Zweierlei Maß

Wenn ich mich heute auf den Heinrich-König-Platz gestellt hätte und offensiv den Tod der Juden eingefordert hätte, ja sogar die Gaskammer als Mittel der Ermordung angeführt hätte und dann, zur Darbietung meines Respektes, die Polizeibeamte mit Schneebällen beworfen hätte,  dann säße ich jetzt hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Schreibtisch, sondern stünde dem Staatsschutz und BKA wegen volksverhetzender Parolen und versuchter Körperverletzung von Polizeibeamten Rede und Antwort. Wenn 500 nichtdeutsche, davon einige hochaggressiv und augenscheinlich integrationsunwillig ,das Gleiche tun, dann ist das für die Gelsenkirchener Polizei eine „friedliche Demonstration in der Innenstadt„. Bei soviel Armut und Demut stellt man sich doch ernsthaft die Frage, ob die Herren und Damen in Grün so stark vom demographischen Wandel gezeichnet sind, dass sie die permanenten Rufe „Tod den Israeliten“ putzig überhört haben, weil doch die Öhrchen schon so schwach sind.  Oder macht es für die Gelsenkirchener Polizei einen Unterschied, ob ich Blond oder Schwarz auf dem Köpflein bin, wenn ich den Tod des Israelischen Volkes durch die Gaskammer fordere? Wohl schon, denn in der Pressemitteilung findet sich kein Wort von diesen verachtenswerten Parolen. Nur eines war den Beamten dann doch noch eine Herzensangelegenheit zu erwähnen:

Lediglich eine Gruppe von 40 Jugendlichen mit Migrationshintergrund provozierte die zum Schutz der Veranstaltung eingesetzten Polizeibeamten und bewarf sie mit Schneebällen. Dabei rutsche ein Jugendlicher auf dem glatten Untergrund aus und zog sich eine Kopfplatzwunde zu. Ein Rettungswagen brachte ihn zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus.

Na hoffentlich hat er sich nicht ernsthaft weh getan.

Letztendlich bin ich sprachlos über diese Wirklichkeitsverzerrende, weil unvollständige Pressemitteilung. Ich möchte nicht, dass öffentlich irgendwer den Tod von irgendwem fordert. Und bis heute bin ich davon ausgegangen, dass dieses so nicht möglich ist. Bis heute.

Update: Die Ruhrbarone haben bei der Polizei Gelsenkirchen nachgefragt, dort will man davon nix wissen, man schließt es aber auch nicht aus. Ich habe die Sprechchöre durchs Telefon (!) gehört, wie bitte bekommt man davon nichts mit, wenn man daneben steht ?

Ich bin auf die Berichterstattung der WAZ gespannt, die haben schließlich ihr Büro fast obendrüber.

11 Kommentare zu “Zweierlei Maß”

  1. Patrick Jedamzik
    11. Januar 2009 at 05:49 #

    Hi,

    vielen Dank für diesen Bericht, bin auch mal gespannt, was die WAZ dazu schreibt – wenn überhaupt.
    Bei YouTube finden sich inzwischen einige Videos unter dem doch etwas enttarnenden Namen „Anti-Israel Demo Gelsenkirchen 10.01.2009“ – um „Frieden“ ging es also nicht wirklich. Naja, sei es drum. Bei meinem durchgucken habe ich den Spruch nicht finden können, was aber angesichts der Tonqualität, den Lücken oder vielleicht einfach der falschen Stelle im Demozug nicht viel bedeuten muss 🙂

    Liebe Grüße
    Patrick Jedamzik

  2. Stefan
    11. Januar 2009 at 12:37 #

    Das Verhalten der Polizei ist absolut unverständlich.

  3. Dennis
    11. Januar 2009 at 14:03 #

    @ Patrick: Die Videos bin ich auch schon durch gegangen, leider Fehlanzeige. Eigentlich schade, weil die größten Gangster in GE, filmen sich ja i.d.R. und prahlen dann damit bei YT 🙂 Das mit dem Tod durch Gas muss auf dem Kirchplatz gefallen sein.

  4. Dennis
    11. Januar 2009 at 14:10 #

    @Stefan: Die Symbolik ist geradezu pervers. Ein DEUTSCHER Polizist entfernt die Flagge. Da kommen Erinnerungen hoch. Mal abgesehen von den juristischen Implikationen ist es symbolisch vernichtend.

  5. Taner
    11. Januar 2009 at 22:16 #

    Hmm. So ein verdammter Mist, dass ich davon nichts mitbekommen habe. Ich kann insofern auch nicht wirklich was dazu sagen, weil ich nicht da war. Puh, Mist.

  6. Dennis
    11. Januar 2009 at 22:54 #

    @Taner : Ich war nur am Telefon dabei und ich muss dir ganz ehrlich sagen, was ich gehört habe hat gereicht, um die Veranstaltung auf der Stelle zu verbieten. Ich kann das jetzt alles nicht in Bild und Ton beweisen, aber ich denke es dürfte klar sein, dass ich hier soetwas nicht einfach so behaupte.

  7. Der andere Dennis
    13. Januar 2009 at 14:51 #

    Du hättest trotzdem etwas durchdachter formulieren können. So wie Du es ausdrückst ist das ja fast schon Wasser auf die Mühlen sich unterdrückt fühlender Braundenker. Natürlich wird nicht mit zweierlei Maß gemessen. Die Polizei lässt ggf. zum Zwecke eines reibungslosen und schnellen Ablaufs auch schon einmal Strafttaten überhört. Um deinem Tenor mal ein Gegengewicht anzufügen picke ich mir da mal die Demonstration der Rechtsautonomen in Gladbeck, Juli 2008, als Beispiel heraus. War alles bei, bis hin zum Abspielen verbotener Rechtsrockbands über Lautsprecher. Selbst auf Hinweis blieb die Polizei untätig. Ich finde das in keinem Fall gut, es scheint aber gängige Praxis zu sein.

    Was ich noch fragen wollte: Wie erkennst du per Augenschein das Maß an Integrationswillen in Menschen?

  8. Dennis
    13. Januar 2009 at 15:36 #

    Das erkenne ich sogar ohne Blickkontakt akustisch am Telefon. Wenn eine Gruppe den „Tod der Juden“ auf öffentlichen Plätzen derart lautstark einfordert, dann kann es mit der Assimilation an die freiheitlich demokratische Grundordung der Bundesrepublik nicht soweit her sein. Oder?

  9. Der andere Dennis
    13. Januar 2009 at 15:59 #

    Ah entschuldige. Dieser Bezug ging mir unter dem Gesamteindruck deines Beitrags durch die Lappen.

  10. Dennis
    13. Januar 2009 at 16:39 #

    Macht nüx 🙂

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  1. Information-Analyse-Bewusstseinsbildung // Gelsenkirchen Blog - 12. Januar 2009

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