Chinesische Stolpersteine für Uta Heinrich in Marl

Gestern lud der Seniorenbeirat der Stadt Marl zum Theaternachmittag der Laientheatergruppe “Lampenfieber” ein.  Das Stück “Tod im  Obstgarten”  versprach wie immer amüsante Unterhaltung. Doch im Vorfeld  der Vorführung ließ sich fast an jeder versammelten Menschentraube ein Gesprächsthema heraus hören: Der Unmut über die Errichtung von Gewerbeflächen in Marl für Geschäftsleute aus China.  Als eine Repräsentantin des Seniorenbeirates dann auftrat, um die anwesenden Zuschauer zu begrüßen und die Bürgermeisterin Marls für ihre Abwesenheit zu entschuldigen, ging ein Rauhnen durch die gefüllten Theaterreihen. Jedoch keines, das Bedauern ausdrückt. Neben, vor und hinter mir war ein “Gott sei Dank” und “Die soll bloß bleiben” zu vernehmen. Eine derart “geschlossene” Antistimmung gegen die parteilose Stadtspitze in Marl, habe ich persönlich noch nie erlebt. Und ich war bei einigen Auftritten Heinrichs dabei. Die mir sehr sympathische Bürgermeisterin wurde sonst stets mir Applaus begrüßt. 

Das Chinaprojekt scheint sich als Stolperstein für Heinrich zu entwickeln. Natürlich wittert das auch die Opposition der Stadt Marl. Und so lässt eine “Ichbindagegen” Kampagne nicht lange auf sich warten.

Auf der Website: http://www.buerger-gegen-chinatown.de äußert sich massiver Widerstand gegen das Bauvorhaben, welches – folgt man den Informationen auf der Seite – von Uta Heinrich und Dr. Wolfgang Gehrke unterstützt werde. Grundsätzlich ist der Grundgedanke, den die Initiative verfolgt, nachzuvollziehen. Der schnelle Baubeginn schon im Juni, die offenbar vorherrschende Desinformation und die offenbar unerwünschte Partizipation der Marler Bürger, werfen tatsächlich eine Reihe von Fragen auf.  Betrachtet man die Initiative allerdings etwas genauer, stellen sich auch eine Reihe von Fragen bezüglich der Kampagne. Ohne den Autoren etwas unterstellen zu wollen, lesen sich für mich persönlich Teile der Kampage extrem undemokratisch. Einige Argumente fischen derart am rechten Rand, dass ich die Kampage, obgleich ich Sie inhaltlich für sehr richtig finde, nicht als unterstützenswert erachte. Ich beziehe mich dabei auf die folgenden Passagen:

Werden Arbeitsplätze geschaffen?

Ja, allerdings fast ausschließlich für chinesische Arbeitnehmer, die sich dann auch in unserer Stadt niederlassen werden. Unsere Region braucht vorrangig Arbeitsplätze mit geringerer Qualifikation. Im hiesigen Arbeitsmarkt gibt es kaum Arbeitssuchende mit exzellenten Business-Englisch- oder Chinesisch-Kenntnissen, die in dem Handelszentrum arbeiten könnten.

Hat die Ansiedlung eine Signalwirkung für weitere Ansiedlungen?

Ja, nichtchinesische Investoren werden vielleicht einen Bogen um Marl machen. Zum einen ist mit der Bebauung der gesamten Herzlia-Allee das Filetstück der freien Gewerbeflächen schon vergeben und es stehen somit nur noch Flächen zweiter Wahl zur Verfügung. Sollten noch Flächen rund um das „Global Business World Center“ frei sein, so wird sich kaum ein heimischer Investor in einer solchen Umgebung wohlfühlen.

Werden die Chinesen, die hier arbeiten werden, zurück nach China gehen?

Da wir in Deutschland keine Ein-Kind-Politik, sehr liberale Einwanderungsgesetze, freie Meinungsäußerung, Demokratie, Sozialversicherung, keine staatliche Zensur, saubere Luft, sauberes Wasser und keine staatliche Verfolgung kritischer Stimmen haben, wird sich jeder Chinese in Marl sicherlich sehr wohl fühlen.

Also bei allem Verständnis muss hier konstatiert werden, dass es so nicht geht. Im untersten Zitat schwingt für mich absolute Fremdenfeidlichkeit mit, die definitiv nichts im Rahmen einer derartigen Argumentation zu suchen hat.  Es ist unterste Schublade, was hier zum Ausdruck kommt. Zum Einen wird nicht klar, ob die Initative etwas gegen Chinesen hat oder gegen das Projekt, zum Anderen wäre es nur zu begrüßen, dass sich Gäste in einer deutschen Stadt sehr wohlfühlen. Ganz schön zynisch kommt diese Initiative daher, die angesprochenen Integrationsprobleme sind zumindest soziologisch Unsinn, eine Ghettoisierung ist von chinesischen Geschäftsleuten wohl eher nicht zu befürchten und auch sonst wird nicht wirklich klar, was die Initiative eigentlich will. So fischt sie in meinen Augen definitiv am rechten Rand. Ob das intendiert ist oder nicht, vermag ich hier nicht zu beurteilen. Jedenfalls stellt sich die Initiative schon mal die Frage nach dem weiteren Vorgehen:

Was können wir tun?

Wir wahlberechtigten Bürger können bei der Kommunalwahl 2009 den Parteien und Politikern die Stimme geben, die Chinatown in der geplanten Form verhindern!!! […] (vgl. http://www.buerger-gegen-chinatown.de/ueber.htm , Hervorhebungen von mir)

Und wie das ausgehen könnte, mag ich mir nicht vorstellen. Demokraten würden meiner Meinung nach so jedenfalls nicht formulieren. Ich bin auch gegen die Bebauung, aber diese Initative geht gar nicht.  

2 Kommentare zu “Chinesische Stolpersteine für Uta Heinrich in Marl”

  1. Michael
    20. April 2008 at 21:55 #

    Ich finde die Ansätze der Initiative sehr gut und es muß ja nicht alles, was kritisch im Zusammenhang mit einer China-Ansiedlung zu tun hat gleich in die rechte Schublade gesteckt werden. Die Initiative macht an mehreren Stellen deutlich, was für Probleme aufkommen könnten. Ebenso hat – sowie man in den Medien öfters lesen kann – die Initiative eine breiten Rückhalt in der gesamten Bevölkerung. Gut daß die Bürger sich wehren und der Bürgermeisterin zeigen, wer das Wahlrecht hat! Auch wenn man nicht in allen Punkten einer Meinung sein kann, so sind aber sehr viele Argumente gut nachvollziehbar!

  2. Dennis
    20. April 2008 at 22:33 #

    Ich stelle niemanden in die rechte Ecke, wer wie aufgezeigt argumentiert, stellt sich selbst dort hin.

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