Queer as Deutschland

01 October 2009 von Dennis

Dem deutschen Volk sagt man international ja eine ganze Menge nach. Die Deutschen tragen Lederhosen, trinken Bier und essen Sauerkraut, begrüßen sich mit dem Hitlergruß, wenn sie morgens ins Büro kommen und sie sind stur und unfreundlich. Spätestens nach der Bundestagswahl dürfte der Welt jedoch klar sein, was die Deutschen nicht sind: Unemanzipiert.

Mit einer bestätigten Bundeskanzlerin und einem nun vermutlich bald gewählten Guido Westerwelle als Außenminister, der offen schwul lebt, sind wir – zumindest in dieser Konstellation – weltweit wohl einmalig. Bei allem wirtschaftlichen Regress der letzten Monate, bei allen politischen Bedenken, die man der schwarz-gelben Regierungsbildung entgegenbringen mag, diese Konstellation muss Deutschland als Wahlgewinn verbuchen.

Denn, dass ein offen schwul lebender Mann das gesellschaftliche Mandat zur weltweiten Repräsentation des eigenen Staates erhält, das wäre wohl noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Gesellschaftlich-emanzipatorisch ist diese Wahl damit auch ein Symbol für einen freien Staat, indem es Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Herkunft oder Religion möglich ist,  ganz weit nach oben aufzusteigen. Das müssen uns andere Staaten – auch die in der EU- ersteinmal nachmachen. Auf eine solche Entwicklung kann Deutschland stolz sein.

Während in Deutschland die sexuelle Orientierung in den Spitzen der Politik keine Rolle zu spielen scheint, ist das z.B. in arabischen Staaten noch ganz anders. Wenn Westerwelle diese als Außenminister besuchen wird, müssen auch konservative Staatsmänner mit ihm interagieren. Ob sie wollen oder nicht. So gesehen, wird Westerwelle zum Botschafter für persönliche Freiheit und gesellschaftliche Emanzipation weltweit. Das soetwas von Deutschland ausgeht, darauf kann man stolz sein.



9 Kommentare

  1. Taner sagt:

    Dass unser wahrscheinlich zukünftiger Außenminister kein Englisch kann und eine marktradikale Idiologie vertritt, darauf nicht.

  2. Stefan sagt:

    Nur weil er dem Reporter – für viele – eine rüde Antwort gegeben hat, heisst das nicht, dass er kein Englisch kann.

  3. Taner sagt:

    Stimmt. Das hier beweist’s schon: http://www.youtube.com/watch?v=lLYGPWQ0VjY

  4. Stefan sagt:

    Naja, der Beitrag ist ja schon einige Jahre alt, und da hab ich schon andere Politer “schlimmer” reden hören.
    Aber wenn man unbedingt “bashing” betreiben möchte, dann ist da ja auch okay.
    Ich glaub auch ein Westerwelle kann sich weiterentwickeln.

  5. Dennis sagt:

    @Stefan Sorry, dass du immer in die Moderationsschleife gerätst. Ich weiß nicht woran das liegt.

  6. Dennis sagt:

    @Stefan Sorry, dass du immer in die Moderationsschleife gerätst. Ich weiß nicht, woran das liegt.

  7. Jens sagt:

    Die Ironie der Geschichte ist, dass beides ohne Rot-Grün wohl nicht möglich gewesen wäre.

  8. Frank sagt:

    Stimme Jens zu!

    Beide pflegen die bürgerliche Tugend, andere hart arbeiten zu lassen und sich dann an gedeckte Tische zu setzen.

    Übrigens hat Westerwelle sich nie offen für mehr Toleranz für Homosexuelle eingesetzt, wie es einem echten Liberalen eigentlich ein politisches Anliegen gewesen wäre. Westerwelle aber hat seine Homosexualität zu seiner “Privatangelegenheit” erklärt. Warum ist er dann eigentlich Politiker geworden?

    Grüße nach Gelsenkirchen!

  9. Puck sagt:

    @Frank
    Warum sollte sich Westerwelle “offen” für mehr Toleranz für Homosexuelle einsetzten? Es IST seine Privatangelegenheit!
    Genau darin zeigt sich doch die zunehmende Toleranz, daß da schon längst keine große Sache mehr draus gemacht werden muß.
    Kann sich noch jemand an die Peinlichkeit erinnern, als Rosa von Praunheim Hape Kerkeling “geoutet” hat? Das ging ab wie ne Wunderkerze unter Wasser.
    Wer wissen wollte, mit wem Hape zusammen lebt, wußte das nämlich schon, und die anderen hats sowieso nicht interessiert.
    Und es war Rosa von Praunheim, der doof da stand, und zwar zu Recht.
    Nein, bitte kein Mißverständnis, Westerwelle ist definitiv nicht mein Lieblingspolitiker.
    Aber auch jemandem, dem man seine Eitelkeit, seine Publicitysucht und seinen Hang zur karrierefördernden Beliebigkeit durchaus übel nehmen kann, sollte man gestatten, sein Privatleben als solches zu leben.
    Vielleicht ist das seine sympathischste Eigenschaft.

Ihre Meinung ist wertvoll.




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