Verheerende Kritik am Gelsenkirchener Weihnachtsmarkt

Verheerende Kritik am Gelsenkirchener Weihnachtsmarkt
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Die diesjährige, öffentliche Kritik am Weihnachtsmarkt ist verheerend. Man möchte beim Lesen der Überschrift lauthals herausrufen: „Ja doch, wir wissen es!“. In Gelsenkirchen gab es in den vergangenen zehn Jahren (mindestens) einfach keinen funktionierenden Weihnachtsmarkt und welcher himmlische Grund sollte dazu führen, dass wir endlich einen bekommen könnten? Ein derartiger Blick auf das Geschehen ist resigniert. Resignation jedoch kann und muss Gelsenkirchen keinesfalls über sich ergehen lassen, denn in den letzten Jahren ist im Bereich der Stadtentwicklung so einiges passiert. Vor allem in der  Innenstadt sind mit der Fertigstellung des Hans Sachs Hauses viele Weichen gestellt worden, die zu einer Aufwertung des gesamten Raumes geführt haben. Die Besucherfrequenzen auf der Bahnhofstraße sind konstant gut, die Umsätze der Händler sind, sofern sie nicht gerade durch die langwierigen Baumaßnahmen schwer eingeschränkt werden, weitgehend auch ganz ok und die Kritik am „weihnachtlichen Gelsenkirchen“ ist in den letzten zwei Jahren auch eher verstummt. Richtige Weihnachtsmärkte, das muss man letztlich zugeben, waren es nicht, aber der Gelsenkirchener fügt sich und findet sich mit dem ab, was er letztlich bekommt.

Wer verantwortet das Versagen des Gelsenkirchener Weihnachtsmarktes?

Die Gründe für das alljährliche Scheitern  des Weihnachtsmarktes in Gelsenkirchen sind vielschichtig und sie liegen im Verantwortungsbereich der Stadtmarketing Gesellschaft. Gerne wird dann darauf geschlossen, dass auch das Stadtmarketing allein schuld am schlechten Weihnachtsmarkt sei, was nicht der Fall ist. Schuld ist das Stadtmarketing nur daran, dass es so bleibt. Zur Entlastung der Mitarbeiter dort bleibt festzuhalten, dass die SMG mit dem Weihnachtsmarkt ein „Baby“ übernommen hat, das ein Problemkind war und ist. Die damaligen Führungsspitzen haben ein Erbe hinterlassen, dass so schnell auch nicht zu korrigieren war. Vor diesem Hintergrund hat das derzeitige Stadtmarketing schon einiges erschaffen, an das noch vor ein paar Jahren nicht zu denken war.

Auch hat man den Eindruck, dass einige Mitarbeiter nicht nur „ihren Job machen“, sondern tatsächlich hier in Gelsenkirchen am Stadtleben teilhaben, was toll ist. Mit der Facebook Präsenz, „Gerne Gelsenkirchen“, die gewissermaßen durch die Hintertür gestartet wurde, hat sich die SMG ein Medium geschaffen, das es ermöglicht, gut, schnell und kosteneffizient mit den Bürgern in Kontakt zu treten. Auch die Ideen „Urlaub in deiner eigenen Stadt“ kommen bei den Bürgern – zumindest, bei denen, die gern hier leben – gut an. All das ist gut. Auch die Bürgerkommunikation und die Informationsangebote der Pressestelle in Verbindung mit der neuen Stadtwebsite sind ganz hervorragend und können gar Vorbild für andere Städte sein. Es hat sich seit der der Ära „Kraft und Zauber“ durchaus Einiges zum Vorteil entwickelt. Leider – und das relativiert die Erfolge meinem persönlichen Eindruck nach etwas -goutiert das Stadtmarketing diese zarten Erfolge mit einer recht gesunden Arroganz, die man auch ganz objektiv eben noch nicht verdient hat.

Strukturelle Benachteiligung der Aussteller statt notwendiger Umwerbung

Das selbst zugewiesene Standing scheint letztlich intern nicht zu existieren. Niemals sonst hätte man zugelassen, dass die Glühweinstuben ausgerechnet in der Weltstadt Gelsenkirchen früher schließen müssen als in den umliegenden Städten. Zur Erinnerung: In Gelsenkirchen ist es seit Jahren schwierig überhaupt Aussteller und Händler für den Weihnachtsmarkt zu gewinnen. Die Argumente sind ebenfalls seit Jahren die gleichen. Arme Stadt = keine Umsätze =keine Händler. Im Zuge der vielen Baustellen kam noch die Ausrede hinzu, das man keinen einheitlichen Platz in der Innenstadt habe, um mit den wenigen Händlern zumindest einen zentralen Platz für einen Weihnachtsmarkt zu etablieren. Da nun aber auch der Heinrich-König-Platz fertiggestellt werden konnte ist nun auch das letzte unbelastbare Argument weggebrochen.

Im Kern muss festgehalten werden, dass genau die Weihnachtsmarkthändler, die dem Gelsenkirchener Weihnachtsmarkt eine Chance geben und hier ausstellen strukturell und völlig unnötig benachteiligt werden. Die Händler, die nun vor Ort sind, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr nicht wieder zurück kommen. Mit welcher Arroganz die Stadt Gelsenkirchen die Einwände bezüglich der Öffnungszeiten öffentlich übergeht ist beispiellos. Die Gründe für das unendliche Scheitern des Weihnachtsmarktes liegen nicht in der vermeidlich eingeschränkten Kaufkraft der Gelsenkirchener und auch nicht an einem fehlenden Platz in der Stadt. Die verantwortlichen Akteure in der Planung und Ausrichtung des Marktes haben es nicht nur nicht geschafft die Attraktivität eines Engagements der Händler in Gelsenkirchen zu steigern, sondern sie schaffen es noch die verbliebenen Händler durch unsinnige und wirtschaftsfeindliche Regelungen zu bestrafen. Das führt dann dazu, dass auch eine verbesserte Infrastruktur, in Form großer zentraler Plätze in Zukunft keine Händler mehr überzeugt. Ob nun das Stadtmarketing dafür federführend  verantwortlich ist, oder wieder eine unumstößliche ordnungspolitische Regelung, die leider dazu zwingt die Händler zu bestrafen, ist schon fast egal.

Weihnachtsmarkt Gelsenkirchen scheitert an institutionalisierter Geschäftsuntüchtigkeit.

Wichtig bleibt zu betonen, dass der Weihnachtsmarkt nicht an fehlender Kaufkraft scheitert, sondern an inzwischen institutionalisierter Geschäftsuntüchtigkeit. Wie bereits angemerkt, ist auch der Blick in die Zukunft alles andere als rosig. Zwar entwickelt sich das Stadtzentrum positiv weiter, doch dürfte mittlerweile das Vertrauen vieler Händler verspielt sein.

Frei nach dem Motto: „Wenn der Vermieter n‘ Spacko ist, nützt dir auch Parkett nix“ , wird Gelsenkirchen ganz sicher auch in den kommenden Jahren im „Kraft und Zauber“ Modus verharren.

Foto: Weihnachtsmarkt in Gelsenkirchen 2015

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Ein Kommentar zu “Verheerende Kritik am Gelsenkirchener Weihnachtsmarkt”

  1. GelsenkirchenerCrossi
    21. März 2017 at 20:27 #

    Schade wenn eine so große Stadt keinen guten Weihnachtsmarkt hat. Für viele gehört das einfach dazu . Doch wenn nichts getan wird ändert sich ja nichts, aber das wird es mit Sicherheit!

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