Thomas Frings: Restitution einer Amtskarriere im Nebenberuf.

Thomas Frings: Restitution einer Amtskarriere im Nebenberuf.
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Inge Ansahl hat in ihrem Kommentar bei der WAZ zum Arbeitsgerichtsurteil über die außerordentliche Kündigung zu Recht zynisch die Sachlage auf nur ein einziges Wort kapriziert: Neustart. Für den ehemaligen stellvertretenden Jugendamtsleiter Thomas Frings wird es mit der Stadt Gelsenkirchen vermutlich einen Neustart geben, weil es den Juristen der Stadt mit Ansage nicht gelang, stichhaltige Beweise gegen Frings vorzubringen, die eine außerordentliche Kündigung  gerechtfertigt hätten. Die Instanz vor dem Arbeitsgericht in Hamm erscheint rückblickend wie ein Schauspiel. Die Ergebnislosigkeit antizipierend, wurde hier vor Gericht gezogen. Neue erdrückende Erkenntnisse gegen Frings gab es nicht. Genau wie der städtische Ausschuss zur Aufklärung voraussehbar kein Ausschuss zur Aufklärung werden konnte, weil niemand, der etwas wusste, jemals zur Aufklärung beitragen wollte. Wichtigste Personen, die vielleicht Beweise, Belege und (Mit-)Wissen hätten teilen können, erschienen schlicht nicht, weil es ihnen fern lag, sich zu verquatschen – oder, wie man in Sozialverbänden sagt, „Terminlich verhindert“ waren.

Jugendamtsskandal war nie ein politischer Skandal.

Der SPD hat dieses epische Drama, auch wenn es nie ein politischer Skandal war, erheblich geschadet. Entlang inhaltlicher, strategischer, ordnungspolitischer und letztlich auch noch ideeller Aspekte wurde so ziemlich alles an Ansehen und Vertrauen verspielt, was sich selbst der vernarrteste Sozialdemokrat bis zuletzt vorgehalten hatte. Von der öffentlichen Meinung wollen wir hier gar nicht sprechen, die ist, gerade auch was die Verwaltungsspitzen betrifft, bezogen auf diese Sache und das, was man sich in Wirtschaftsverbänden und Vereinen so erzählt, desaströs. Ordnungsdezernent Dr. Schmitt wird für seine zeitweilig „planlos wirkende Defensive“ geschmäht, der Oberbürgermeister für seine „Überheblichkeit im Ausschuss“ – und, was überrascht, das „Schweigen seiner Lebensgefährtin“ ist ebenfalls ein Thema. Ich teile diese Ansichten nicht, muss aber konstatieren, dass sie erstaunlich weit verbreitet und voneinander unabhängigen Personen (-gruppen) geäußert und weitergetragen werden; Parteiintern wie parteiextern gleichermaßen.

Der Angriff auf die SPD war erfolgreich.

Eine Diskussion, die sich aber eigentlich nicht mehr stellt und müßig ist. Alle Parteien sahen in dem Skandal die Chance, die SPD zu schädigen, was weitgehend gelungen ist. In der Sache aber war es nie ein politischer Skandal, sondern ein aus meiner Sicht erhebliches Professionsversagen von Frings und Wissmann gleichermaßen. In den Spitzen des Jugendamtes hat man möglicherweise – aus Versehen – erkannt, dass man mit der Perspektive „Neustart“ neben dem Gehalt auch unternehmerisch noch gutes Geld verdienen kann. Möglicherweise auf dem Rücken hilfloser Jugendlicher. Wir wissen es nicht. Es kann ja sein, dass die Redakteure beim TV Magazin Monitor beim Redaktionsmeeting im Pasha bewussteinsverändernde Substanzen im Prosecco zu sich nahmen, als sie sich die Geschichte „Mit Kindern Kasse machen“ zusammen scripteten. Oder Putin hängt drin. Vielleicht hat Wissmann auch alles nur inszeniert, als ihm die Rentenversicherung mitteilte, dass vor 69 nix is‘ mit Lapaloma. Wissen wir auch nicht.

In der Zusammenarbeit mit Kindern, haben Zweifel keinen Platz.

Was wir wissen ist, dass wir es mit zwei für ein so sensibles Amt wie dem Jugendamt untragbaren, weil zweifelhaften Persönlichkeiten zu tun haben, von der eine zurückkommt und einen Neustart mit der Stadt ankündigt. Von einer ordentlichen Kündigung nebst Abfindung will Frings – folgt man der Berichterstattung der WAZ – übrigens nichts wissen, es ginge ihm, so wird sein Anwalt zitiert, auch um seine Reputation. Und da wir in einem Rechtsstaat leben, hat Frings in dieser Angelegenheit juristisch natürlich völlig Recht. Es heißt ja auch zu Recht in der Juristerei: „Im Zweifel für den Angeklagten“. Aber für die Mitarbeit im Jugendamt schließen sich Zweifel einfach aus. Die durch das Arbeitsgericht in Hamm getroffene Entscheidung mag juristisch möglich sein, praxeologisch ist sie äußerst befremdlich. Frings kann aufgrund der Sachlage auf gar keinen Fall zurück in die alte Wirkstätte, weil sich die Stadt einen noch größeren Reputationsverlust im Jugendamt nicht leisten kann.
Wir erleben die Restitution einer Amtskarriere, die vermutlich nichts weiter war als ein sehr gut bezahlter Nebenberuf.

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