Der erste kleine Titel

Mit dem Liga-Total-Cup fand an diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal ein von der Telekom gesponsortes Turnier in der Veltins Arena statt. In diesem Jahr waren die Teilnehmer Titelverteidiger Hamburger SV, der FC Bayern München, der 1. FC Köln und Gastgeber Schalke 04.

Nachdem gestern die Bayern gegen Köln im Elfmeterschießen gewannen und Schalke den HSV ausschaltete, stand heute das Finale an: Bayern gegen Schalke. Eigentlich ein Spiel, das durchaus als echter Härtetest in der Vorbereitung gesehen werden könnte. Einziges Problem: Etliche Nationalspieler der Bayern weilen nach der WM noch im Urlaub und so hatte Louis van Gaal sogar arge Probleme überhaupt eine Mannschaft aufzustellen.

Schalke, das in einer Art Bestbesetzung antrat, musste also klar als Favorit angesehen werden. Besonders im Blickpunkt stand natürlich der neue Superstar Raul. Etwas überraschend stand hingegen der Schalker Neuzugang Kyriakos Papadopoulos, den Magath noch am Vortag nach nur 11 Minuten Einsatzzeit wieder vom Feld nahm und so regelrecht abstrafte, für Benedikt Höwedes in der Startelf.

Das Spiel begann und zum allgemeinen Erstaunen hielt das Rumpfteam der Bayern erstaunlich gut mit. Schalke gelang eigentlich fast gar nichts und auch die Abwehr offenbarte immer wieder Schwächen. So traf in der 6. Minute dann auch Mujic zum 1:0 für die Bayern, nachdem er von Sosa mustergültig bedient worden war.

Gerade Papadopoulos wirkte auf Schalker Seite oft recht unbeholfen. Vielleicht war nach der Abstrafung gestern einfach der Druck zu groß. Auch Metzelder wirkte noch lange nicht so, wie man sich einen Abwehrchef vorstellt. Das könnte aber auch damit zu tun haben, dass etliche Schalke-Fans ihn nach wie vor als Urdortmunder sehen und sogar auspfeifen. Hinzu kam dann noch der misslungene Rückpass im ersten Spiel des Turniers, der den Hamburgern das 1:0 ermöglichte. Alles in allem ein eher unglücklicher Einstand für Metzelder in der Arena.

Doch gegen Ende der ersten Halbzeit begannen die Schalker dann doch endlich einmal Fußball zu spielen und in der 25. Minute war es dann soweit. Nach herrlicher Vorarbeit tauchte Edu alleine vor Bayern-Keeper Sattelmaier auf und schlenzte den Ball wunderschön ins lange Eck. Dabei zielte er aber etwas zu genau und traf nur den Innenpfosten. Den Abpraller konnte allerdings der neue Superstar zu seinem ersten Tor für Schalke verwerten. Raul war nun quasi auf Schalke angekommen.

Nur zwei Minuten später konnte die Party weitergehen. Farfan spielte wunderschön steil auf Edu, der alleine in den Strafraum eindrang und den Ball trocken zu seinem zweiten Turniertreffer im kurzen Eck versenkte.

Damit bestätigte Edu auch heute wieder, was er schon gestern und während der ganzen Vorbereitung zeigte. Er ackert, macht Kilometer, weicht auf die Flügel aus, schafft Räume und trifft. Kurz gesagt: Edu ist in Form und dürfte ein heißer Kandidat auf den Platz neben Raul sein.

So ging Schalke also mit einer Führung in die Halbzeitpause. Besonders auffällig war hier der immer wieder zu beobachtende Dialog zwischen Raul und Baumjohann, die scheinbar jede Gelegenheit nutzen, um sich abzusprechen und Laufwege zu diskutieren. Schön zu sehen, dass Raul sofort integriert wird und offenbar auch seine Erfahrung genutzt wird um sich Tipps zu holen bzw. sich abzustimmen.

Die zweite Halbzeit begann dann beinahe mit einem Paukenschlag. Nach nur zwei Minuten tauchte Alaba nach einem erneuten Totalausfall der Schalker Abwehrreihe alleine vor Manuel Neuer auf. Allerdings setzte er den Ball knapp neben das Tor und vergab so die Riesenchance zum Ausgleich.

Für den wirklichen Paukenschlag sorgte dann Raul in der 34. Spielminute, Nach schönem Anspiel von Baumjohann nutzte der spanische Superstar einen Stellungsfehler von Sattelmaier und lupfte den Ball aus gut 16 Metern sensationell ins Tor. Das war wirklich Weltklasse und gleichzeitig eine Antwort auf Christian Nerlinger. Dieser wurde in der Halbzeit gefragt, ob Raul nicht auch ein Spieler gewesen wäre, den man gerne bei den Bayern gesehen hätte. Die leicht spöttische Antwort: „Vor 10 Jahren vielleicht“. Ich hoffe das Tor ist dem netten Herrn Nerlinger so richtig schön auf den Magen geschlagen. Hochmut kommt eben vor dem Fall.

In der 40. Minute hatte dann noch einmal Manuel Neuer einen großen Auftritt, nachdem sich die Abwehr erneut aushebeln lies. Diesmal war Olic alleine auf dem Weg zum Tor, aber er scheiterte am glänzenden Keeper.

So blieb es letztlich beim verdienten 3:1 Sieg der Schalker, die damit einen ersten kleinen Titel gewonnen haben. Festzuhalten bleibt, dass gerade in der Abwehr noch deutliche Schwächen zu erkennen sind. Allerdings muss man auch sagen, dass die aufgebotenen Spieler wohl noch nicht die endgültige Stammformation darstellen. Trotzdem gibt es hier noch einiges zu tun.

Viel Freude macht dagegen bereits die Offensive. Baumjohann und Farfan zeigen sich bereits sehr spielfreudig und Edu dürfte einer der großen Gewinner der Vorbereitung sein. Wozu noch einen teuren Stürmer nachkaufen, wenn man einen Edu in dieser Form hat und dazu Jendrisek und Gavranovic als Backups.

Von Raul braucht man sowieso nicht groß zu sprechen. Der Mann ist schlichtweg angekommen. Und wie! Wenn man bedenkt, dass er noch keine Woche in Deutschland ist und erst dreimal mit der Mannschaft trainiert hat, dann ist seine Leistung beim Liga-Total-Cup schon beachtlich. Ich sage nur: Lasst den Mann voll eingespielt sein und richtig fit werden (und da wird Magath für sorgen) und einigen, die jetzt noch über den alten Mann lächeln, werden die Kommentare im Hals stecken bleiben.

Zum Abschluss hier noch ein Youtube-Video von Rauls Lupfer-Tor zum genießen…

Foto von free-ers unter CC-Lizenz.

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