Das Effizienteste wäre doch eine Mauer.

Das Effizienteste wäre doch eine Mauer.

Mauer DDR

Gelsenkirchen erwägt (wie erwartet) gerichtliche Schritte gegen Recklinghausen.

Meine Abneigung gegen körperliche Gewalt, als Mittel zur Durchsetzung von Interessen, ist dem Stammleser wohl bekannt. Meine Abneigung gegen juristische Gewalt ebenfalls. Im Gerangel um die Löhrhof Acarden bleibt aber wohl genau Letzteres nicht aus. So führt Frank Baranowski in seiner OB Kolumne aus, dass es Regeln gäbe, an die sich jede Stadt zu halten habe. Das ist sicherlich richtig. Recklinghausen habe sich mit dem Ausbau des Löhrhofs nicht an Regeln gehalten und seine Verkaufsfläche offenbar “widerrechtlich” erweitert. Widerrechtlich im Sinne des Baurechts.

Aus der Feder Tastatur von Frank Baranowski klingt dass dann so:

Auf einen Schlag soll da die Verkaufsfläche in der Innenstadt um 25 % erweitert werden. Als Höchstgrenze, die noch verträglich ist, gelten etwa 15 %. Gerade die Innenstadt in Buer, die traditionell viele Kunden aus Dorsten, Marl oder Herten hat, wird darunter in erheblichen Maße leiden. Im Baurecht heißt es, dass benachbarte Gemeinden ihre Bauleitpläne miteinander abstimmen sollen. Das hätte ich eigentlich von unseren Nachbarn in Recklinghausen erwartet. Schade, dass nun voraussichtlich Gerichte klären müssen, was eigentlich in der Stadtlandschaft Ruhrgebiet Sache der interkommunalen Zusammenarbeit gewesen wäre (vgl. OB Kolumne).

Aus meiner Position kann ich die internen politischen Intentionen nicht voraussehen und es steht mir auch nicht zu, darüber zu urteilen. Falls hinter diesem Vorgehen eine Strategie steckt, dann ist es eine, die ausschließlich politischen Interessen dient. Wirtschaftlich hingegen, da lasse ich gern den Propheten in mir sprechen, ist dieses Vorgehen hochgradig dysfunktional. Mit einer Klage gegen Recklinghausen hat Buer keinen einzigen Kunden gehalten oder hinzu gewonnen. Vielleicht sogar eher Kunden verloren, denn klagen macht unsympathisch. Eine Klage ist Politik für den Moment, denn Gelsenkirchen kann die wirtschaftlichen Entwicklungsprozesse nicht aufhalten, sondern mit einer Klage bestenfalls hinauszögern.  Eine Klage kostet in dieser Größenordnung wahnsinnig viel Geld. Geld das auch direkt nach Buer fließen könnte, was -aus meiner Sicht- funktional wäre.  Ob der propagierte Kaufkraftverlust durch den Löhrhof tatsächlich eintritt, ist darüber hinaus kontingent. Ich erinnere an den “Demographischen Wandel”, der vor allem den lokalen Einzelhandel beflügeln wird. Es ist davon auszugehen, das ältere Menschen doch eher am Ort einkaufen. Bei einem ausgedehnten qualitativen Angebot,  ist es doch unwahrscheinlich, dass Bueraner nach Recklinghausen fahren oder die Recklinghäuser nach Buer kommen (In einem wirtschaftl. relevanten Ausmaß) .

Gelsenkirchen hat eine Klage nicht einmal nötig, denn mit dem Umbau der Ahstraße, mit dem Bau eines der aufregendsten Rathäuser Deutschlands, mit der Wiederbelebung der Domplatte und mit der Aufwertung der Bahnhofstraße sind zukunftsträchtige Projekte auf den Weg gebracht. Wenn Gelsenkirchen es nun noch schafft, unter freiem Himmel an das Angebot der Malls heranzureichen, dann ist die Gefahr des Kaufkraftverlusts weitgehend gebannt. Und zwar in jede Himmelsrichtung. Eine Klage hingegen schafft zusätzlich Komplexität, kostet Geld und macht die Zukunft noch unberechenbarer.

Auch Frank Baranowski hat diese Klage nicht nötig. Es behaftet seine erfolgreich und zukunftsträchtig auf den Weg gebrachten Projekte mit dem Etikett der Unzulänglichkeit. Frank Baranowski kann Gelsenkirchen auch ohne Klage in eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft führen, daran habe ich absolut keinen Zweifel.  Klagen ist ein letztes Mittel der geistig Besitzlosen, der Manager ohne Vision und Seele. Klagen ist symbolischer Protektionismus.  Klagen ist für die, die nicht wissen wie es weiter gehen soll. Klagen ist die Aufgabe von Selbstbewusstein und Kreativität. Die Klageschrift ist letztendlich die Verschriftlichung des eigenen Unvermögens.  Klagen ist das Versagen der Elite.

All das steht in diametralem Kontrast zur politischen Figur Baranowskis.  Ich habe Frank Baranowski als einen Politiker mit Vision kennen gelernt. Baranowski ist näher am Bürger als jeder OB vor ihm. Baranowski hört dem Trinkhallenbesitzer genau so zu, wie wohl dem einflussreichen Wirtschaftsführer. Baranowski lässt es sich nicht nehmen bei jeder Neuformierung von Werbegemeinschaften dabei zu sein. Dort, wo Baranowski geholfen hat, wird es besser. Direkt konnte ich das bei der IG Kirchviertel miterleben, die ohne die Motivation Baranowskis nicht einmal gegründet worden wäre. Aus einem losen Haufen demotivierter Händler, hat er durch seine Präsenz und Unterstützung eine funktionierende Einheit geschaffen, die – ich bin ab und zu bei den Sitzungen dabei – wirklich Spass daran hat, ihr “Stückchen” Stadt aktiv zu gestalten. Baranowski hat das Problem Hans-Sachs- Haus gestemmt und ein Neues auf den Weg gebracht. Um es nun auf den Punkt zu bringen und der Gefahr zu entgehen, dass mich die SPD als Werbetexter einstellt : All das kann und wird Baranowski auch für Buer tun. Die Angst vor dem Löhrhof ist daher eigentlich unbegründet. Die richtige Antwort, um auf den Ausbau  des Löhrhofs zu reagieren, wäre es, einen riesigen Blumenstrauß zu kaufen und bei der Eröffnung in unserer Partnerstadt Recklinghausen zu den Gratulanten zu gehören. Das wäre elitär und selbstbewusst . Alles andere ist nur Kraft und Zauber.

(Foto:  (cc) Songkran )

5 Kommentare zu “Das Effizienteste wäre doch eine Mauer.”

  1. Stefan
    9. Mai 2009 at 17:49 #

    Ich kann gut verstehen das Baranowski gegen die Arcaden klagen will. An seiner Stelle würde ich es auch tun, denn die “Angst” vor den Löhrhof Arcaden ist berechtigt. Die Arcaden werden nicht nur die Recklinghäuser Innenstadt ruinieren, die eine der schönsten im Ruhrgebiet ist, sondern auch Buer, Herne, Marl und alle anderen mit hinunterreißen. Der Erfolg von Einkaufszentren geht immer auf Kosten der gewachsenen Innenstädte. Die können ein klares Konzept durchziehen, garanteiern festeÖffnungszeiten und haben Ladenlokale in Optimalen Größen – und das Centermanagement kann einen attraktiven Branchenmix durchsetzen. Will man vergleichsweises in Buer organisieren braucht man sehr viel Zeit und Überredungskunst – Zeit die man nicht mehr hat, wenn die Arcaden einmal gebaut sind. Was man im Ruhrgebiet braucht ist ein regionales Einzelhandelskonzept, damit in Zukunft solche Konflikte nicht mehr entstehen. Und wir brauchen eine Diskussion darüber, wie unsere Innenstädte aussehen sollen.

  2. The Doctor
    9. Mai 2009 at 18:24 #

    Sorry, wenn ich das jetzt mal so sagen muss, aber:
    HAT ER DIR DAFÜR GELD GEGEBEN???

    Ich nenne jetzt bewusst NICHT seinen Namen, denn das hast du ja bereits zur genüge getan – nämlich ganze 13 mal, in einem Text von nicht mal ganz einer DIN A4 Seite……

    Der OB in allen Ehren, aber so wie du das imo schreibst, scheint es so zu sein, als ob du’s drauf anlegtest, demnächst im neuen Rathaus als Ministerialgehilfe und Schuheputzer arbeiten zu wollen!!!

    Ich glaube seine Wahlkampfreden kann der gute OB doch bestimmt noch selber schreiben, oder etwa nicht?

    Nichts für ungut, aber m. E. kommst du ein bissl weit ab vom eigentlichen Thema; zumindest bei Betrachtung der letzten beiden kompletten Absätze!!

    So long,
    The Doctor

  3. Taner
    10. Mai 2009 at 10:37 #

    Dennis, ich darf doch sicher den Textauszug über Baranowski auf meinem Blog posten, oder :P.

  4. Malte
    10. Mai 2009 at 11:19 #

    @Stefan:

    http://www.wir-in-recklinghausen.de/index.php?option=com_content&task=view&id=26&Itemid=32#auswirkung

    Schau dir mal die Grafiken an!

    Ich denke auch, das z.B. Buer genug Zeit hatte, um die City attraktiver zu machen. Allerdings ist die Werbegemeinschaft dort ein Witz!

    Ansonsten gebe ich Dennis recht!

  5. Dennis
    10. Mai 2009 at 11:24 #

    @ Doc Der Mann über den ich schreibe heißt Baranowski, nicht Berlusconi.
    Ich hab den Kommentar jetzt hier mal freigeschaltet, weil ich dich gut kenne. Grundsätzlich möchte ich dir nämlich noch mal ne Chance geben darüber zu reflektieren. Du unterstellt mir hier, dass man bei mir für Geld Meinungen kaufen kann und impliziert damit, dass mich dafür jemand bezahlt. Das finde ich beleidigend! Wenn das irgend so ein anderer Irrer schreibt ok, aber du kennst mich fast 10 Jahre. Darüber hinaus weißt du, dass ich keinerlei politische Ambitionen habe, weder im Rat der Stadt noch in irgendeiner Partei. Ich hab mit dem Rat nichts zu tun und auch nicht mit der SPD.

    Mein Beitrag ist übedies kritisch in Richtung Baranowski gemeint, was ich gern nochmal pointiere: Ich teile seine Meinung einer Klage NICHT. Sein politischer Charakter steht im Kontrast zum einem solch trivial-dummen Lösungsansatz. Das habe ich versucht mit seinen Erfolgen zu belegen. Ich expliziere auch noch mal, was der Text implizieren soll: Wer als Politiker all das auf den Weg bringt, der muss keine Angst vor den Nachbarstädten haben.

    Man kann sich meiner Meinung anschließen oder man kann sich – wie Stefan – der Meinung Baranowskis anschließen. Mir zu unterstellen ich sei gekauft, dass kann man – vor allem wenn man mich kennt- nicht.

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