Stadtzeitung GE: Zerrissen bevor sie gedruckt wurde.

Stadtzeitung GE: Zerrissen bevor sie gedruckt wurde.

Stadtzeitung sei Propaganda

Aufregung um eine geplante Stadtzeitung in Gelsenkirchen.

Werner Wöll, Vorsitzender der CDU Gelsenkirchen und Berufskritiker von Frank Baranowski, hat getan, was getan werden musste. Er hat Frank Baranowski kritisiert. Vieles hat sich in der Gelsenkirchener Politlandschaft verändert, nur bei Wöll nicht. Der kritisiert immer noch. Immer noch das Gleiche. Und wenn dem Wöll nix einfällt, dann macht’s der Heinberg. Im Jahre 2008, als die CDU den „Baranowski-Jäger“ Nobert Mörs (Kennen Sie den noch?) aufgestellt hatte, forderte Heinberg öffentlich das Ende der „Baranowskisierung aller Lebensbereiche unserer Stadt„. Das ist ja noch verhältnismäßig lustig, bedenkt man, dass das damalige Stadtmarketing zu einem derartigen Neologismus geschlossen nicht im Stande gewesen wäre und die CDU damals eine exakte Positionsbestimmung aus dem Zentrum der Irrelevanz aussandte. Kurz darauf vermeldete „Präsident Schweine-Bucht“ Wöll, dass ein von OB vorgebrachter Beitrag zur damaligen Sperrklausel im Stadtrat, nichts weiter sei als die bloße Effekthascherei Baranowskis, ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl 2009.

Eine von der Stadt geplante Stadtzeitung sei Propaganda auf Kosten des Steuerzahlers

Der aktuellste Angriff des CDU Mannes verlässt aber die Grenzen der Unterhaltsamkeit und ist erstens ein anmaßender Angriff auf Baranowski und zweitens, was mir in diesem schwachsinnigen Diskurs nicht deutlich genug gesagt wird, ein Angriff auf die Integrität der neuen SMG-Geschäftsführung. Die Unterstellung, Baranowski betreibe auf Steuerzahlerkosten Wahlwerbung – oder im christlich-konservativen Duktus „Propaganda“- impliziert stillschweigend und ganz selbstverständlich, dass auch die SMG Geschäftsführung dies unreflektiert mittrage. Das ist harter Tobak, der ebenfalls nach einer Entschuldigung gegenüber der SMG ruft. Darauf jedoch wird öffentlich zu warten sein, die CDU Ratfraktion hat die entsprechende Pressemitteilung nach wie vor online.

„Öffentlichkeitsarbeit und Imagewerbung sind ohne Zweifel wichtige Komponenten für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt. Doch was hier eingestielt wird, das ist Propaganda auf Kosten des Steuerzahlers! Der Zeitpunkt rund 15 Monate vor der nächsten Kommunalwahl ist einfach zu durchsichtig. Hier geht es vielmehr um eine teure Imagekampagne für den amtierenden OB“ (Pressemeldung der CDU-GE vom 12.2.2013).

Kritik am Konzept, das eigentlich noch keiner kennt.

Franz Przechowski, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Agentur UNICBLUE in Gelsenkirchen, schien am Samstagmorgen ebenso erstaunt wie ich zu sein, als er den Beitrag der WAZ zu diesem Thema erblickte. Noch am Freitag Nachmittag hatten wir uns in der Agentur über eine „konvergente Strategie“ d.h. eine medien- und markenübergreifende Kommunikationspraxis für die Stadt Gelsenkirchen unterhalten. Am Samstag war dann in der WAZ  zu lesen, dass das Stadtmarketing in Zusammenarbeit mit der Pressestelle eine Stadtzeitung herausbringen möchte, die  – folgt man den Angaben in der WAZ – an eine Zielgruppe verteilt werden soll, die aller Wahrscheinlichkeit nach weder als Multiplikator fungieren wird und möglicherweise gar keinen Bedarf an Informationen aus der Verwaltung hat. Dies veranlasste Przechowski zu einem längeren Eintrag auf der Pinwand von Frank Baranowski, der postwendend zum „Gastbeitrag“ bei den Ruhrbaronen wurde. Ich teile dabei die Kritik Przechowskis in Bezug auf die Zielgruppen. Auch mir wird das Ziel nicht deutlich, das SMG und Öffentlichkeitsarbeit hier verfolgen. Was Przechowski ebenfalls anspricht ist, dass sich das analoge Medium gegenüber den digitalen Verwaltungsmedien (Website, Facebookpostings etc.) in Bezug auf „Verwaltungsinformationen“ in einen nicht zu gewinnenden Konkurrenzkampf begibt, der seiner Auffassung nach für ersteres Medium im Papierkorb endet. Damit wird er der Erfahrung nach Recht haben, denn die Zielgruppe, die keine Zeitung liest und nicht im Internet aktiv ist, die gibt es zumindest aus publizistisch-medienplanerischer Perspektive nicht. Auch soziologisch fällt es mir schwer, diese zu konkretisieren. Wer soll das sein? Und wenn es sie gibt, warum sollten sie ausgerechnet diese Stadtzeitung lesen? Und wenn sie es tatsächlich tun, was hat die Stadt davon?

Was ich nicht teile, ist die gänzliche Abkehr vom Medium Print. Es besteht erheblicher Bedarf daran, dass sich die Verwaltung medienübergreifend in die Lage versetzt, gezielt Informationen zu verbreiten. Dazu ist es wichtig, langfristig eigene Medien zu schaffen. Printmagazine sind dazu durchaus eine Möglichkeit. Sind diese gut gemacht, so lassen sich über Anzeigen die Kosten durchaus deckeln. Grundvorausetzung ist jedoch eine andere Zielgruppe, als die bisher angedachte. Auch an Themen fehlt es in Gelsenkirchen nicht, die geeignet sind, die Bürgerkommunikation zu verbessern und die Identifikation mit der Stadt zu stärken. Presse und Marketing direkt dem Oberbürgermeister Büro zu unterstellen war lange überfällig. Wer sich in der Vergangenheit mit dem Stadtmarketing beschäftigt hat, der weiß auch warum.

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4 Kommentare zu “Das St. Josef-Hospital in Horst soll 2017 geschlossen werden.”

  1. Franz Przechowski
    19. Dezember 2016 at 11:22 #

    Zutreffende Analyse. Alle Probleme hinsichtlich Weihnachtsmärkte in Gelsen und in Buer sind hausgemacht und durch nichts mehr zu entschuldigen. deine kennzeichnung „strukturelle Geschäftsunfähigkeit“ trifft den Kern. Aber darüber hinaus fehlt auch der Sinn für die konzeptionelle Gestaltung und emotionale sowie inhaltliche Aufladung von Events, die auf die Marke GE einzahlen sollen. Das ist nicht unbedingt eine Frage des Budgets, sondern der professionellen Fähigkeiten. Ich bin kürzlich erst wieder wegen meiner Bemerkung „SMG ist eine Laienspielschar“ gescholten worden. Angesichts der miesen Performance möchte ich bei meiner Beurteilung bleiben und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung gleich mit einbeziehen.

  2. Sabine
    19. Dezember 2016 at 20:14 #

    Dann geht doch endlich hin statt nur zu mosern

  3. Albert Ude
    21. Dezember 2016 at 17:12 #

    Die Analyse geht in Ordnung. Die Hinterfragung klammert die Mittäterschaft des örtlichen Einzelhandels leider völlig aus. Die Anlieger der Bahnhofstrasse haben kein Interesse an einem Weihnachtsmarkt, der als zentrale Veranstaltung auftritt. Die Mitwirkenden der SMG, des Umbaubüros und die für die blau-weiße Kugelplastik Verantwortlichen sind gutmeinende, aber hoffnungslos überforderte Amateure und Dilettanten, deren schlimmster Alptraum es ist, von professionellen Akteuren, ja auch bereits von schlichten Menschen, die sich einfach mal in anderen Städten umgeschaut haben, erzählt zu bekommen, wie ein Weihnachtsmarkt aussieht, ja, was überhaupt ein Weihnachtsmarkt ist. Die in Gelsenkirchen stattfindende Veranstaltung darf man auf einer Skala von 1 – 10 bei minus fünf verorten, eine gefühlte Tendenz zur Qualitätssteigerung ist illusionistische Schönrederei. Wollte man eine Verbesserung um fünf Punkte erzielen, so bedeutete das, den Nullpunkt anzustreben, die Veranstaltung also schlicht zu unterlassen. Stattdessen empfiehlt sich ein Busshuttle nach Dortmund, Essen oder Münster, oder in die kleinen niederländischen Orte oder an den Niederrhein.
    Das ist alles sehr schade, leider aber so zutreffend. In meiner Erinnerung ist die Reibeplätzchenhütte am Anfang der Bahnhofstrasse rechts der aus dem Betrachtungsraster heraustanzende kulinarische Höhepunkt der Meile. Die Reststrecke schaffe ich nicht: Kabel, Mülltonnen, Ramschstände, Trink- und Nahrungsmittelhütten. Und – mit Verlaub – Menschenmassen. Nur eins hat sich verbessert: Zu Zeiten von Lalakakis wurde noch WDR 4 über die Lautsprecher eingespielt. Das ging gar nicht.

  4. szodruch, maggie
    22. Dezember 2016 at 16:35 #

    Leider muss ich Albert Ude in allen Aussagen Recht geben !

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