Buer und die Angst vor dem Löhrhof

Buer und die Angst vor dem Löhrhof

Buer hat Angst vor Kaufkraftverlusten.

Christan Grobosch berichtet für Buerpott.de von der gestrigen Diskussionsrunde im “Buer Forum”  in der Gesamtschule Buer Mitte. Thema des Abends war der Ausbau des Löhrhof-Centers in Recklinghausen. Oder besser: Die Angst der Bueraner vor dieser Maßnahme. Denn mit dem Ausbau des Centers um rund 30.000 Quadratmeter, fürchtet der buersche Einzelhandel rund 12 Mio. Euro Umsatzeinbußen. An welcher Stelle da jetzt genau die Notwendigkeit einer Diskussionsrunde besteht, will mir auf Anhieb nicht einfallen.

Im Ruhrgebiet nicht’s Neues, könnte man die Diskussion auf den Punkt bringen. Denn rund um Gelsenkirchen enstehen seit Jahrzehnten neue Einkaufsmeilen, meist in Form von großen Malls. Und ob man Malls wie das Centro, den Limbecker Platz als neues Innenstadtkonzept oder nun eben das Löhrhof-Center gut findet oder nicht, sie ziehen Kaufkraft ab. Sozusagen in jede Himmelsrichtung. Diskussionsrunden, die diese Entwicklung als Problem identifizieren, kommen ein bisschen spät. Diskussionsrunden, die das Abwenden dieser Entwicklung zum Thema machen, sind Zeitverschwendung. Eine Diskussionsrunde darüber, wo Gelsenkirchen sich im Kontext dieser glokalen Entwicklung verortet, wäre hingegen durchaus angebracht, sie findet aber wohl nicht statt.

So beklagen die Bueraner nun die mangelnde Kommunikation (vgl. Buerpott) mit den Recklinghäusern.  Ich frage mich ernsthaft, welchen Inhalt diese Kommunikation denn nach Ansicht des bueraner Einzelhandels haben soll ?  Wir in RE verzichten auf den Ausbau, damit wir euch in Buer nicht die Kaufkraft abziehen? Ich bitte Sie! Jede Stadt ist sich selbst am nächsten. Die sozialromatische Perspektive Baranowskis mit der Kooperation und der Aufgabenteilung der Stadt Ruhr habe ich vernommen und für gut befunden, aber ob wir die noch zu unseren Lebzeiten sinngemäß realisieren, wage ich doch zumindest auf der Systemebene “Wirtschaft” zu bezweifeln.

Was Gelsenkirchen jetzt also benötigt ist zunächst einmal ein kühler Kopf und die Besinnung auf die eigenen Stärken. Das klingt jetzt nach politischer Leersatzrhetorik, ist aber gemeint wie geschrieben. Der Bedarf an derartigen Malls dürfte für das Ruhrgebiet nämlich nun gedeckt sein. Das Schlimmste, was Gelsenkirchen nun also tun könnte, wäre der Bau einer solchen. Gelsenkirchen muss zurück zum Ruf der tausend Feuer. Denn: Feuer flackern unter freiem Himmel bekanntlich am besten. Dazu benötigt man eine feine Auswahl an kleinen und vielfältigen Fachgeschäften, penibel saubere und barrierefreie Einkaufsstraßen, sichere Bahnhöfe und einen entsprechenden Ruf. Dazu jedoch benötigt man eine funktionierende innerstädtische Kommunikation zwischen Stadt und Handel, eine Wirtschaftsförderung, die sich auch um die Ansiedlung kleiner Betriebe und exkusiven Kleinstbetrieben kümmert, ein Stadtmarketing, dass auf solche Entwicklungen aufmerksam machen könnte und vielleicht nach vier Jahren mal wieder einen Weihnachtsmarkt auf die Kette bekommt. Einiges konnte davon unter Baranowski schon zukunftsträchtig auf den Weg gebracht werden, vielleicht fühlt sich angesichts dieser Entwicklungen der ein oder andere relevante Dezernent oder Amtsleiter ja angesprochen mitzuhelfen, denn soviel Zeit ist nicht mehr.

Das, was ich von der Arbeit des Ordnungs- und Bauamt gegenüber dem Handel so mitbekomme, erinnert häufig (nicht immer) eher an blindes Inkasso, als an Wirtschaftsförderung. Lange kann sich Gelsenkirchen diese amtlich legitimierte Arroganz nicht mehr leisten. Eigentlich schon lange nicht mehr seit 10 Jahren. Kurzum: Nicht das Löhrhof-Center ist ein Problem. Gelsenkirchen hat ein Problem.

Übrigens: Gegen das Löhrhof-Center zu klagen, entspräche aus meiner Sicht der Institutionalisierung von Elitenversagen.

( Foto: (cc) by mkorsakov )

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9 Kommentare zu “Buer und die Angst vor dem Löhrhof”

  1. Stefan
    30. April 2009 at 20:43 #

    Nicht nur Buer wird durch die Löhrhof-Arcaden verlieren. Das erste Opfer wird die sehr schöne Recklinghäuser Innenstadt sein. Und in ein paar Jahren haben wir alte, vor sich hin gammelnde Center und keine attraktiven Innenstädte mehr – die werden dann mit viel Geld wiederhergestellt.

  2. Taner
    1. Mai 2009 at 03:06 #

    Jop, war auch da. Die Problematik ist eine generellere und die kann man mit viel Kreativität bekämpfen.

  3. Dennis
    1. Mai 2009 at 09:46 #

    Dem kann man mit einem Angebot durchaus entgegenwirken. Malls sind nicht per se ein Stadtortvorteil. So wie das Nichtvorhandensein kein Nachteil sein muss. Vor allem die Älteren kaufen lieber lieber unter freiem Himmel.

  4. Dennis
    1. Mai 2009 at 10:01 #

    @Tanner: Die Problematik ist nicht generell, sie ist konkret. Sie wird nur gern generalisert, weil man dann leichter damit umgehen kann.

  5. Nicetrise
    1. Mai 2009 at 14:59 #

    Ich finde mit der Renovierung der City in Gelsenkirchen, mit den Bäumen – Bänken und Laternen, hat man schon viel erreicht. Die Außenfassaden wurden erneuert und die Schaufenster modern gestaltet. Für die Sicherheit wurde durch verstärkte “City-Patrol” (Oder wie ich sie gerne nenne: Die Bogestra Miliz) und erhöhten polizeilichen Aufkommen gesorgt. Mal abgesehen vom Weihnachtsmarkt und dem immer noch bestehenden Problem mit dem dreckigen-dunklen und kriminialitätsfördernden Loch zur Ubahn am Neumarkt (Oder wie es von postmodernen Stadtgestalten genannten: Heinrich-König-Platz, um es einen mir nicht erschließenden Kultur-kitsch-Touch zu verleihen), wurde politisch viel versucht.

    Es haben sich ja auch sofort neue Läden angesiedelt. Man denke an Esprit oder diverse Boutiquen (Wobei das ja im Moment ein heikles Thema ist ^^). Sollte man jetzt noch die Mieten für die Ladenlokale senken um den Geschäften, in wirtschaftlich schweren Zeiten, entgegen zu kommen, würde man meiner Ansicht nach alles mögliche getan haben (Außer natürlich Milliarden investiert zu haben).

    Buer, die bekanntlich besser laufende Innenstadt in Gelsenkirchen, sollte sich (Wie Dennis schon richtig sagt) auf ihre Stärken konzentrieren, und noch attraktiver für Kundschaft werden. Weil es gibt genug Leute, die einfach mal kein Bock haben quer durchs Ruhrgebiet für nen T-Shirt oder ne Hose zu fahren. Und ob sich diese Malls im nicht erwarteten großen Konkurrenzkampf überhaupt am Ende rechnen, steht noch auf einem anderen Blatt. Weil (Hab ich mal irgendwo gelesen) das CentrO z.B. ist schon am schwitzen, weil man sich auf Besucherströme aus allen Himmelsrichtungen (+ / – 100km) eingestellt hat. Aber nun zieht auch der Limbeckerplatz, die Mall in Duisburg und auch bald die in Recklinghausen Kaufkraft ab. Da kippt das Konzept langsam. (Wobei man im CentrO wenigstens umsonst parken kann ^^)

  6. Taner
    1. Mai 2009 at 22:31 #

    @Dennis: Ich hab gesagt, die Problematik ist eine generellere, keine generelle…damit meine ich, dass es zahlreiche Beispiele dafür gibt.

  7. Taner
    5. Mai 2009 at 07:05 #

    Sag mal, wieso findest du die Nachricht hier wichtiger und postest sie oben mti dem großen Bild und die Misshandlung ist da unten? Ich find das andere schlimmer.

  8. Dennis
    5. Mai 2009 at 11:03 #

    Die Position auf der Website macht keine Aussage über die Wichtigkeit, des Postings. Als ich die Meldung schrieb, hatte ich kaum Infos darüber, ausser die bei DerWesten. Deswegen ist sie nur kurz und verlinkt zu derWesten.de. Wenn es weitere Infos über diese Verbrecher gibt, pack ich sie für dich nach oben 🙂 Versprochen 🙂

  9. Nicetrise
    14. Mai 2009 at 00:51 #

    Ach übrigens:

    Zitat vom OB: “Umsonst parken und gut mit dem Auto erreichbar: Ist das eigentlich alles, was Sie von einer attraktiven Innenstadt erwarten?”

    Ganz klares JA ! Kostenlose und genügend Parkplätze sind ein MUSS ! Was ich an der Parkuhr spare, kommt den Einzelhändlern zu gute !

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