Dieses Wochenende hatte es buchstäblich in sich. Nachdem ich mich Freitagabend beharrlich dagegen wehrte noch zum Training zu gehen, weil ich erstens noch erkältet bin und ich zweitens auch mal wieder etwas für das Blog schreiben wollte, war es meine Freundin, die sich beharrlich darum bemühte, diesen Widerstand zu brechen. Mit Erfolg. Gegen 19.15 Uhr waren wir bei McFit in Gelsenkirchen.
Als wir aber gegen 20.30 Uhr wieder herauskamen, hatte das Unglück bereits seinen Lauf genommen. Eine Erbgutsackgasse (oder mehrere) , von mir auch gern Hopser genannt, hatte(n) die Fensterscheibe auf der Beifahrerseite eingeschlagen und die unter einer Jacke verborgene Handtasche gestohlen. Das Dumme: In der Tasche befand sich alles, was man idealerweise NICHT im Fahrzeug lässt. Handy, Ausweiß, Führerschein, Fahrzeugschein, EC-Karte, Versicherungskarte der Krankenkasse und ca. 100 Euro + Kleingeld.
Was macht man in so einer Situation? Richtig. Man ruft die Polizei. Die ließ uns aber zunächst 45 min in der Kälte warten, um uns dann darüber aufzuklären, dass wir “Selbst in Schuld” seien. Nun gut: Hat der Polizist natürlich recht. Die ganzen Schlampen im Minirock sind auch “Selbst in Schuld”, wenn sie vergewaltigt werden. Lernt man ja schon auf der Polizeischule. Aber das ist ein anderes Thema. Immerhin wurden wir sehr freundlich darüber aufgeklärt, was nun alles zu tun sei. Nach ca. fünf Minuten fiel dem zweiten Beamten ein: ”Auch du Scheisse, ich bin ja im Dienst” und er began mit seiner Maglite die Umgebung abzusuchen. Vergeblich natürlich.
Der Abend war jedenfalls gelaufen. Am Samstag Mittag rief plötzlich eine Frau mit starkem polnischen Akzent an. Ihr Bruder hätte vor den Mülltonnen ihres Hauses die Geldbörse meiner Freundin gefunden. Alles sei noch drin, nur das Geld und das Kleingeld sei weg. Wir könnten die Geldbörse bei ihr abholen. Dies haben wir dann getan. Die Frau wohnt genau 1km von der Lockhofstraße entfernt in einem Viertel, das man besser nur bei Tageslicht und in Begleitung betritt. Der Hausflur erinnerte an blanke Armut und versprühte den Charme ostberliner Plattenbauten.
An der Haustür angekommen, empfing uns die freundliche Frau, die geradezu verlegen wirkte, als wir uns für den Anruf bedankten. Die Flasche Sekt als Dankeschön wollte sie erst gar nicht annehmen. Das sei nicht nötig, sowas sei “ein Akt der Menschlichkeit” sagte sie in gebrochenem Deutsch. Sie will nun noch Ausschau nach der noch fehlenden Tasche halten. Wenn sie was findet, ruft sie an. Selbstverständlich sei das.
Ich finde es schön, dass man noch auf ”Engel” trifft, wo man sie eigentlich nicht erwartet.

