Public Viewing zur EM 2012.

12 June 2012 von Dennis

Public Viewing? Fehlanzeige! Wie Gelsenkirchen kampflos wichtige Sympathiepunkte an Nachbarstädte verschenkt.

Wenn Gelsenkirchen mit etwas wirklich Positiven besetzt ist, dann mit der Zuschreibung eine DER Fußballstädte in Deutschland zu sein. Leider sieht sich Gelsenkirchen ganz offenbar selbst so nicht. Das Stadtmarketing der letzten Monate, vor allem nach dem Abdanken der alten Stadtmarketingführung, ist hingegen durchaus von Lichtblicken geprägt. Gelsenkirchen mit dem Festivaljahr auch überregional ins Gespräch zu bringen, war endlich ein Vorstoß entlang relevanter Inhalte zu kommunizieren – statt wie zuvor – inhaltsleere Slogan (“Herz im Revier voll Kraft und Zauber”) auf jede städtische Wand und jedes Fahrzeug zu bringen.

Public Viewing zur EM 2012 in Gelsenkirchen wäre mehr als nur eine Veranstaltung. Es wäre ein Fest.

Gelsenkirchen braucht Inhalte, die erst geschaffen werden müssen, um dann verkauft werden zu können. Das allgemeine Produktmarketing unterscheidet sich in diesem Punkt nicht vom spezifischen Stadtmarketing. Je besser das Produkt, desto einfacher und günstiger ist der Verkauf bzw. die Kommunikation. Das uralte und heutzutage nahezu von Grundschülern beherrschte Prinzip von “Angebot und Nachfrage” kommt hier federführend zum Tragen. Welche Nachfrage lässt sich also aller Wahrscheinlichkeit in einer Fußballstadt, die selbst WM-Stadt war, ableiten?  Es wird wohl der allgemeine Wunsch zum Public Viewing in Gelsenkirchen sein, die Bürgerinnen und Bürger aus sich selbst heraus antreibt. Leider nutzt das Gelsenkirchener Marketing diese Disposition nicht und verschenkt völlig kampflos wichtige Sympathiepunkte an die Nachbarstädte. Und wie das so beim Standortwettbewerb ist, bedeutet Sympathie immer auch Geld.

Gelsenkirchen kann Public Viewing, das konnte die Stadt als WM-Stadt beweisen.

Gelsenkirchen möchte nach Berichten der Lokalberichterstattung kein Public Viewing zur EM 2012 anbieten. Zur WM damals gab es das offensichtlich auch nur, weil Gelsenkirchen WM-Stadt war. Schade Gelsenkirchen, das wäre ihr Hauptpreis gewesen. Gerade das Public Viewing damals in Gelsenkirchen war DER Publikumsmagnet. Die WM damals in Gelsenkirchen war genial geplant und professionell ausgeführt, kaum eine andere Stadt konnte da mithalten. Auch das Public Viewing gehörte zu den Highlights. Nun wandern die Fans in die Nachbarstädte ab. Public Viewing in Recklinghausen etwa oder in der König Pilsener Arena, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Um im Fuballjargon zu bleiben: Dumm, einen solchen Elfmeter zu verschießen. Hier kann man sich das frühere “Fan Fest” nocheinmal ansehen.



3 Kommentare

  1. Frank Baranowski sagt:

    Es gab ja nicht nur ein Public Viewing bei der WM 2006. Auch bei der EM 2008 gab’s ein Public Viewing auf der Fläche des Sport-Paradies. Und soviel sei verraten: es war ein dickes Zuschussgeschäft.
    Dann gab’s zwei Jahre später, bei der WM 2010 ein gemeinsames Public Viewing von Schalke 04 und Stadt in der Veltins Arena. Auch hier sei nur soviel verraten: auch ein dickes Zuschussgeschäft.
    Natürlich wäre ein public viewing auch bei dieser EM ganz schön, doch es gilt der alte Spruch, insbesondere bei den gemachten Erfahrungen: Irgendeiner muss es bezahlen!

  2. Dennis sagt:

    Das mit dem Bezahlen ist ja für Gelsenkirchen angesichts der Haushaltslage generell ein Problem, allerdings bin ich der Auffassung – und ich denke wir sind da nicht weit voneinander entfernt – dass eine Stadt sich nicht kaputt sparen darf.

    Mag auch die rational begründete Entscheidung ein Public Viewing entfallen zu lassen richtig sein, so bin ich dennoch der Auffassung, dass die Entscheidung in der Wahrnehmung der Bürger sehr negativ aufgenommen werden wird. Vielleicht jetzt noch nicht, aber je weiter die deutsche Mannschaft bei dieser EM kommt, desto lauter wird der Wunsch nach einer solchen Veranstaltung in der eigenen Stadt werden. Dass ausgerechnet Recklinghausen sich das leisten kann, ärgert mich. Aber -obgleich ich Ihnen das grundsätzliche Zuschussgeschäft ohne jeden Zweifel glaube – dass die Veltinsarena bei einer im Vergleich zu einem Bundesligaspiel doch simplen Veranstaltung Minus einfährt, das ist mir ein Rätsel.

    Nebenbei ist es doch dem Management des S04 bestimmt nicht unmöglich für eine solche Veranstaltung Sponsoren aufzutreiben. Ich kenne die Finanzproblematik der Stadt und ich nehme sie ernst, ich verstehe die Entscheidung. Aber – Sie kennen mich – ich ärgere mich maßlos über jede verpasste Chance der Stadt sich positiv zu positionieren. Und leider war das wieder eine.

  3. Jens sagt:

    @Dennis: Hmm…

    Die WM damals in Gelsenkirchen war genial geplant und professionell ausgeführt, kaum eine andere Stadt konnte da mithalten.

    Hast Du da Vergleiche? Also ich kann mich jetzt an nichts besonderes mehr erinnern (okay, das ist sechs Jahre her…) – aber an das einzige, an was ich mich bezüglich der Public Viewings zur WM 2006 erinnere ist etwas, was ich hier lieber aus farblichen Gründen nicht erwähne. ;)

2 Trackbacks

  1. Pottblog Says:

    Links anne Ruhr (13.06.2012)…

    Bochum: Förderung steht aus: Musikzentrum: Rückkehr aus Düsseldorf ohne Millionen-Scheck (Ruhr Nachrichten) – Das Land NRW kann die Fördermittel dem geplanten Musikzentrum doch noch nicht zur Verfügung stellen. …

  2. Jetzt doch? Public Viewing in Gelsenkirchen. // Gelsenkirchen Blog Says:

    […] wurde ist, dass die Gelsenkirchener und Gelsenkirchnerinnen sich aller Wahrscheinlichkeit nach ein Public Viewing zur EM 2012 in Gelsenkirchen wünschen. Doch kaum verbloggt, ereilte diese Hoffnung ein Kommentar von einem, […]

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