Von Helfern und (Holz-)Dieben.

Von Helfern und (Holz-)Dieben.

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Baumtrümmer räumen dürfen Sie, Brennholz behalten dürfen Sie nicht.

Gelsenkirchen erlebte mit „Ela“ einen der schlimmsten Stürme seiner Geschichte. Ganze Straßenzüge wurden unpassierbar, viele Gelsenkirchener Seitenstraßen sind auch Tage nach dem Orkan noch nicht befahrbar. Schulen, Kindergärten, Friedhöfe, Parks und Sportplätze blieben und sind teilweise noch geschlossen. Im Grunde ein Katastrophenzustand.

Die Baumtrümmer sind z.T. nur mit schwerem Gerät zu bergen, Feuerwehr, THW und Gelsendienste leisten unmenschliches, um die Hauptinfrastruktur wieder funktionsfähig zu machen. Schon wenige Stunden nach dem Orkan posten Vertreter offizieller Stellen, dass sie sich riesig über die „Nachbarschaftshilfe“ und das „Gemeinschaftsgefühl“, das in der Stadt herrscht, freuen. Und in der Tat: Es ist erstaunlich wieviele Privatpersonen, sogar zum Teil noch in der Nacht, mit der Motorsäge die Straßen frei räumen und riesige Äste und Baumstämme zerkleinern. Auch heute noch ist nicht abzusehen, wann alle Baumtrümmer und Äste gänzlich von den Straßen entfernt sind, um Bürgersteige und Wege auch für ältere Menschen wieder gefahrlos passierbar werden. Die unfassbare Menge an Trümmern überfordert die städtischen Räumdienste um Längen.

Wer als Nachbarschaftshelfer nun aber glaubt, er könne die eigenhändig zerstückelten Baumtrümmer mit in den heimischen Garten nehmen, um es später als Brennholz zu verwenden, der hat die Rechnung ohne die Stadtverwaltung Gelsenkirchen gemacht. Das Holz gehört formaljuristisch den Gelsendiensten, sprich der Stadt Gelsenkirchen. Und die Stadt Gelsenkirchen untersagt derzeit offiziell, dass Holz aus den Holztrümmern gesammelt werden darf.

Auf der Website der Gelsendienste steht geschrieben:

Darf ich das Holz von beschädigten Bäumen mitnehmen?
Sowohl für den städtischen als auch den privaten Baumbestand gilt, dass hierüber nur der Eigentümer entscheiden kann. Bei den städtischen Bäumen darf das Holz aus Sicherheitsgründen nur durch von der Stadt Gelsenkirchen beauftragtes Fachpersonal entfernt werden. (vgl. hier)

Sie, liebe Leser, dürfen sich in der Nacht nach dem Orkan in Lebensgefahr bringen und die wertvolle Infrastruktur der Stadt im Sinne der viel beschworenen Solidargemeinschaft räumen. Aber aus Sicherheitsgründen, Sie könnten sich immerhin einen Bruch heben, sollten Sie die Trümmer nicht klein genug gesägt haben, darf das Kleinholz nur durch die Stadt und dessen Fachpersonal entfernt werden.

Solidarisch ist das nicht. Schließlich werden so rein formaljuristisch – und so arbeitet ja die Verwaltung – viele Helfer automatisch zu Dieben. Ob die Stadt das Verbot jetzt überhaupt vollstreckt oder nicht ist dabei gänzlich irrelevant. Das Verbot ist in der Welt und damit ein Statement, das jede Form von Solidarität und bürgerschaftlichem Engagement mit einem faden Beigeschmack anreichert. Das ist schade.

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