WikiLeaks: Staatsfeind Julian Assange

Das Vorhaben des WikiLeaks Gründer Julian Assange, ein weltumspannendes Whistleblower Netzwerk zu gründen, aus dessen Datenbanken weltweit jeder Camping-Platzwart Staatsgeheimnisse abrufen kann, klang nicht nur am Anfang äußerst wagemutig, sondern erscheint auch gegenwärtig noch äußerst gefährlich. Grundsätzlich lässt sich die WikiLeaks-Idee -negativ gewendet- als kollaboratives Spionagenetzwerk begreifen. Einziger Unterschied: Die Inhalte liefern nicht professionelle Agenten, sondern oft plauderfreundige Mitarbeiter aus den jeweiligen Ministerien und Organisationen.

Weltweit dominiert zwar der Transparenzgedanke bezüglich der dort veröffentlichten Dokumente, doch keimt vor allem in den Vereingten Staaten langsam der Wunsch, das für sie unangenehme Netzwerk zu zerstören. Erst kürzlich hatten die dort veröffentlichten Afganistan -Protokolle und Videos, die die US-Army bei Metzelmorden aus dem Helikopter zeigen, für unangenehme PR gesorgt und das US Verteidigungsministerium in Erklärungsnot gebracht.

Doch nicht nur für Supermächte können die WikiLeaks unangenehm werden, auch die Stadt Duisburg bekam die Macht des Netzwerks zu spüren, als sie beabsichtigte, Dokumente im Zusammenhang mit der Tragödie bei der Loveparade der Öffentlichlichkeit unzugänglich zu machen. Innerhalb weniger Stunden fanden sich die Dokumente dort, kurzfristig unerreichbar für alle Gerichtsbarkeiten.  

Mit der Verbreitung  brisanter Inhalte wurden die WikiLeaks über Nacht einem breiten Publikum bekannt, wodurch auch dessen Gründer, der Australier Julian Assange, ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte.

Wer ist Julian Assange?

Assange ist Australier, 38, und neben einem Deutschen, der unter dem Pseudonym Daniel Schmitt bekannt ist, das einzige bekannte Gesicht von WikiLeaks. Assange gilt als ausserordentlich intelligent, hält einen Mastergrad der Universität Melbourne in Physik, und ist vor allem aufgrund seiner journalistischen Arbeit von vielen Regierungen und Organisationen gefürchtet. Der Australier, der, das lässt sich nicht von der Hand weisen, etwas Unheimliches an sich hat, ist Verteter einer radikalen Meinungsfreiheit und Gegner jeder Form von Zensur.

Weil aber die nackte Wahrheit nicht selten einer politischen Propaganda im Wege steht, wird Assange automatisch zum Staatsfeind Nr.1. Oder präsziser: Zum Staatsfeind 2.0. Zwar sagt man dem Australier nach, keinen Wohnsitz zu haben und stets in der Welt unterwegs zu sein, doch ist sein Gesicht spätestens seit der Veröffentlichung des Helikoptervideos weltweit bekannt. Seitdem wird er auch von den US-Behörden gesucht. Robert Gates, der amerikanische Verteidigungsminister soll mehr als verärgert über das dezentrale Netzwerk sein. Gates hat mehrfach bekräftigt, dass die Website zerschlagen werden müsse, notfalls sogar mit militärischer Gewalt. Staker Tobak für ein Land, dass sich als das demokratischste dieser Welt stilisiert.

Die Wahrheit muss sich nicht verstecken. Assange eigentlich schon.

Assange selbst tritt nach wie vor öffentlich auf. Sein Gesicht ist markant und seine Erscheinung einmalig. Es wäre nun mehr auch kaum möglich sich vor den Geheimdiensten dieser Welt zu verstecken. Die USA hat auch ihre Bündnispartner angewiesen, bei sie bei diesem „Kampf“ zu unterstützen. Julian Assange avanciert zum Wolf Biermann 2.0 in einer möglicherweise – was totale Transparenz angeht – doch totalitären Weltgesellschaft. Während Wolf Biermann die Wahrheit beim Namen nannte und im Kontext der totalitären DDR nur deshalb nicht gestorben wurde, weil er zu bekannt war, könnte für Assange die mildere Ausbürgerung ebenfalls unangenehm werden. Sein Referenzsystem ist schließlich der Globus. Zwar ist auch Assange mittlerweile so bekannt, als dass man ihn  auf offener Straße nicht einfach erschießen könnte, doch werden die Geheimdienste dieser Welt, wenn sie es denn für nötig halten, Mittel und Wege finden ihn zu beseitigen.

Am 20. August 2010 wurde gegen Assange ein Haftbefehl wegen Vergewaltigung erlassen und einen Tag später wieder aufgehoben. Die Ermittlungsbehörde sah diesen Vorwurf als unhaltbar an. Heute allerdings wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen, weil sich angeblich die Zeugenaussagen verändert hätten. Assange selbst sieht diesen Vorwurf als einen schmutzigen Trick seiner Gegner. Glaubwürdigkeit ist gerade für Assange ein kostbares Gut.

„Insurance File“ Verschlüsselte Informationen als Lebensversicherung.

In vielen Blogs, die sich vor allem mit Verschwörungstheorien und Untergrundinformationen beschäftigen, wird von einer sogenannten „Insurance File“ zu deutsch „Versicherungsdatei“ gesprochen, die Wikileaks im hochsicheren AES256 Verschlüssungsverfahren gesichert online gestellt hat. Die Datei könnte Material beinhalten, dass die Hauptgegner der WikiLeaks ungern veröffentlicht wissen würden. Insofern den Wikileaks Aktivisten etwas „Unnatürliches“ zustoßen könnte, würde man den Code-Schlüssel zur Datei publizieren und die Informationen würden zugänglich. Hoffen wir, WikiLeaks muss auf diese Versicherung niemals zurückgreifen.

Ebenfalls zu hoffen ist, dass Assange auch seinen 48 Geburtstag erlebt. Vielleicht sogar noch immer als freier Mann. Klar ist: Aufzuhalten ist sein Lebenswerk nicht. Denn was man nicht sieht, gegen das kann man auch nicht kämpfen.

Foto: Wikipedia

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Ein Kommentar zu “WikiLeaks: Staatsfeind Julian Assange”

  1. Fun und Politik
    1. September 2010 at 23:55 #

    Eigentlich sollten die Staatsoberhäupter, Ministerien und sonstige politische Einrichtungen dem Souverän absolut verpflichtet sein. Wenn also genau diese Institutionen anfangen Geheimniskrämerei zu betreiben, hat jeder das gute Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, dagegen anzugehen.

    Von diesem Punkt her ist Wikileaks sicherlich ein großer Segen, der sich eben enorm gegen die schon im Artikel genannte Propaganda stellt.

    Guter unterstützender Artikel, den ich gerne gelesen habe.

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