Der infinite Regress der CDU

Die CDU in Gelsenkirchen ist einem infiniten Regress unterlegen. Einem Rückschritt ohne Ende. Mit einer erschreckend überheblichen Selbstgefälligkeit ist sie in Gelsenkirchen  inhaltsleer in einen Wahlkampf gestartet, der sowohl kommunikativ als auch politisch eigentlich keiner war. Öffentliches Postengerangel, unsäglich anmaßendes Verhalten gegenüber den politischen Gegnern, einem OB-Kandidaten, den niemand kannte und einer Jungen Union, die es faktisch gar nicht gibt, hat man so ziemlich alles falsch oder nicht gemacht, was man falsch oder nicht machen konnte. Die Gelsenkirchener Parteischefs, die der denkende Bürger schon seit langem eigentlich nicht mehr ernst nehmen kann, konnten selbst tiefschwarze Stadtquartiere nicht mehr halten. Dies zeigt, dass nicht die von der CDU monierte Ubiquität des OB für das Wahldesaster verantwortlich ist, sondern maßgeblich das eigene Unvermögen der CDU Parteispitze, Inhalte zu generieren.  Statt Inhalte zu präsentieren, erfolgten wiederholte Angriffe in Richtung OB, schwachsinnige Vorstöße und zum Teil die Kapitulation vor dem politischen Gegner, indem die CDU öffentlich die “Baranowskisierung” aller städtischen Lebensbereiche als Gefahr ausrief. Dass der “Baranowskikiller” eigentlich keine Waffe gegen sein Opfer hat, bekam der Bürger alsbald schriftlich per Post. Ein Werbemailing mit Texten zur Staatshistorie, ohne Bezug zur Stadt Gelsenkirchen. Auch die Angst der Bevölkerung, das Mörs aus Köln die Amtsgeschäfte als Nebenjob betreibt, könnte zur Abwanderung von Stimmen geführt haben. Die CDU ist durch ihre desaströse Parteispitze auf  Nachkriegsniveau angelangt, sie hat faktisch keine Relevanz mehr für die Gelsenkirchener Politik. Das ist der Rückschritt. Infinit wird er, weil die CDU noch immer nicht’s hinzugelernt hat, was die Statements in der heutigen WAZ eindrucksvoll belegen. So konstatiert Norbert Mörs, m. E. weiterhin überheblich:

“Wir müssen erleben, dass die inhaltliche Auseinandersetzung mit kommunalpolitischen Themen nichts war, das diese Wahl beeinflussen konnte. Stattdessen ist ein obskures Wohlfühlgefühl auf niedrigem Niveau gewählt worden. Mein Engagenment in und für diese Stadt wird nicht enden. Ich bin weiter als Kreisvorstands-Mitglied dabei” (WAZ 31.08. 09).

Dieses Zitat muss nicht kommentiert werden, um zu erkennen, wie verblendet es doch ist. Die CDU muss sich neu aufstellen und das möglichst schnell. Die Wählerinnen und Wähler haben deutlich gemacht, dass sie der CDU-Führung das Vertrauen entzogen haben. Und die Junge Union hat deutlich gemacht, dass sie nichts weiter ist, als ein Haufen Jugendlicher, der sich der Parteilethargie der Alten angeschlossen hat. Ohne Kampf gewinnt man keine Wahl. In Gelsenkirchen nicht und anderswo sicherlich ebenfalls nicht.

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3 Kommentare zu “Der infinite Regress der CDU”

  1. Lukas
    31. August 2009 at 21:55 #

    Hey,

    schöner Artikel! Aber du musst die CDU nicht auffordern sich zu erneuern! Lass sie doch da wo sie sind, dann geht es in 5 Jahren dadrum wer drittstärkste Partei wird!
    CDU?, Grüne?, Linke?, FDP?…..
    Wird man dann ja sehen!

  2. Dennis
    1. September 2009 at 11:37 #

    Hallo Lukas, vielen Dank. Aber: Ich bin der Meinung, dass Demokratie auch Wettbewerb bedeutet. Und Wettbewerb spornt an. Eine starke / stärkere CDU ist wichtig für eine starke SPD. Absolute Mehrheit darf nicht bedeuten, absolute Sicherheit, denn das macht dick und träge. Insofern wäre es schon wichtig, wenn die CDU Konsequenzen aus dem Desaster zieht und sich neu aufstellt. Wie man heute allerdings schon der WAZ entnehmen kann, passiert das nicht. Man schreibt das Versagen indirekt Mörs und einem netten OB zu. Die alten Posten bleiben bestehen. Ich habe langsam das Gefühl, die Partei besteht nur als Jobagentur. Es ist unfassbar.

    Sehr traurig stimmt mich hingegen das Ergebnis der Grünen. Denn die haben sich im Wahlkampf – ähnlich wie die Jusos – lang gemacht. Gearbeitet, gekämpft und repräsentiert. Die OB-Kandidatin war für mich eine der Besten seit vielen Jahren. Dieses Ergebnis ist für mich persönlich schwiering zu interpretieren. Das der CDU hingegen, ist glasklar.

  3. Dennis Bartel
    2. September 2009 at 00:22 #

    *bekommt feuchte Augen*
    Danke Dennis! 🙂

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