Stolpersteinverlegung vor dem Grillo Gymnasium

Stolpersteinverlegung vor dem Grillo Gymnasium


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Am Donnerstag wurden in Gelsenkirchen wieder Stolpersteine verlegt. Das inzwischen bundesweit bekannte und gleichermaßen auch umstrittene Kunstprojekt dient seiner ursprünglichen Idee folgend eigentlich dem lebendigen und aktiven Gedenken deportierter Juden. Andachtsstimmung wollte bei der gestrigen Verlegezeremonie allerdings eher nicht aufkommen, denn die künstlerischen Akteure schienen in Eile, vor allem aufgrund eines unhaltbar eng gestrickten Zeitplans. Auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde hatten Probleme dem fremdbestimmten Termin mit all seinen Örtlichkeiten in Gelsenkirchen entspannt zu folgen, denn sie befinden sich in mitten der jüdischen Feiertage.

Auch mit von der Partie vor dem Grillo Gymnasium war die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde hier in Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, die dem Stolperstein Projekt durchaus kritisch gegenüber steht, aber die Form des Gedenkens dennoch respektiert. Das Gelsenkirchen Blog hatte Neuwald-Tasbachs Kritik an dem Projekt damals als unverschämt zurückgewiesen.

Heute gab es die Chance an der Verlegung der Stolpersteine mit eigenen Augen teilzuhaben und das persönliche Gespräch mit der Vorsitzenden zu suchen. Im Ergebnis teile ich die von ihr damals geäußerten Bedenken am zeremoniellen Ritus selbst. Tasbach kritisiert nicht das Engagement zur Erinnerungskultur selbst, sondern stellt nur in Frage ob die Stolpersteine aus verschiedenen Gründen das richtige Mittel sind, deportierten und ermordeten Menschen zu gedenken.

Stolpersteinverlegung mit Verzögerung

stolperstein-gebet

Und in der Tat: Die Verlegung der Stolpersteine hatte, wie oben bereits angemerkt, keinen wirklich feierlichen oder gar spirituellen Charakter. Die Initiatoren von Gelsenzentrum waren mit dem Künstler Gunter Demnig im Stadtgebiet unterwegs. Zum Zeitpunkt der Verlegung am Grillo Gymnasium verspäteten sie sich gut eine Dreiviertelstunde. Neben wartenden Gästen und Schülern, die aufgeregt immer wieder auf ihre eigens angefertigten Reden blickten, stand auch die Vorsitzende zunehmend unter Termindruck.

Gerne würde sie zu Ehren der Bedachten ein Gebet, gemeinsam mit den Vertretern der Gemeinde sprechen, aber zeitlich wurde es durch die Verspätung des Künstlers eng, zumal anderweitige Termine anstanden.  Entsprechend gehetzt wirkte dann die Verlegung als der Künstler sodann zu Werke ging, schließlich waren für den Donnerstag noch weitere Verlegungen im Stadtgebiet geplant. Und auch da warteten die Menschen und Akteure bereits auf den Künstler.

Gedenken in Reinform kann sicherlich feierlicher gestaltet sein. Der Akt des Gedenkens wird, zumindest für mich persönlich, auf die Verlegung des goldenen Stolpersteins reduziert. Ich verstehe die Kritik Neuwald-Tasbachs, dass dies allerdings nicht alles sein sollte und auch nicht sein kann. Neuwald-Tasbach führt aus, dass es hier deutlich bessere Formen des Gedenkens gibt. Dabei hat sie mir im Gespräch deutlich gemacht, dass es keine Fundermentalkritik  am eigentlichen Akt des Gedenkens sei, schließlich respektiere sie diese Aktion und zeige dies auch durch ihre aktive Teilnahme und der Begleitung durch die jüdische Gemeinde.

Berechtigte Kritik der jüdischen Gemeinde

Stolpersteinverlegung am Grillogymnasium

Das Gelsenkirchen Blog hatte die Äußerungen Neuwald-Tasbachs damals eben genau als Fundermentalkritik aufgefasst und dies im Zuge des zunehmenden Rechtsruck der Gesellschaft kritisiert. Diese Kritik war und ist ungerechtfertigt. Die Haltung der jüdischen Gemeinde ist in Bezug der Stolpersteine sehr konkret und keinesfalls – wie damals von diesem Blog aufgefasst – pauschal. Darüber hinaus trifft die spezifische Kritik der Gemeinde an einigen Aspekten (Ritual, Organisation, Informationsgehalt der Stolpersteine, Nachhaltigkeit in Bezug auf die Erinnerungskultur) nachvollziehbar zu.

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