Streetview in Gelsenkirchen

15 August 2010 von Dennis

Google Streetview betrifft auch die Stadt Gelsenkirchen.

“Google is not evil” sagen die Fans des Konzerns. Google selbst sieht dies genau so und schreibt sich im Imperativ “Don’t be evil!” auf Fahnen. Sei nicht böse! Neben postuliertem Gutmenschentum macht “Big G” vor allem wegen seiner Unternehmenskultur von sich reden. Die kennt schließlich nur eine Konstante: Das Produzieren und Realisieren von Visionen. Je realistischer eine solche ist, desto schlechter. Während vor 10 Jahren die Vision bei Google ins Feld geführt wurde, das Internet auf der Ebene eines Informationsmonopols zu beherrschen, galt dies als unmöglich. Heute sind themenrelevante Suchergebnisse bei Google gar eine Selbstverständlichkeit.

Neue, möglichst ausgefallene und für das Laienverständnis unrealisierbare Visionen mussten also her. Die Welt in Gänze von oben zu zeigen klingt kühn, ist mit Google Earth allerdings bereits zum kalten Kaffee geworden. Eine Innovation von gestern. Die ganze Welt vom heimischen Rechner aus zu begehen macht doch viel mehr Spass dürfte man sich sich bei Google gedacht haben, als Google Streetview am Ideenreißbrett entstand.

Doch umso umfassender die informationstechnischen Lösungen des Internetgiganten werden, desto tiefer greifen sie oft in die Rechte Dritter hinein und führen zu Auseinandersetzungen. Google Books, das Produkt von Google, mit der Vision, dem analogen – sprich gedruckten Wissen – der Welt habhaft zu werden, führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit Verlagen und Autoren, die ihre Publikationen ungern für jedermann kostenlos im Internet einsehbar zur Verfügung stellen wollten.

Google Streetview ist nun ein weiteres Produkt, dass nun Datenschützer und Immobilienbesitzer auf der ganzen Welt auf den Plan ruft. Auch in Gelsenkirchen wehren sich bereits die ersten Hausbesitzer gegen die Präsentation ihrer Häuser im Internet. Vor allem in der Wahrnehmung einiger älterer, weniger weberfahrener Hausbesitzer, blüht nun die Fantasie, welche Alpträume eine Indexierung ihres Hauses u.U. mit sich brächte. Einbrecher könnten nun ganze Straßenzüge virtuell besuchen und überprüfen, ob sich eventuell ein Einbruch lohnt. Ja, sogar die Fluchtwege könnten schwere Jungs nun virtuell planen, vermeldete Radio Emscher Lippe Freitag als Streetview dort Thema war.

Ein Sommerloch Hype?

Grundsätzlich ist ein solches Vorgehen von Einbrechern natürlich möglich. Und es ist auch verständlich, dass sich Hausbesitzer fragen: ” Wie lege ich richtig Einspruch gegen Google Streetview ein?”. In Panik verfallen jedoch ist auch nicht angeraten, weil es dazu keinen wirklichen Grund gibt. Die von Google geschossenen Bilder sind keine Livebilder und somit in ein paar Monaten veraltet. Profidiebe werden  nicht den Fluchtweg mit Informationen vor ein paar Monaten auskundschaften. Was ist, wenn die Straße, die bei Streetview so herrlich frei aussah, gerade durch Bauarbeiten gesperrt ist? Was ist, wenn die prunkvolle Villa längst leer steht? All diese Fakten entschärfen die Gefahr durch Streetview entscheidend. Leider wird darüber nur wenig geredet.

Nichts desto trotz hat die Stadt Gelsenkirchen Informationen ins Netz gestellt, die besorgten Hauseigentümern dabei hilft, Einspruch gegen gegen eine Indexierung ihrer Häuserfotos bei Google zu erheben. Auch ein Musterwiderspruch gegen Google Streetview findet sich dort.

Foto: (CC) Byrion



8 Kommentare

  1. Kai sagt:

    Wenn ich daran denke, dass man bei Google Picasa ja auch schon Gesichtserkennunng machen kann, wird mir anders. Man schickt einen nach Malle und der fotografiert da Leute, lässt die Fotos bei Picasa auswerten, guckt ins Örtliche, dann in Street View und weiß wo ein Haus leerrsteeht gerade, dass evtl. lohnenswert ist… keine schöne Vorstellung.

  2. Stefan sagt:

    @Kai
    “guckt ins Örtliche, dann in Street View und weiß wo ein Haus leerrsteeht gerade”

    Sorry, aber da gibt’s einfachere und “sicherere” Methoden. Meist beginnen die damit, dass ein Tourist im Urlaub mit EC- oder Kreditkarte zahlt…

  3. Kai sagt:

    Die Kreditkartendaten abfangen ist ja auch viel weniger aufwändig, als mal eben unbemerkt n Foto zu machen. Das geht schon mit halbwegs günstigen Kameras aus ner Entfernung wo man es nicht mehr mitbekommt völlig problemlos und risikofrei ;)

  4. Stefan sagt:

    @kai
    “Die Kreditkartendaten abfangen ist ja auch viel weniger aufwändig, als mal eben unbemerkt n Foto zu machen”

    Für den, der die Karte durchs Gerät zieht, schon…

  5. Kai sagt:

    Ok, das lass ich gelten… Trotzdem finde die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von Picasa, Street View und so weiter ergeben können, schon irgendwie besorgniserregend…

  6. Dennis sagt:

    Ich versteh den Einwand nicht ganz. Inwiefern ist es gefährlich im Urlaub mit Kreditkarte zu bezahlen ?

  7. Pit sagt:

    Jetz geht dat los,tut dat Not,man hat eh kein Privat Leben mehr seit Internet,teilweise gut das Internet zur Hilfe aber bei Google Street View hört der Spass auf.Das Positive ist für Menschen die gezwungen sind durch irgendein Hindernis nicht aus ihre Wohnung können.(Rollstuhl-Bettlägerig).
    Also Google Mitarbeiter–Respekt bitte vor unserem Privatleben!!!

  8. Thomas sagt:

    Es ist schon merkwürdig ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Bares, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Staaten verleihen können, wer weiss? Zumindest fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, mittlerweile gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

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