Alt, verkrustet und sturr. Wir haben kein Problem mit der Verwaltung. Außer sie kritisiert gelungene Werbung.

Wie man Gelsenkirchen erfolgreich ins Gespräch bringt, hat die Werbeagentur von Evonik im Zusammenhang mit dem kürzlich stattgefundenen Revier Derby eindrucksvoll gezeigt. Selbst Radio Emscher Lippe berichtet über den Copytext des BVB Sponsors, der da lautet: “Katholisch, evangelisch, neuapostolisch. Wir haben keine Probleme mit Kirchen. Außer es steht ein ‘Gelsen’ davor.” Das ist natürlich starker Tobak, ABER stellt man das in den herrschenden (sportlichen)  Rivalitätskontext des FC Schalke 04 und dem BVB 09, wird doch die stichelnde Ironie mehr als deutlich. Daraus eine Beleidigung der Gelsenkirchener Bürger zu konstruieren ist mehr als abstrakt. Um so entsetzter muss ich heute in der WAZ lesen, dass sowohl Dr. Klaus Haertel die Anzeige als “geschmacklos” bezeichnet und Herr Oberbürgermeister Baranowski wolle gar Kontakt mit Werner Müller aufnehmen.  Von einem offenen Brief sei die Rede. Ich frage mich, was in einem solchen Brief oder Gespräch kritisiert werden soll?  Und, welchen Brief müsste die SMG für ihr Output “Gelsenkirchen. Herz im Revier voll Kraft und Zauber” wohl dann erhalten ? Die Kündigung vielleicht. Ich sehe eine riesengroße Gefahr der Stadtspitze, sich bundesweit lächerlich zu machen. Wer sich von einer derart gelungenen Kampagne angemacht fühlt, der hat ganz offenkundig die Spielregeln des Marketings nicht verstanden, was man auch mit eigenen Ergüssen voll Kraft und Zauber eindrucksvoll unterstreicht. Einer derartig deftigen Anzeige begegnet man mit einer noch deftigeren z.B: “Schwarz, Gelb, oval. Wir haben kein Problem mit öffentlichen Toiletten. Außer sie können das Dach nicht zufahren.” würde ich als Copy unter ein hochauflösendes Bild des Westfalenstadions Signal Iduna Stadions positionieren.  Aber ich weiß ja, dafür fehlt das Geld. Das verstehe ich. Aber das wirklich Fatale ist, dass die Verwaltung -wahrscheinlich trotz Geld – niemals auch nur auf die Idee käme. Der Zauber seid Ihr! Schade.

Die Kampagne als Bild gibt’s beim Pottblog.

Update: DerWesten über den Disput .

4 Kommentare zu “Alt, verkrustet und sturr. Wir haben kein Problem mit der Verwaltung. Außer sie kritisiert gelungene Werbung.”

  1. Kai
    18. September 2008 at 13:15 #

    Es gibt in Gelsenkirchen eine problematische Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Verstehe die Aufregung der Stadtspitze(n) nicht. Zumal die Kampagne nur ein “Problem” expliziert. Welches aber bleibt implizit. Das füllen die Herren offenbar selbst mit eigenen Attributen. Sie tappen gewissermaßen in eine konstruktivistische Falle, da Sie sich öffentlich für die Missstände in Gelsenkirchen an den Pranger gestellt sehen. Der getroffene Hund belt. Über die Unsouveräne Reaktion freut sich jetzt vor allem die Marketingabteilung von Evonik. Zurecht! Das bringt Medienwert auf kosten einer sich selbst an den Pranger stellenden Stadtspitze.

  2. Martin
    18. September 2008 at 18:27 #

    Blau-weiße Mimosen

    Es ist schon ‘ne Weile her, dass Andreas Möller bei Schalke spielte. Aber irgendwas scheint von dem nicht selten als “Heulsuse” betitelten Fußballer beim FC und der blau-weißen Stadt hängenge…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pottblog - 18. September 2008

    Aufregung in Gelsenkirchen wegen Evonik-Anzeige…

    Vor ein paar Tagen veröffentlichte ich den Beitrag Nette Werbung zum Revier-Derby Borussia Dortmund vs. FC Schalke 04, in dem ich die aktuelle Anzeige des BVB-Sponsors Evonik zum Heimspiel der schwarzgelben Borussia gegen FC Schalke 04 Herne-Wes…

  2. Borussensponsor, Evonik | KNSK, Hamburg. : iVisuell. - 19. September 2008

    […] Gelsenclan / 11freunde September 19, 2008 | abgelegt unter […]

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