Opfer zweiter Klasse?

19 September 2010 von Dennis

Im Kontrast zu anderen Vermisstenfällen wirkt die Suche nach Lindemann unzulänglich.

Als Annette Lindemann aus Buer Ende Mai spurlos verschwand, ihr Fahrzeug, ein schwarzer Mercedes Viano, ausgebrannt in einem Waldstück bei Marl gefunden wurde und die Matratzen aus dem ehelichen Schlafzimmer ebenfalls verbrannt auf einer Gelsenkirchener Halde identifiziert werden konnten, dürfte es den Ermittlern der Polizei Essen spätestens klar gewesen sein, dass es im Fall Lindemann immer unwahrscheinlicher ist, dass die Vermisste noch lebend gefunden wird.

Für Verwunderung bzw. Verwirrung  sorgte der bereits zu Beginn der Medienberichterstattung kommunizierte Wechsel der Ermittlungsbehörden. Weil der offenbar dringend tatverdächtige Ehemann von Annette  Lindemann bei der Polizei Gelsenkirchen als Kriminalbeamter beschäftigt war, wurden aus Gründen der Neutralität die Ermittlungen an die Polizeibehörde Essen verlegt. Soweit, so korrekt: Doch obwohl der Ehemann vom Polizeidienst beurlaubt wurde und die Gelsenkirchener Polizei die Ermittlungen abgab, wurde in einigen Kommentaren hier im Gelsenkirchen Blog der Eindruck geschildert, dass die Polizei tatsächlich nicht alles in ihrer Macht stehende unternehme, um Annette Lindemann zu finden.

In Momenten der Ungewissheit sind solche Kommentare aber nicht selten. Auch in der Berichterstattung zu den tragischen Ereignissen der Loveparade konnten Kommentare hier im Blog nicht freigeschaltet werden, weil sie schlicht Unsinn zum Inhalt hatten. Im Fall Lindemann hingegen klingen selbst die Äußerungen der freigeschalteten Kommentare zunächst abwegig.

Der Fall “Mirco” relativiert die Suchaktionen nach Annette Lindemann.

Verfolgt man vergleichend die Aktionen der Polizei in Grefrath, die aktuell in der bisher größten Suchaktion in NRW nach dem 10 jährigen Mirco sucht, wirkt die Intensität der Suchbemühungen im Fall Lindemann doch eher unzureichend. Während man bei der Suche nach Annette Lindemann im Anschluss an die lokale Presseberichterstattung ein paar Waldstücke durchsucht hat und Taucher im Grimbecker Hafenbecken nach einer möglichen Leiche getaucht sind, hat man sich auf Seiten der Polizei aus meiner persönlichen Sichtweise doch recht früh mit der Hoffnung zufrieden gegeben, dass die Vermisste im Herbst, wenn sich die Blätter lichten, von Passanten oder Spaziergängern gefunden wird. Bei genauerem Hinsehen entlarvt sich eine solche Hoffnung möglicherweise als Trugschluss, denn das herabfallende Laub würde eventuelle Erdlöcher oder Verstecke in Waldgebieten zusätzlich verdecken.

Der Fall Mirco zeigt darüber hinaus sehr schön, welche Möglichkeiten die Polizei Essen bei der Suche nach Lindemann noch gehabt hätte. Die Suche über das ZDF Magazin Aktenzeichen XY ungelöst etwa brachte den Ermittlern in Mönchengladbach viele wichtige Hinweise, wie die Presse im Nachgang zur Sendung berichtete. Der Fall Lindemann fand, obwohl er durch die bisherigen Ermittungsergebnisse durchaus als brisant einzustufen ist, keine Erwähnung. Die Frage, die sich stellt ist: Warum nicht? Ist Annette Lindemann ein Opfer zweiter Reihe? Ist das Auffinden ihrer Person weniger wichtig, als das Auffinden des 10 jährigen Jungen? Oder weiß die Polizei schon mehr, als sie der Öffentlichkeit preisgeben möchte? Die Fragestellung erscheint gewiss zynisch, aber sie muss gestellt werden. Nach Mirco sucht unterdessen auch die Bundeswehr. Zwar haben die Luftbilder, die aus Tornados geschossen wurden, zu keinem Ergebnis geführt, doch wird auf der Stelle klar, dass die Suche nach Mirco intensiver und motivierter erfolgt.

Im Fall Lindemann ist nun die Staatsanwaltschaft damit beschäftigt mühsam Indizien zusammen zu fassen, was den späteren Prozess sicherlich nicht erleichtert,wenn es überhaupt zu einem solchen kommt.

Um Missinterpretationen vorzubeugen: Selbstverständlich sei Mirco die intensive Suche gegönnt. Sie ist gar vorbildlich. Allerdings wird die Polizei in Essen Gründe dafür haben, warum sie soviele Möglichkeiten der Suche ausgelassen hat. Sie wäre gut damit beraten, diese offen zu legen. Andernfalls wirkt Lindemann im direkten Kontrast zu anderen Vermisstenfällen wie ein Opfer zweiter Klasse.

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13 Kommentare

  1. claudi sagt:

    Muss Ihnen leider völlig Recht geben und finde es unglaublich wie wenig gesucht worden ist. Die armen Kindern in Ungewissheit mit diesem Vater zu lassen ist einfach nur entsetzlich. Ixh hoffe sehr, daß die Wahrheit noch ans Licht kommt.

  2. Tschoepe sagt:

    Ich frage mich seit Wochen, was für Jobs und/oder Positionen Mircos Eltern wohl haben bzw. bekleiden. Die Suche nach dem Jungen verläuft ganz offensichtlich extrem intensiv – und das über Wochen. Die Medien treten das ganze Unterfangen als “größte Suchaktion in der Geschichte NRWs” breit, so dass man sich automatisch fragt, warum ausgerechnet hier so viel Aufhebens darum gemacht wird. Den hier herausgestellten Kontrast zu der Vermissten aus Buer finde ich in diesem Zusammenhang ebenfalls bemerkenswert! Ist scheinbar immer gut, engere Kontakte zu Polizeibeamten zu haben… *hüstel*

  3. Birreck sagt:

    Ich verfolge den Fall Lindemann von Anfang an und sehe jeden Tag im Internet nach ob es Neuigkeiten gibt. Es gibt keine. Das Haus der Familie ist doch sicher auf Spuren untersucht worden. Blut kann man nicht komplett wegputzen. Bei jedem Vermisstenfall wo Matratzen entsorgt werden wird ja wohl mindestens das Schlafzimmer umgekrempelt. Alles sehr, sehr merkwürdig. Ich gehe davon aus, daß die Polizei ihren Kollegen vor der Öffentlichkeit schützten will und der Fall längst aufgeklärt ist. Wie sieht das denn aus, ein Mitarbeiter der Kripo als mutmaßlicher Mörder? Geht ja gar nicht.
    Für mich ist Annette L. ein Opfer zweiter Klasse und mein Vertrauen in unsere Polizei ist ordentlich ins Wanken geraten.

  4. Herbert W. sagt:

    Hier also noch einmal…@Birreck. Ja,Sie haben völlig Recht.Das nennt man “Chorgeist”. Es ist schlichtweg zum kotzen,wie ein mutmasslicher Mörder frei herumlaufen darf.Was macht die Familie von Annette Lindemann?Was macht der Bruder?Warum unternehmen die Nichts??? Das darf nicht sein.Die Frau ist eine Mutter von 4!!!Kindern UND ehemalige Polizistin.Das kann doch nicht wahr sein,in was für einer Scheiss Zeit leben wir eigentlich??? aber, ist ja alles schon einmal da gewesen! Ein GROSSES Lob an den Autor dieses Artikels.Bitte,schaffen Sie MEHR Öffentlichkeit.

  5. Eichkämpler sagt:

    Hallo Herbert W.! Sie fragten danach, was die Familie/die Kinder von Frau Lindemann machen. Die sind nach wie vor beim Vater und sind in ihrem alten Umfeld (Schule etc.). Das Haus? Wird derzeit verkauft und bringt ca. 580.000,00 Euro. Wenn das mal kein Motiv ist… Der Ex-Polizist mit schwangerer Geliebter und einer Frau die das ganze vermutlich gar nicht toll fand. Dazu noch 4 Kinder…. Zumindest hat er sich so die Hälfte vom Verkauf des Hauses gespart, sowie Unterhaltzahlungen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es den Kindern geht und wünsche allen 4 verdammt gute Therapeuten. Immerhin hat ihr Papa sie alle vier mit einem Schlag zu Vollwaisen gemacht. Denn machen wir uns mal nix vor: früher oder später kommt alles raus. Kein Mensch kann seine Frau umbringen und danach so tun als ob nix passiert sei. Meiner Meinung nach ist die Leiche nirgends verbuddelt. Herr L. ist sich seiner Sache so sicher, und er wird wissen warum. Man muss sich nur mal die Frage stellen: wie bekommt man es hin, dass von menschlichen Überresten nix übrig bleibt. Hinzu kommt, dass man als Polizist überall “freien Eintritt” hat. Bei Müllverbrennungsanlagen, Friedhöfen usw. Irgendwann muss er seinen Kindern Rede und Antwort stehen. Ich hoffe nur, dass da nix passiert. Die Kinder tun mir so leid. Weihnachten steht vor der Tür und der Mörder von Mama legt grinsend die Geschenke unter den Baum. Vielleicht erfährt man ja in naher Zukunft auch mal wieder etwas von der Presse/Polizei.

  6. Dennis sagt:

    @Eichkämpler: Ich verstehe Ihren Unmut, ich bin in der Sache bei Ihnen. Ich weise aber aus juristischen Gründen darauf hin, dass in Deutschland die Unschuldsvermutung gilt. Das gilt auch hier für das Gelsenkirchen Blog, weshalb ich mich leider von Ihren Ausführungen distanzieren muss.

    Insofern Sie beweisen können, was sie vorgeben zu wissen, unterrichten Sie doch bitte die nächste Polizeidienststelle.

  7. Eichkämpler sagt:

    @Dennis: Natürlich weiß ich nichts, weshalb sich natürlich ein Gang zur nächsten Polizeitdienststelle nicht lohnen würde. Und ich gebe auch nicht vor etwas zu wissen. Was ich aber sehe ist, dass es doch so viele Möglichkeiten gibt, nach Fr. L. zu suchen und es nicht getan wird. Ich denke aber, dass ich mit meinen Äußerungen nur das schreibe, was viele denken. Ich bin ein ganz normaler Anwohner, der die Familie noch nicht einmal persönlich kennt. Überall wird öffentlich über diesen Fall gesprochen. Erst gestern an der Kasse eines Discounters in GE-Resse wurde haarklein darüber gesprochen. Natürlich weiß niemand etwas genaues. Trotzallem darf man denke ich seinen Unmut über das Ermittlungsverfahren äußern. Ich würde nicht wollen, dass ein Angehöriger derart in Vergessenheit gerät. Wenn niemand mehr darüber spricht, ist auch dieser Fall bald vergessen. Und so ganz unschuldig ist der Ehemann ja nun nicht: immerhin hat er doch die Falschaussagen bzgl. des angeblichen Telefonats und der verschwundenen Matratzen gemacht, oder? Das Verbrechen als solches konnte ihm bisher noch nicht nachgewiese werden, das stimmt wohl. Selbst auf dem WDR bei der Sendung “Kriminalreport” hat man sich so geäußert, dass es für alle Ermittelnden feststeht, dass der Ehemann der Täter ist.

  8. Eichkämpler sagt:

    Und aus juristischer Sicht haben Sie natürlich Recht. Sollte sich herausstellen, dass die Sachlage nicht so liegt, wie alle annehmen, wäre es ein Skandal für den Ehemann, die Kinder etc. Und natürlich muss man ohnehin abwarten, wie Richter in diesem Fall in dem nichts nachzuweisen ist, entscheiden.

  9. Thomas Mäurer sagt:

    Der entscheidende Unterschied zwischen Annette Lindemann und Mirco ist, dass Mirco ein Kind war/ist – und bei einem solchen Opfer betreibt die Polizei allen erdenklichen Aufwand – auch wenn die Bemühungen in einem noch so krassen Missverhältnis zum erwartbaren Erfolg stehen.

  10. Sarah123 sagt:

    Also ich finde es auch unfassbar das da nix gefunden wird,und jeder Vermutet das es der Vater sei.da er ja eine neue hat und sie auch von ihm schwanger ist.sagt keiner von den beiden aus,noch sie oder er!!!Die Kinder tun mir einfach nur leid,das beste wäre die im Heim zugeben.Ganz ehrlich,vielleicht bringt er die eigenen Kinder auch noch irgendwann um.Möglich ist alles,vorallem die Kinder fragen doch bestimmt wo die Mama sei,und er lügt die bestimmt an.Hoffe man erfährt bald was neues von der Presse/Polizei

  11. Egal sagt:

    Sarah123:Wie kommst du darauf die Kinder ins Heim zugeben????? Denk mal drüber nach ob sie vielleicht verwandte bzw. gute Freunde haben!?

  12. annette götz sagt:

    ich schaue immer nach. ob es was neues gibt. in bottrop gab es auch mal so ein fall. da hat auch ein mann nach ihr gesucht . und es war nachher herr dähne.

  13. annette götz sagt:

    ich meinte er hat auch seine frau umgebracht. und ihn haben sie gefasst.

3 Trackbacks

  1. Links anne Ruhr (20.09.2010) » Pottblog Says:

    [...] Annette Lindemann: Opfer zweiter Klasse? (Gelsenkirchen Blog) [...]

  2. Mysteriös: Warum ist Annette Lindemann kein Fall für XY ungelöst? // Gelsenkirchen Blog Says:

    [...] die vermisste Annette Lindemann aus Buer ein Opfer zweiter Klasse sein könnte, vermutete ich bereits vor ein paar Wochen. Es ist völlig unverständlich und [...]

  3. Leiche fehlt? // Gelsenkirchen Blog Says:

    [...] doch sicherlich die möglichen Ursachen dafür, dass die Suchanstrengungen nach Annette Lindemann doch recht unzulänglich anmuten, setzt man den Vermisstenfall in Relation zu den Suchanstrengungen nach Mirco aus [...]

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