VZ – das (a)soziale Netzwerk?

Heutzutage gibt es ja bekanntlich den Trend, sich im Internet in sogenannten sozialen Netzwerken zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen bzw. zu pflegen. An sich eine schöne Sache und auch ich bin Mitglied mehrerer solcher Netzwerke wie Xing und StudiVZ. Bei den VZs stelle ich mir allerdings immer öfter die Frage: Ist das hier ein soziales Netzwerk oder nur noch reine Ausbeute?

Warum ich mich das frage? Ganz einfach! In letzter Zeit passiert es immer häufiger, dass man im VZ unterwegs ist, und auf einmal heißt es: „Kurzurlaub – dein Profil ist bald wieder zurück.“ Im ersten Moment denkt man sich, was das jetzt bitte sein soll. Liest man den Text dann etwas genauer, bekommt man zumindest einige Informationen. Man hat irgendein nicht näher definiertes Limit überschritten und wird deshalb in Kurzurlaub geschickt. Angeblich soll diese Funktion dazu dienen, Bots abzuwehren, die die öffentlichen Daten der Benutzer abgreifen bzw. stehlen. Weiterhin soll das Limit allerdings so großzügig gewählt sein, dass man es eigentlich nie erreicht. Komischerweise bin ich in den letzten Wochen dreimal im Kurzurlaub gelandet, obwohl ich für mein Empfinden das VZ bei weitem nicht übermäßig genutzt habe. Das letzte Mal erwischte es mich, als ich ganz simpel meinen Posteingang von ca. 300 Nachrichten befreien wollte, die ich nicht mehr brauchte.

Was auch ein extremes Ärgernis ist: Der Kurzurlaub ist alles andere als kurz. Mein längster dauerte 10 Stunden, im Internet finden sich auch Angaben von gefrusteten Benutzern, die in Richtung der 24 Stunden gehen. Spätestens hier darf man sich fragen: Was bitte soll so etwas?

Als Softwareentwickler, der im Bereich Webanwendungen tätig ist, finde ich alleine schon die Begründung absolut traurig, den Kurzurlaub zur Botabwehr einsetzen zu wollen. Was genau soll das denn verhindern? Sucht man bei Google nach dem Stichwort „VZ Kurzurlaub“ findet man im Gegenteil weit über 3000 Suchergebnisse, die alle auf Seiten verweisen, auf denen genervte Benutzer der VZs ihr Leid klagen. Nicht nur die Tatsache, dass die Sperren scheinbar völlig willkürlich auftreten, auch deren Länge hat viele Benutzer bereits dazu getrieben, den VZs den Rücken zu kehren und zu Facebook oder anderen Netzwerken zu wechseln. Der Frust der Anwender wird noch dadurch gesteigert, dass von Seiten der VZ-Betreiber nahezu keine Stellungnahmen zu erhalten sind. Es wird weder erklärt, wie genau der Kurzurlaub zu Stande kommt, noch reagiert man auf E-Mail-Anfragen an die offizielle Support-Adresse. Ich selber habe es zweimal versucht und noch nicht einmal eine automatische Antwort erhalten, dass meine E-Mail überhaupt eingegangen ist. An eine Antwort eines Mitarbeiters ist scheinbar gar nicht zu denken. Kundenservice sieht anders aus.

Man kann wirklich den Eindruck bekommen, dass den Betreibern ihre Nutzer herzlich egal sind. Das Einzige, was durch den Kurzurlaub eingeschränkt wird, ist die Nutzung der VZs im Sinne von sozialen Netzwerken, nämlich aktiv! Hinzu kommt bei den Anwendern das Gefühl, willkürlich stundenlang ausgesperrt zu werden. Während der Sperren erhält man zwar noch E-Mails, die einem mitteilen, dass man eine neue Nachricht bekommen hat, aufrufen kann man diese aber nicht, bevor der Kurzurlaub vorbei ist. Ganz schön fies, wenn man vielleicht auf eine wichtige Nachricht wartet, diese aber erst 24 Stunden später lesen kann!

Mich beschleicht das Gefühl, dass man durch solche als Sicherheitsmaßnahme getarnten, Funktionen lediglich den Traffic auf den eigenen Servern eindämmen will, damit man erst später auf neue Hardware umsteigen muss. Auch die Tatsache, dass auf Supportanfragen in keiner Weise reagiert wird, erweckt irgendwie den Eindruck, dass den Betreibern ihre Netzwerke evtl. ein bisschen über den Kopf wachsen. Man scheint einfach nicht genug Leute zu haben, die sich um alles kümmern können. Gleichzeitig wird aber durch Werbekampagnen usw. fröhlich abkassiert.

Man darf gespannt sein, wohin der Weg noch führt. Für mich sieht es im Moment leider so aus, als entwickele man sich von einem sozialen Netzwerk zu einer etwas asozialen Variante davon.

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Ein Kommentar zu “VZ – das (a)soziale Netzwerk?”

  1. Dennis
    24. Juli 2010 at 10:17 #

    Ich glaube, diese Netzwerke werden zu Heerscharen von Teenies/Jugendlichen im Alter von 13-25 bevölkert. Die nutzen das bis zum Erbrechen und verursachen so mit ihrem „HDGDL“ Buschfunk in der Gesamtheit wohl eine extreme Serverlast. Dafür ist wohl, wie du richtig vermutest der Kurzurlaub gedacht. Allerdings muss das bei Dir eine Fehlfunktion sein. Vielleicht melden die sich ja dazu noch mal , würde mich interessieren 🙂

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