Verfaulen im Fahrstuhl. Stört Sie nicht wirklich oder?

In den Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen (EVK) ist im Fahrstuhl ein Mann zu Tode gekommen und erst aufgefunden worden, als er bereits stark verwest war. Die Ermittlungen wurden nun eingestellt, weil sich im Haus niemand mehr an irgendwas erinnern kann. Und: Warum Sie ganz persönlich Schuld daran tragen, sich so verarschen zu lassen. Keine Polemik.

In den Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen (EVK) ist im Fahrstuhl ein Mann zu Tode gekommen und erst aufgefunden worden, als er bereits stark verwest war. Die Ermittlungen wurden nun eingestellt, weil sich im Haus niemand mehr an irgendwas erinnern kann. Und: Warum Sie ganz persönlich Schuld daran tragen, sich so verarschen zu lassen. Keine Polemik.
-Anzeige-

Es ist schlimm genug, was wir tagtäglich über Krieg, Gewalt, Angst, Hass und Hetze über die Medien direkt aufs Handy, PC und den Fernseher gespült bekommen. In nur ganz wenigen Fällen kann der Bürger direkt darauf einwirken, um die Missstände zu beseitigen. Und so stehen ebenfalls tagtäglich Menschen vor der Kamera, die nichts weiter tun, als sich zu empören und darüber philosophieren, was zu tun sei.

Schlimmer als dieses sind Vorfälle, die gewissermaßen durch den Vorfall selbst eine Konsequenzerwartung in den Raum stellen, die dann aber nicht eingelöst wird, weil der öffentliche Druck und das bürgerliche Interesse an den Ereignissen im eigenen Umfeld nicht ausreichend sind.

Unklar sind die Umstände im Evangelischen Krankenhaus Gelsenkirchen. Klar ist die Konsequenz. Eigentlich.
Leiche im Fahrstuhl des EVK

So ein Vorfall, der in seiner Unglaublichkeit nur schwerlichst zu übertreffen ist, ereignete sich vor ein paar Monaten in den Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen. Ein 59-jahre alter Mann betrat einen offenbar stillgelegten oder technisch nicht funktionsfähigen Fahrstuhl, blieb stecken und verstarb. Woran? – unklar. Warum konnte er einen defekten Fahrstuhl betreten? – Unklar. Warum hat der Mann nicht den Notruf betätigen können, wenn das System doch in Ordnung war ? – unklar. Wie lange lag der Mann im Fahrstuhl ? – unklar. Warum hat niemand der insgesamt sieben Techniker, die Störungsmeldungen aus den Stationen zur Kenntnis genommen oder zur Kenntnis nehmen wollen ? – unklar.

Etwas viele ungeklärte Aspekte nach knapp einem halben Jahr Ermittlungsarbeit, wie ich finde. Es folgen lapidare und uninspirierte Erklärungen der Staatsanwaltschaft Essen, welche die WAZ heute entsprechend als „große Erkenntnislücken der Justiz“ würdigt. Die Geschäftsführung der Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen (EvK) schweigen gegenüber der WAZ und sind ganz offenbar zu keinem Kommentar bereit. Das ist asozial. Und ja, das ist ein humanitärer Skandal, der nur deshalb nicht vergangen ist, weil eine schwache Staatsanwaltschaft, die aus meiner Sicht ohnehin in ganz vielen Fällen bestenfalls behäbig daherkommt, feststellt, was alle wissen. Nämlich, dass niemand etwas sagen will.

Sie als Leser sind ganz persönlich schuld daran, dass so etwas ohne Konsequenzen bleibt!

Überall dort, wo Menschen miteinander agieren, können Fehler passieren. Auch im Krankenhaus. Aber ein Krankenhaus ist ja schon organisatorisch auf die Ausübung von Aufsicht und Beobachtung ausgelegt. Gestatten Sie mir die Feststellung, dass es sich um ein schlechtes Krankenhaus handeln muss, wenn die Möglichkeit besteht, in einem Fahrstuhl zu verrecken und anschließend bei Sommerhitze zu verfaulen. Finden Sie die Feststellung ekelhaft? Dann müssen Sie den Bericht der Staatsanwaltschaft lesen, da ist die Rede von „unglücklichen Umständen“, die zu dem Tod geführt hätten. Klingt in der Sache natürlich weniger dramatisch. Seriöser, weniger ekelerregend, einfach weniger aufsehenerregend. Auch das ist asozial, es klingt halt nur schöner.

Aber jedes System ist nur so stark, wie es seine Funktionsträger bereit sind zu unterstützen. Es ist aus meiner persönlichen Sicht an der Zeit, nicht länger zu dulden, was sich die Geschäftsführung dort rausnimmt. Schweigen mag juristisch tragbar sein, moralisch ist es das aus meiner Sicht nicht. Als Geschäftsführung trägt man Verantwortung (nicht Schuld) für die Dinge, die im Haus passieren. Sich in so einem Fall hinter einer Mauer des Schweigens zu verstecken ist der Position unwürdig. Dabei ist es wichtig, die Perspektive des verstorbenen Mannes in den Blick zu nehmen. Vielleicht hatte er bis zuletzt Hoffnung noch gefunden zu werden, vielleicht erlitt er bis zu seinem Tod qualvolle Zustände, denen er im Fahrstuhl hilflos und aussichtslos ausgeliefert war.

Das Gelsenkirchen Blog erwartet Ihre Empörung.

Es ist als Geschäftsführung an Charakterlosigkeit nicht zu überbieten, in einem solchen humanitären Skandal schlicht zu schweigen. Nikos Kimerlis kommentiert in der WAZ die Ahnungslosigkeit der Akteure mit den Worten „Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.“. Damit hat Kimerlis Recht, aber die Deutung ist zu schwach. Ich bin der Meinung, dass auch Sie es nicht anders verdient haben, im Fahrstuhl zu verrecken und zu verfaulen, wenn Sie das glauben. Finden Sie zu krass? Warum tun Sie dann nichts? Anstatt hier gleich die Kommentarspalten zu füllen und zu fragen, was ich mir denn rausnähme, Ihnen den Fäulnistod zu wünschen, sollten Sie Ihre Stimme an anderer Stelle einbringen, wo es vielleicht dringender ist. Ich erwarte Ihre Empörung! Danke.

, , , ,

Bisher keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Sagen Sie Ihre Meinung! Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht.