Jörg Thiele, einer der abgemahnten Makler, will die FDP weit vor der WAZ unterrichtet haben.
Der Fall um den dubiosen Abmahn-Abzocke Verdacht der Diplom-Betriebswirtin Liesmann hat in Gelsenkirchen nach der Berichterstattung der WAZ am vergangenen Samstag bisher massive Konsequenzen für die (noch?) FDP-Politikerin gehabt. Noch am Tag der Berichterstattung sei sie, so die Pressemitteilung der Ratsfraktion, von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Kurz darauf, nämlich schon am Montag, habe man sich in der Partei darüber verständigt, ein Parteiordnungsverfahren gegen Liesmann einzuleiten. Deren Konsequenzen sind bisher noch nicht öffentlich bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass Liesmann auch aus der FDP entlassen werden könnte, schließlich ist ein Negativimage so kurz vor der Landtagswahl eher unbrauchbar.
Jörg Thiele, Geschäftsführer einer der von Liesmann abgemahnten GmbH’s, kann die FDP Ratsfraktion in Gelsenkirchen nicht so ganz verstehen und die “Überaschung” über den WAZ Artikel am Samstag hält er zumindest für merkwürdig. War er es doch, der im Nachgang der Abmahnungszustellung vergeblich versucht hatte, Liesmann telefonisch zu erreichen und darauf hin das Sekretariat der FDP Geschäftsstelle über den Abmahnvorgang in Kenntnis setzte. Wohlgemerkt geschah dies, nach Angaben von Thiele, am 5. Februar 2010. Der WAZ Artikel, über den sich die FDP Fraktion in ihrer Pressemeldung so überrascht zeigte, erschien ganze 15 Tage später. Wie ist das zu erklären? Und was hat das zu bedeuten?
Genau diese Fragen stellt sich auch Thiele in einem offenen Brief an Marco Buschmann, den er auch an einige Pressevertreter und Ratsmitglieder geschrieben hat. Dem Gelsenkirchen Blog liegt das Schreiben in voller Länge vor, zitiert an dieser Stelle aber nur einige Passagen:
Thiele führt aus:
“[...] Sie [angesprochen ist Buschmann] sollten dringend an der Kommunikation in Ihrer Partei arbeiten. Als einer der von Frau Liesmann abgemahnten Makler-Kollegen habe ich mit dem Sekretariat Ihrer Geschäftsstelle ca. 2 Wochen vor Erscheinen
des WAZ-Artikels telefoniert. Dies war:
05.02.2010 / 11:05 Uhr Tel.: 0251 / 591-*** / Frau V*****
Ich habe ihr den Sachverhalt geschildert. Daraufhin wollte sie mich abwürgen - nach der Art “geht uns nichts an”.
Erst als ich ihr in wenigen Worten sehr deutlich geschildert habe, was heute mit wenig Aufwand per Netz, Presse
so möglich ist und das dies kaum zum Vorteil der FDP sein wird, wollte Sie [sic!] Frau Liesmann informieren. [...] Ihr Parteisekretariat war also am 05.02.2010 / 11:05 Uhr informiert und musste wissen, was da auf die FDP zukommen kann. Ich hatte es an Deutlichkeit nicht fehlen lassen.
Stellt sich mir die Frage, wie es sein kann, dass Sie als Kreisvorsitzender 15 Tage lang nichts von einer solch brisanten
Situation erfahren haben, oder haben wollen? Oder ist Frau V**** der Begriff eines Damoklesschwertes nicht
bekannt? 2 Wochen wären eigentlich genug Zeit gewesen, es abzuhängen. [...]“
*Name und Telefonummer sind dem Gelsenkirchen Blog bekannt.


