Sozialticket: teuer und beschränkt

Die floppende Unverschämtheit oder der unverschämte Flop – wie man es auch dreht und wendet: das Sozialticket für den ÖPNV kommt bei den Bezugsberechtigten im hiesigen Verkehrsverbund Rhein-Ruhr überhaupt nicht gut an. Wie Westline heute schreibt, nutzen im VRR ganze 4,9% der Berechtigten das vergünstigte Monatsticket der Preisstufe A. Im Kreis Recklinghausen selbst sind es sogar nur 2,5%. Ganz offensichtlich ist das Ticket unattraktiv. Doch das war abzusehen und wen es immer noch verwundert, dem ist wahrscheinlich nicht mehr zu helfen.

Zur Ursachenforschung. 29,90 Euro kostet das Sozialticket im VRR. Die Regelsatzverordnung sieht aber keine 15 Euro monatlich für verkehrsbedingte Kosten vor. Schlüsselt man den Regalsatz noch weiter auf, findet man sogar Quellen, die keine 11,50 Euro im Monat allein für den ÖPNV ausweisen. Sprich: das Sozialticket kostet mit seinem monatlichen Preis von 30 Euro in etwa das Doppelte bis Dreifache von dem, was einem Bezugsberechtigten dafür offiziell zur Verfügung steht. Und genau das ist m.E. offensichtlich kein Denkfehler, sondern eine bewusste Unverschämtheit.

Problematisch ist zudem die enge Begrenzung des Tarifgebiets. Die Preisstufe A reicht zum Erreichen der Nahversorgung, bietet aber keine Möglichkeit zu überlokaler persönlicher gesellschaftlicher Teilhabe.

Es gilt hier, die offensichtlichen Fehler und Probleme alsbald abzuschalten und das Sozialticket nicht nur attraktiver, sondern schlicht bezahlbar zu machen. Der soziale Grundgedanke ist löblich, wird aber durch den momentanen Sachverhalt ad absurdum geführt. Ich persönlich befürchte aber eher, dass das Sozialticket nach der Testphase wieder eingestellt wird – weil es ja kaum jemand nutzt…

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  1. Der Ruhrpilot | Ruhrbarone - 8. März 2012

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