Angriff der Piraten

Angriff der Piraten

Die Ergebnisse der Landtagswahl 2012 in GE stehen. Die Piraten entern den Landtag.

Obwohl man eigentlich davon hätte ausgehen können, dass der Politikbetrieb in Gelsenkirchen mit den Jahren etwas verstaubt, weil ohnehin immer die gleichen Menschen zur Wahl gehen und immer die gleichen Menschen dem Wahllokal fernbleiben, sorgt zumindest eine Partei in Gelsenkirchen für einen fulminaten Überraschungssieg, mit dem so einige nicht gerechnet hätten. Die Piraten haben hier in Gelsenkirchen bei dieser Wahl ein ausgesprochen aussagekräftiges Ergebnis erzielt.

Die jungen Wähler, die überhaupt wählen gehen, wählen die Piraten.

Die hinlänglich bekannten und keineswegs unumstrittenen Erklärungsversuche um die Erosion der Volksparteien mündeten stets in Diskussionen um den demographischen Wandel entlang der Bevölkerungspyramide. Das alte Wählerklientel sterbe weg und die jungen Menschen seien politikverdrossen, weil die Programme zu weit von den Lebenswelten entfernt seien oder das Interesse an Politik gänzlich fehle. Das Wahlergebnis in Gelsenkirchen und die Piratenpartei in Gelsenkirchen setzen diesen Diskussionen zumindest Raum für Spekulationen entgegen. Es werden Erstwähler und junge Menschen gewesen sein, die der Piratenpartei zu diesem Erfolg verholfen haben, denn die älteren Semster werden der größten Wahrscheinlichkeit nach in der Ergebnissen der “Volksparteien” vorzufinden sein.

Möglicherweise lässt sich an dieser Stelle die These der fehlenden Bindungskraft von politischen Parteien umkehren. Die älteren Wähler werden sehr wahrscheinlich ihre Interessen in einer Partei am wenigsten vertreten sehen, dessen Mitglieder sich mit “NICKNAMES” anreden und vielleicht das ein oder andere mal vergessen, sich die Haare zu waschen. Aber damit werden sie nun lernen müssen umzugehen, schließlich tragen die meisten Grünen mitlerweile auch einen Anzug und sind – zumindest auf Bundesebene – dem Machterhaltungstrieb folgend, dazu bereit, mit der CDU zu koalieren.

Die CDU findet in NRW im Übrigen kaum noch statt und in Gelsenkirchen hat auch sie ordentlich an Zustimmung verloren. Dies mag auch daran liegen, dass man bei der CDU auf die ewig gleichen längst verbrannten Persönlichkeiten setzt und auf Ministeranwärter, die im Falle einer Wahlniederlage bereits eine Rückfahrkarte zur Mama Merkel in der Tasche haben. Man glaubt, das Volk sei nicht in der Lage diesen Umstand zu durchschauen, worin man sich nun schon desöfteren getäuscht hat. Eine Figur wie Oliver Wittke überhaupt noch auf die politische Bildfläche zu lassen, ist gelinde gesagt eine Frechheit. Eine Frechheit, die im Wahlergebnis sicherlich berücksichtigt ist.

Warum sich die Gelsenkirchener FDP auf der eigenen Wahlparty so sehr gefreut hat, ist ebenfalls nicht überliefert, schließlich findet sie in Gelsenkirchen inhaltlich absolut nicht statt. Da ist selbst häufiger von der LINKEN zu hören. Selbst das findet sich im Wahlergebnis wieder. Es ist also doch gut, dass es Wahlen gibt, leider sehen das 2012 nur 52,4% der Gelsenkirchener Wahlberechtigten so, der Rest macht offensichtlich gerade Urlaub in Afghanistan.

Grafik: Stadt Gelsenkirchen

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