Zukunftsworkshop Gelsenkirchen

06 February 2013 von Dennis

Frank Baranowski beim Zukunftsworkshop Gelsenkirchen

Gelsenkirchens Zukunft braucht Fantasie und Menschen, die ihre Ideen auch umsetzen.

Stellvertretend für die JUSOS Gelsenkirchen lud Sandra Latzke (Bild oben) am Sonntag, als Vorsitzende der Jugendorganisation der SPD, zu einem zweigliedrigen Workshop zur Zukunft der Stadt Gelsenkirchen. Im August-Bebel Haus an der Gabelsbergerstraße wurde daraufhin konstruktiv an Zukunftsplänen für ein lebendiges und lebenswertes Gelsenkirchen gearbeitet. In Anschluss an die Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse beteiligte sich auch Frank Baranowski an der Diskussion, die zugegebenermaßen an manchen Stellen von ihm auf ein etwas weniger “fantasievolles” Maß zurückgeführt werden musste. Gelsenkirchen als Fahrradstadt in Konkurrenz zu Oldenburg oder Münster zu positionieren klingt reizvoll, ist aber objektiv  vermutlich wenig erfolgsversprechend, auch wenn die Rohstoffpreise sicherlich dazu führen, dass immer mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen werden.

Abstrakte Zukunft, konkrete Ziele.

Lebenswelt ArbeitDie erste Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem etwas abstrakteren Themenfeld der Lebenswelten. Aufgrund der relativ kurzen Zeit, die den Arbeitsgruppen zur Verfügung stand, war es notwendig, schon zu Beginn inhaltlich Abstriche zu machen und sich auf die wichtigsten Themenfelder zu beschränken. Dazu wurde ich von den JUSOS Gelsenkirchen dazu eingeladen, die Lebenswelt “Arbeit” vorzubereiten und im Plenum zu leiten. Um nicht ins Beliebige zu verfallen, bezogen wir den Arbeitsbegriff inhaltlich auf den Begriff der “Erwerbsarbeit” entlang der Definiton von Jürgen Kocka. Weil Arbeit, aller Globalisierung zum Trotz, einen Ort braucht und ständig im Wandel ist, wurde der Arbeitsbegriff im Kontext “Stadt” verortet. Entlang einer thesengeleiteten Arbeit im Plenum konnten so schnell Ergebnisse zur Gegenwart und Zukunft der Entwicklung von Arbeit und Städten gelingen. Auch wenn nicht explizit erforderlich, selbstverständlich stand Gelsenkirchen im Fokus der Antworten. Die Thesen lauteten:

  • “Fortschritt verändert Bedürfnisse”
    – Blickpunkt: Lebensqualität
  • “Neue Bedürfnisse verändern alte Lebensräume”
    – Blickpunkt: Ästhetisierung
  • “Neue Bedürfnisse verändern die Arbeit”
    – Blickpunkt: Technisierung / Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • “Neue Arbeit braucht neue (Lebens-) Räume”
    – Blickpunkt: Transformationsprozesse von Städten.

Frank Baranowski WSDirekt im Anschluss erfolgte die Aufarbeitung der Lebenswelt “Freizeit” durch Sebastian Stachorra und Taner Ünalgan, die sich mit ihren Ergebnissen inhaltlich gut an das erste Thema anschließen konnten.

Juso PlenumEine weitere Arbeitsgruppe beschäftigte sich ganz konkret mit der Zukunft der Stadt Gelsenkirchen und entwickelte dazu eine wirklich gute Methode. Sie entwarf Zukunfts Schlagzeilen, die zum einen auf die Fahrradfreundlichkeit der Stadt Gelsenkirchen 2020 einzahlten und Gelsenkirchen zur Universitätsstadt hochstilisierten. “OB begrüßt 10000 Studenten in Gelsenkirchen” lautete eine der Überschriften. Wie oben im Text bereits angesprochen, war – nüchtern betrachtet – keine der Überschriften wirklich eine realistische Perspektive der nächsten Jahrzehnte in Gelsenkirchen. Aber genau das führte in der Folge zu einer lebendigen Diskussion. Klar wurde dabei, dass die Westfälische Hochschule sicherlich ein Besuchermagnet ist, die Voraussetzungen Gelsenkirchen zu einem Hochschulstandort mit ausgeprägten soziokulturellen Studienleben auszubauen sind dann doch eher dürr, befindet sich die FH geografisch eher außerhalb des Stadtzentrums. Baranowski warf ein, dass er derartige Prozesse alle begrüße, sie sich aber nicht künstlich initiieren ließen. Erstaunt war der Oberbürgermeister, als die Forderung nach mehr Kulturangeboten geäußert wurde, gleichzeitig aber niemand die Gelsenkirchener Kaue auf dem Schirm zu haben schien. Erneut schloss sich eine lebendige Diskussion darüber an, was wir in Gelsenkirchen alles im Angebot haben von dem Viele noch nichts wissen oder aktiv nicht mehr im Bewusstsein haben.

Fazit 

Der Zukunftsworkshop der Jusos war ein gelungener Termin mit vielen frischen Ideen und Inputs. Einige davon werden wohl im Reich der Fantasie verbleiben, auch wenn sie es wert waren, einmal angedacht zu werden. Was mir persönlich aufgefallen ist und in der Gesamtheit der Veranstaltung etwas zu kurz gekommen ist, sind Wünsche zur Ausbildung in mittlere und handwerkliche Berufe. Gerade auch im Kontext der Lebenswelt Arbeit blieben viele geradezu originär sozialdemokratische Überzeugungen zur Entwicklung der Arbeit im Plenum unangesprochen. Im Kern war es ein Diskurs um weiche Standortfaktoren an dessen Ende Gelsenkirchen durchaus als “gut aufgestellt” galt.

Weiterführende Links:

Die WAZ: “Wünsch dir was für Gelsenkirchen

Alle Rechte der Fotos bei Frédéric Flanz 



1 Kommentare

  1. Eugen sagt:

    Ich finde die Veranstaltung klasse!
    Hier nimmt sich ein OB Zeit für die Ideen der jüngeren Generation – und das ernsthaft. Das zeigt sich schon daran, dass Baranowski z.B. beim Thema Fahrradstadt zum Realblick aufruft – zumal man sich direkt mit Münster vergleichen wollte. [PS: Was gibt’s in Münster mehr als Fahrräder? Porsche!]

    Die Reflexion der Lebenswelten scheinen da schon viel realistischer und vor allem auch produktiver zu sein. Urbanes Marketing muss viel stärker forciert werden – bundesweit, landesweit und – wie es nicht zuletzt mit der Klage gegen die Arcaden in RE getan wurde – auch pottweit.

Ihre Meinung ist wertvoll.








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