Peer’s PR-Strategie ist für’n Arsch.

29 December 2012 von Dennis

Ich bin mir nicht sicher, welche Füllung die Gans im Hause Steinbrück dieses Jahr hatte, aber wohl bekommen scheint ihm das Weihnachtsessen offenbar nicht zu sein. Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, befindet öffentlich, dass das Amt des Bundeskanzlers nur unzulänglich bezahlt werde, bedenke man, welche Anstrengungen und Verantwortung ein Kanzler für sein Land übernehme.

In Steinbrücks Welt fällt es ihm schwer nachzuvollziehen, warum ein Sparkassendirektor mehr verdient, als der Kanzler oder die Kanzlerin. Dabei ist dieser Übertrag sehr einfach und gänzlich ohne Populismus zu bewerkstelligen. Die gesellschaftlich schlüssigste Erklärung ist: Ein Sparkassendirektor verdient soviel, weil im gesellschaftlichen Teilsystem Wirtschaft im Branchenbereich “Banking & Finance” üblicherweise soviel verdient wird.
Ein Bundeskanzler verdient soviel, weil im Staatsdienst per Gesetz geregelt wurde, was ein Bundeskanzler zu verdienen hat.

Das Amt des Bundeskanzlers taxiert seinen Wert nicht entlang der ökonomischen Theoriefigur des Homo Oeconomicus, sondern entlang ideologischer und in der Regel intrinsischer Motivation. Mit rund 15 -16 Tsd. Euro (+ diverser Zulagen, die ich nicht beziffern kann) unerschütterlich sicherem Brutto-Monatsgehalt und sicherer Altersversorgung nagen aber auch Bundeskanzler nicht wirklich am Hungertod. Nebenbei gibt es die wohl luxuoriösesten Arbeitsbedingungen, die sich ein Arbeitnehmer so denken kann. Ein Knochenjob, das steht ausser jeder Frage, aber AltenpflegerINNEN – zum Beispiel – verdienen im schlechtesten Fall soviel Geld in einem Jahr. Eigentlich sollte sich der Möchtegern SPD-Kanzler mit dieser Problematik auseinandersetzen, statt einen Elitendiskurs anzuzetteln, der schon in den 1990′iger Jahren mit einem Buch unter Mitautorschaft von Ex-Bundespräsidentin  Rita Süssmuth unter dem Titel “Die planlosen Eliten. Versäumen die Deutschen ihre Zukunft” nicht wirklich gut zu Ende ging.

Der Auffassung, dass man nun eine Altenpflegerin nicht mit einer Bundeskanzlerin vergleichen könne, darf man sein – klugerweise stellt man diesen zum Teil philosophisch und anthropologischen Diskurs nach der gesellschaftlichen Wertigkeit von Berufsgruppen aber nicht ins Zentrum seiner politischen Argumentation, will man tatsächlich Bundeskanzler werden. Zu schnell gleitet eine solche Diskussion ins Zynische ab. Steinbrück spannt sich selbst den politischen Stolperdraht mit einer Diskussion, die seinen politischen Gegnern die Argumente gegen Steinbrück buchstäblich in den Mund legen. Schließlich ist auch der Vergleich eines Sparkassendirektors mit einem Bundeskanzler ein hinkender. Deutscher SPD- Bundeskanzler wird niemand, der primär Millionär oder Milliardär werden will. Bankdirektor wird niemand, der sich mit dem Gehaltsgefügen von Altenpflegerinnen im Vergleich zu DAX-Vorständen auseinandersetzt. Beide Sinn-Dimensionen sind füreinander wahrscheinlich gänzlich intransparent. Sollte Peer Steinbrück es fürchten, als Bundeskanzler zu wenig Zeit zum Geld verdienen zu haben, so sollte er es – dem deutschen Volke zuliebe – doch besser bleiben lassen.

Josef Ackermann wäre niemals freiwillig Kanzler geworden.  Zum einen, weil er das Gehalt an guten Tagen wohl als Tagessatz berechnen konnte, zum anderen entspricht sein Weltbild und seine ideologische Agenda aller Wahrscheinlichkeit nach nicht der Ideologie eine Staatsmannes. Steinbrücks Flucht nach vorn war, nicht nur nach seinen Honorar-Schlagzeilen der letzten Wochen, ein weiterer Stolperschritt auf dem Weg zur Kanzlerschaft. Steinbrück ist ein begnadeter und guter Finanzpolitiker aus konserverativ-bürgerlichem Haus. Peer Steinbrück ist, nimmt man die Ereignisse der letzten Wochen zur Kenntnis, aber leider in der falschen Partei.

Nebenbei: Ein Vorstandsvorsitzender eines DAX-Konzerns verdient schätzungsweise rund 34 mal soviel wie ein Top-Kardiologe an einem Universitätsklinikum. Jetzt ziehen Sie nocheinmal das Steinbrücksche Entlohnungsargument  “Verantwortung” zur Rechtfertigung heran und Sie merken schnell, dass auch die PR-Berater des Herrn Steinbrück nicht wirklich zur Elite ihres Fachbereiches gehören.

Update:

Weitere lesenswerte Blog-Kommentare ( via LINKS anne RUHR darauf gestoßen)

- Christian Soeder – Peer Steinbrück und das Geld
- durchdenken – Wahrheit und Wirklichkeit

Update 2:

- Lesenswerter Kommentar bei:

- Post von Horn: Wahlkampf für besseres Kanzlergehalt

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1 Kommentare

  1. Jan sagt:

    Der erste SPD-Mann, der mir mal sympathisch ist und ausspricht, was alle denken. Er hat ja recht, ich mein, für die “paar Ocken” würde ich auch niemandem dazu raten, Bundeskanzler/-in werden zu wollen. Wenn man den Stress und vor allem die Verantwortung (und letztere ist das, was ja üblicherweise die Gehälter in höhere Regionen hieft) ist die Bezahlung eines der höchsten Ämter in DE wirklich lächerlich.

1 Trackbacks

  1. Links anne Ruhr (31.12.2012) » Pottblog Says:

    [...] Peer Steinbrück im Gespräch: „Bundeskanzler verdient zu wenig“ (FAZ) – In dem Interview von Peer Steinbrück mit der FAS geht es um einige Themen – doch in den Medien wird vor allem die Frage nach der Entlohnung des Bundeskanzlers diskutiert. Siehe dazu auch die Kommentare Wahrheit und Wirklichkeit, Peer Steinbrück und das Geld sowie Peer's PR-Strategie ist für'n Arsch. [...]

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