. Sie habe vom Fenster aus selbstverständlich alles beobachtet und redet fortan auf den Zusteller ein. Stephan Wilp geht mit dem Hund ins Büro, um sich nicht provozieren zu lassen. Wer bis hierhin mitgelesen hat, der wird wissen, dass Frau Z. die Situation nicht auf sich beruhen lässt. Frau Z. überredet den Zusteller die Polizei zu rufen und eine Anzeige zu erstatten. Kurze Zeit später steht die Polizei bei Wilp im Büro und konfrontiert Herrn Wilp mit einer später nachweisbaren Falschaussage, die im Bußgeldbescheid folgendermaßen klingt:

“[…] Ihr Hund hat eine andere Person in Gefahr drohender Weise angesprungen und versucht, diese zu beißen. Die Person konnte sich nur mit Tritten gegen Ihren Hund wehren. Obwohl Sie lediglich einige von Ihrem Hund entfernt waren, griffen Sie nur dadurch ein, dass Sie versuchten, Ihren Hund zurückzurufen. Während des Vorfalls war Ihr Hund nicht angeleint.”

Den Wilps dämmert: Irgendwas läuft hier gegen uns. Nur was? Mit Frau Z. hatte man niemals Streit, der lügende Zusteller war bisher immer freundlich und das Ordungsamt wird sich ja wohl nicht an Denunzinationen beteiligen. Fakt ist: Der Zusteller lügt und Frau Z. hat ein Interesse daran, die Wilps mit Bußgeldern zu tyranisieren. Unverständlich bleibt, dass dem Sachbearbeiter Heinze trotz Hinweis auf die Tatsachenbehauptungen  nicht die Regelmäßigkeit der Vorfälle (alle 4 Monate) auffallen und das sämtliche Anzeigen bisher von Frau Z. stammen.

Die Wilp’s schalten einen Anwalt ein und Heinze nimmt sich Zeit bei der Übersendung der Akten an die Kanzlei. Herr Wilp übersendet sodann eine Email an Heinze und ist nicht minder verwundert über dessen Antwort:

“Sehr geehrter Herr Heinze,
hiermit bestätige ich Ihnen den Erhalt und die Kenntnisnahme der Anhörung vom 8. Dezember 2008. Ich teile Ihnen mit, dass auch beim dritten Mal die Inhalte der Anhörung frei erfunden sind. Bevor Sie daher vorschnell Amtsgerichte, Zwangsgelder, Ersatzszwangshaft und sonstige Repressialien androhen, würde ich mich verbindlich darüber freuen, wenn Sie es in annähernder Geschwindigkeit bewerksteligen könnten unserem Anwalt […] die angeforderten Unterlagen zuzusenden. Ich habe Grund zur Annahme, dass mir durch die mutwilligen Falschaussagen Schaden zugefügt werden soll. Sollten die Akten bereits zugestellt sein, betrachten Sie dieses Schreiben bitte als gegenstandslos.
Mit freundlichen Grüßen
Stephan Wilp” (Email vom 10.12.2008)

Die Antwort noch am selben Tag:

“Sehr geehrter Herr Wilp,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 10.09.2008.
Die Umstände, wie es zu den mir angezeigten Vorfällen mit Ihrem Hund kam und ob es sich um mutwillige Falschaussagen handelt, kann ich von hier aus schwerlich beurteilen. Laut den mir vorliegenden Zeugenaussagen verliefen die Vorfälle wie in der Anhörung geschildert. Um Ihrem Anwalt den Vorgang übersenden zu können, benötige ich eine entsprechende Aufforderung und Vollmacht von der Kanzlei […]. Alsdann wird der Vorgang unverzüglich übersandt.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrage
Dirk Heinze” (Email vom 10.12.2008, Hervorhebung Gelsenkirchen Blog)

Herr Heinze liest und denkt offensichtlich nicht selbst. Eine von “Im Auftrage” von Heinze erstellte Antwort hält unmissverständlich fest, dass es egal ist, was Wilp mitteilt. Heinze könne also schwerlich beurteilen, ob es sich um Falschaussagen handelt. Für ihn verliefen die Vorfälle wie in der Anhörung geschildert. Wenn Heinze aber nicht beurteilen kann, ob es sich um Falschaussagen handelt, woran kann er denn zu dem Zeitpunkt beurteilen, dass die Inhalte der Anhörung evident sind ? Gar nicht, ließe sich annehmen. Zwangsgelder und Ordnungsverfügungen verhängt er trotzdem. Das Ordnungsamt ist bereits zu diesem Zeitpunkt – meinem persönlichen empfinden nach – nicht mehr neutral. Die Wilps sehen das genauso. Nützen tut das nichts.

Weil die Wilps davon ausgehen müssen, dass die Nachbarschaft mit weiteren Anschuldigungen aufwartet, lassen sie den Retriever unmittelbar nach dem letzten Vorfall von einer Tierpsychologin und Trainerin sowie von Mitarbeitern des Tierheims Recklinghausen auf eine eventuelle Gefahr hin prüfen. Mit folgendem Ergebnis:

“Aufgrund meiner Beobachtungen bei meinen beiden Besuchen kann ich keinerlei Verhaltensauffälligkeiten bei Benny feststellen, die sich in den Situationen hätten zeigen müssen, wenn der Hund sich so verhalten würde, wie es in den Sachverhaltsschilderungen der beiden Schreiben vom Ordnungsamt vom 10.10.2008 und 04.12.2008 beschrieben wird. Den Hund aufgrund dieser beiden Anzeigen als “gefährlich” einzustufen und mit den Auflagen eines dauerhaften Maulkorb- und Leinenzwangs zu belegen sehe ich als nicht gegeben” (Gutachten der Tierpsychologin und Trainerin vom 28.12.2008)”

Unterdessen macht in Bismarck das strategisch gestreute Gerücht vom der beißenden Bestie die Runde. In der Nachbarschaft erzählt man sich, der Hund habe einen Postboten gebissen und schon ein zwei Kinder angefallen. Der Zusteller wirft seitdem die Post nur noch durch das Geschäft und weist anwesende Kunden auf den – wie er selbst weiß – frei erfundenen Beißvorfall hin. Die Wilps informieren den Arbeitgeber des Zustellers, er möge deratige Tatsachenbehauptungen bitte unterlassen. Dadurch wird der Zusteller offenbar wachgerüttelt und es bricht aus ihm heraus. Das was die Wilps vermuteten, gibt er anwaltlich beglaubigt zu Protokoll:

“[…] An sich ist nichts passiert. Ich hätte diesen Vorfall auch auf sich beruhen lassen. Unmittelbar danach kam Frau Z.[Name d. Redaktion bekannt] aus ihrem Haus auf mich zu. Sie erklärte mir, dass dieser Hund bereits ihr Kind angegriffen habe. Sie forderte mich auf , die Polizei zu rufen und eine Anzeige zu erstatten. Es hätten nämlich mehrere Anzeigen vorher bei dem Ordnungsamt nicht gefruchtet. […] Einen Tag später habe ich Frau Z. getroffen. Sie hat mir dann erklärt, ich müsse gegenüber dem Ordnungsamt noch schriftlich mitteilen, dass der Hund aggressiv knurrend auf mich zu gekommen sei. Dies war tatsächlich nicht der Fall. […] Im Nachhinein beurteile ich den Vorgang als harmlos[…] ( Transkript der unterschriebenen Aussage des Zustellers vom 23.4.2009, Hervorhebung Gelsenkirchen Blog).

Spätestens an dieser Stelle gingen alle davon aus, dass die Sache damit klar ist und von nun an von Seiten des Ordungsamtes nicht mehr die Annahme aufrecht erhalten wird, Benny sei ein gefährlicher Hund. Auch, dass es sich bei den Anzeigen um wissendlich getätigte Falschaussagen von Frau Z. handelt, konnte die Aussage des Zustellers belegen. Herr Heinze hatte unterdessen eine Ordnungsverfügung festgesetzt: Leinenzwang und Maulkorbpflicht. Nur logisch, dass die Wilps sich dies nicht gefallen ließen und mit der bis hierhin vorgetragenen Argumentation klagten.

Erstaunlich in diesem Zusammenhang war erneut das aus meiner persönlichen Sicht einseitige Urteilsvermögen des Sachbearbeiters Heinze. So hält er über die vorgetragene Klage folgendes fest:

“In der Klagebegründung vom 20.04.2009 stellt der Rechtsanwalt die in den Bußgeldverfahren gemachten Vorwürfe als nicht richtig dar. Diesem wird meinerseits widersprochen, da die Bußgeldverfahren zum Teil rechtskräftig sind und zum anderen Teil Zeugenaussagen zu diesen Vorfällen vorliegen.”

Eine für mich eigentümliche Begründung. Herr Heinze weiß um den Umstand, dass es sich bei den Zeugenaussagen um bewusste Falschaussagen handeln könnte. Bisher allerdings würdigte er diese Information stets mit dem Hinweis, dass er dies nur schwerlich beurteilen könne. Selbst eine eigenhändig unterschriebene Bestätigung, dass es sich tatsächlich um Falschaussagen handelt, bringen Heinze nicht von seinem Kurs ab, unbedingt die Ordnungsverfügung aufrecht zu erhalten. Heinze ignoriert aus meiner Sicht schlicht die Inhalte der richtig gestellten Zeugenaussage. So führt er weiter aus:

“Des Weiteren halte ich die erst jetzt beigebrachte Aussage des Zeugen S.[Name des Zustellers] für wenig relevant, da der Hund gemäß §2 nicht entsprechend gehalten wurde[!sic] um Gefahren zu vermeiden. […] Das [sic!] der Vorfall im Nachhinein durch den Zeugen S. als harmlos eingestuft wird, steht im absoluten Gegensatz zu den Aussagen, die er am 27.11.08 gegenüber der Polizei gemacht hat […]”.

Ich will nicht zu grausam urteilen, aber FALSCHaussagen, die später also solche entlarvt werden, stehen immer im diametralen Kontrast zur Richtigstellung. Das ist für die meisten Falschaussagen konstitutiv. Die Anmerkung Heinzes ist daher äußerst unverständlich. Über die Feststellung der Tierpsychologin und Trainerin geht Heinze überdies ebenfalls hinweg, indem er sie schlicht ebenfalls als irrelevant entkräftet und erst dann als gültig betrachtet, wenn die Beobachtung von einem amtlichen Tierarzt mit Hilfe eines Wesenstestes beglaubigt würden.

“[…] Wenn der Hund, wie von Frau V. [Name der Tierpsychologin/Trainierin] beschrieben keine Gefahr darstellt, wäre ich bereit, nach bestandenem Wesenstest von der Maulkorbpflicht abzusehen. Dieser wäre jedoch von einem amtlichen Tierarzt durchzuführen.

Interessant ist überdies, dass Sachbearbeiter Heinze nicht nur das Verhalten des Tieres, das er gar nicht kennt, aus der Ferne beurteilt, nein auch das Verhalten des Herrchens, das er ebenfalls gar nicht kennt, vermag er zu beurteilen:

“Aufgrund des Verhaltens von Herrn Wilp sehe ich jedoch keine andere Möglichkeit als die in der OV [Ordnungsverfügung] verhängten Maßnahmen, um zu verhindern, dass der Hund ohne Leine öffentliche Flächen betreten kann.”

Welches Verhalten Heinze genau aus der Ferne beurteilt, expliziert er nicht. Das, was aber auf der Hand liegt und durch eine Zeugenaussage abgesichtert zur Faktenlage gehört, kann Heinze leider nicht ermessen:

“Inwieweit es sich um Nachbarschaftstreitigkeiten handelt [sic!] kann von hier nicht beurteilt werden[sic!]”

Herr Heinze gibt sich beim Verfassen dieses Umstandes besondere Mühe und verzichtet gänzlich auf die Zeichensetzung. Insgesamt habe ich nach Sichtung der Akten bisher den persönlichen Eindruck, dass Heinze möglicherweise auch inhaltlich so sorgfältig arbeitet, wie er schreibt.
Die Zeugenaussage expliziert eindeutig, dass die Anschuldigungen frei erfunden sind und auch, dass eine gewisse Frau Z. Urheber sämtlicher Anzeigen ist und möglicherweise ein gewisses Interesse daran haben haben könnte, den Wilps zu schaden. Herr Heinze erkennt das leider nicht, was bedauerlich ist, für eine derart sensible Position im Kontext einer Behörde. Finde ich.

Jedenfalls kehrt kurzfristig Ruhe ein. Die Maulkorbverfügung wird bei Gericht vorläufig zurückgewiesen. Die Leinenpflicht blieb hingegen erhalten. Am 28.3.2010 dann – Sie ahnen es – nächste polizeiliche Anzeige. Diesmal war der Sohn der Wilps der Beschuldigte. Er habe eine Frau B. mit Kinderwagen und Jack Russel Terrier, die er nur vom sehen kennt, als “Fotze” beschimpft. Soso, aber damit nicht genug: Frau B., wohnhaft an der Bismarckstraße (NACHBARSCHAFT, HERR HEINZE!!!!) schreibt zusätzlich eine Anzeige an das Ordnungsamt und legt dabei – im Unterschied zum Sachbearbeiter – eine schier unglaubliche Akribie an den Tag. Sie berichtet verdächtig detailiert, gerade so als wisse sie, was sie beim Ordnungsamt vorbringen müsste, um den Wilps zu schaden. Selbstverständlich war der Hund ordnungsgemäß – so dachte man -angeleint und kurz gehalten worden. Selbstverständlich ist – wie immer – nichts passiert.

Was der Sohn hingegen nicht wusste war, dass das Ordnungsamt auch die Länge der Leine regelt. Höchstens 1,5m lang und reißfest darf sie sein. Frau B. hingegen wusste dies sehr genau, und gab gegenüber dem Ordnungsamt das Folgende an:  Als […] ich Herrn Wilp dann bat doch einfach mit dem Hund weiter zu gehen, fand er sich angegriffen und beleidigte mich auf [!sic] übelste [!sic] und lies [!sic] die ca. 8 Meter Flexileine los. Sein Hund kam die Treppe zu mir nach oben und wollte auf meinen Hund los gehen” (vgl. Anzeige beim Ordnungsamt Frau B. vom 7.April 2010). Wilp Junior ist über soviel kriminelle Energie verwundert. Benny, der Retriever, ist weder auf den anderen Hund losgegangen noch war er mehr als einen Meter von ihm entfernt. Wenn Frau B. tatsächlich in Panik war,wie sie fälschlich zu Protokoll gibt, warum fällt ihr ausgerechnet die Flexileine auf ? Warum gibt sie überhaupt zu Protokoll, dass der Hund an einer Flexleine gehalten wurde?  Jedenfalls ist Frau B. eine engagierte Frau, sorgt sie sich doch sehr um ihre Umgebung: “Ich hoffe, dass gegen den Hundehalter langsam etwas unternommen werden kann. Er ist in unserer Gegend recht gut bekannt. Herr Wilp hat wohl auch des Öfteren schon Ordungsgelder entrichten müssen. Als er mal von einem Nachbarn auf die ganzen Geschehnisse angesprochen wurde, bekam er als Anwort: ‘Wer will mir denn was? Ich bezahle doch alles!!’ vgl. ebd.)  Für eine Fremde weiß sie ziemlich viel von Dingen, die öffentlich nicht thematisiert wurden. Auch die Aussage hat Wilp öffentlich nicht getätigt? Woher wusste Frau B., dass Wilp des Öfteren schon Ordungsgelder entrichten musste, was ja stimmt? Selbstverständlich hat Frau B. für ihre Anschuldigungen Zeugen. Nachbarn natürlich.

Ich bin mir sicher, auch dieser Herr Heinze vom Ordnungsamt hat schon mal von diesen Nachbarn gehört.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Ordnungsamt Gelsenkirchen ganz augenscheinlich dazu misbraucht werden kann, Dritten unberechtigt Schaden zuzufügen. Gewissenmaßen auf Zuruf kann unterstellt werden, dass von einem Hund eine Gefahr ausgeht. Trotz verlässlicher Hinweise auf mutwillige Falschaussagen stellt das Amt wie selbstverständlich Ordnungsverfügungen und Bußgelder aus. Diffamierungen lassen sich selbst bei vorliegenden Zeugenaussagen und Gutachten von Fachleuten nicht revidieren. In der Summe kann und muss aus meiner Sicht hier von einem unhaltbaren, weil völlig tendenziösen Verhalten des Ordnungsamtes ausgegangen werden. Die Wilps haben aktuell ein Zwangsgeld von 1000 Euro zu zahlen, weil sie die vom Amt an die Anwaltskanzlei und nicht an die Postadresse zugestellte Anordnung zum Wesenstest erst zu spät zu Gesicht bekamen, um drauf zu reagieren. Die Wilps wollen den Wesenstest mit dem Tier absolvieren, aber nicht mehr unter der Obhut von Sachbearbeiter Heinze. Ein Termin für den Test liegt von einem amtlichen Veterinär bereits vor. Dies haben die Wilps anfang letzter Woche Heinze und seinem Amtsleiter Frank Hutmacher mitgeteilt. Eine Rückmeldung oder Reaktion gab es bis heute leider nicht. Obwohl die Wilps es vermeiden wollten, sehe ich die Notwendigkeit einiger Strafanzeigen gegeben. Nicht alles darf man sich gefallen lassen. Und was das Ordnungsamt angeht dürfte klar sein, dass dies Konsequenzen hat.

Bei der Recherche zu diesem Sachverhalt äußerten unabhängige Tierärzte Verwunderung über diesen Fall. “Nicht nachvollziehbar und mysteriös” sei das Vorgehen. Grundsätzlich aber “[…] sind die in Gelsenkirchen ein bisschen eigen”. Bis heute, denn dieses Vorgehen findet hiermit hoffentlich sein Ende.

Gelsenkirchen Blog wird diesen Fall weiter verfolgen. Insofern Sie als Hundehalter ebenfalls “mysteriöse” Erfahrungen mit dem Fachbereich “Recht und Ordnung” gemacht haben, schreiben Sie bitte eine Email, an die im Impressum angegebene Email Adresse.  

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