Oh Crange, du mein Revier.

Sonntag ging sie wieder mit einem großen Abschlussfeuerwerk zuende: Die Cranger Kirmes schloß ihre Pforten für das Jahr 2012 und die Presse berichtet heute von einem deutlichen Besucherzuwachs im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren. DerWesten.de weiß von rund 4.4 Millionen Besuchern (woher wissen die das eigentlich?) und – daraus folgend – äußerst zufriedenen Schaustellern. Diese hatten in der Tat in diesem Jahr den Wettergott gepachtet. Während nur ein paar Wochen vorher das Pollerwiesen Festival und das Sommerfest auf Schloss Berge verschoben werden musste, gab es in der Kirmeszeit kaum Regen. Ein paar Wochen zuvor, wäre es wohl ein Desaster für die Schausteller geworden.

Wer die Kirmes zu später Stunde besucht hatte, der wird sich sicherlich über das etwas „spezielle“ Publikum amüsiert haben. Während Mitte der neunziger Jahre gefühlt jeder dritte männliche Besucher damals ein „(+) (-) Chiemsee“ T-Shirt zur mitgebrachten Flasche „Landfürst“ zur Schau stellte, waren es in den Jahren ab 2000 die Accessoires des sympathischen Multimillionärs Christan Audigier aka. „Ed Hardy“, die das Volksfest Nr.1 im Ruhrgebiet modisch prägten. Getragen wurde was Ebay hergab. Im Jahre 2012 hat sich diesbezüglich einiges geändert. Der modebewusste und mondäne Luxusproletarier in mittlerem Alter trägt „Camp David“ Poloshirt oder auch Longsleve. Und zwar in weiß, kirschrot oder dunkelblau. Dazu die haselnussbraune mitfünfziger Mutti mit figurbetonter Spitzenleggins und sportlicher Adidas-Jacke. Ein Traum. Nein, viele Träume. Die Frequenz dieser, der Ruhrgebietsfreund würde sagen „Originale“, hätten jeden Soziologen die Exeltabellen und SPSS-Datensätze vernichten lassen. Anschaulicher lässt sich nicht präsentieren, was das Ruhrgebiet ausmacht den echten Ruhri ausmacht. Wen es stört, der braucht ja nicht zur Kirmes kommen.

Ich bin so nicht, aber ich komme hier her.
Ich freue mich aufs nächste Jahr!

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4 Kommentare zu “Das St. Josef-Hospital in Horst soll 2017 geschlossen werden.”

  1. Franz Przechowski
    19. Dezember 2016 at 11:22 #

    Zutreffende Analyse. Alle Probleme hinsichtlich Weihnachtsmärkte in Gelsen und in Buer sind hausgemacht und durch nichts mehr zu entschuldigen. deine kennzeichnung „strukturelle Geschäftsunfähigkeit“ trifft den Kern. Aber darüber hinaus fehlt auch der Sinn für die konzeptionelle Gestaltung und emotionale sowie inhaltliche Aufladung von Events, die auf die Marke GE einzahlen sollen. Das ist nicht unbedingt eine Frage des Budgets, sondern der professionellen Fähigkeiten. Ich bin kürzlich erst wieder wegen meiner Bemerkung „SMG ist eine Laienspielschar“ gescholten worden. Angesichts der miesen Performance möchte ich bei meiner Beurteilung bleiben und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung gleich mit einbeziehen.

  2. Sabine
    19. Dezember 2016 at 20:14 #

    Dann geht doch endlich hin statt nur zu mosern

  3. Albert Ude
    21. Dezember 2016 at 17:12 #

    Die Analyse geht in Ordnung. Die Hinterfragung klammert die Mittäterschaft des örtlichen Einzelhandels leider völlig aus. Die Anlieger der Bahnhofstrasse haben kein Interesse an einem Weihnachtsmarkt, der als zentrale Veranstaltung auftritt. Die Mitwirkenden der SMG, des Umbaubüros und die für die blau-weiße Kugelplastik Verantwortlichen sind gutmeinende, aber hoffnungslos überforderte Amateure und Dilettanten, deren schlimmster Alptraum es ist, von professionellen Akteuren, ja auch bereits von schlichten Menschen, die sich einfach mal in anderen Städten umgeschaut haben, erzählt zu bekommen, wie ein Weihnachtsmarkt aussieht, ja, was überhaupt ein Weihnachtsmarkt ist. Die in Gelsenkirchen stattfindende Veranstaltung darf man auf einer Skala von 1 – 10 bei minus fünf verorten, eine gefühlte Tendenz zur Qualitätssteigerung ist illusionistische Schönrederei. Wollte man eine Verbesserung um fünf Punkte erzielen, so bedeutete das, den Nullpunkt anzustreben, die Veranstaltung also schlicht zu unterlassen. Stattdessen empfiehlt sich ein Busshuttle nach Dortmund, Essen oder Münster, oder in die kleinen niederländischen Orte oder an den Niederrhein.
    Das ist alles sehr schade, leider aber so zutreffend. In meiner Erinnerung ist die Reibeplätzchenhütte am Anfang der Bahnhofstrasse rechts der aus dem Betrachtungsraster heraustanzende kulinarische Höhepunkt der Meile. Die Reststrecke schaffe ich nicht: Kabel, Mülltonnen, Ramschstände, Trink- und Nahrungsmittelhütten. Und – mit Verlaub – Menschenmassen. Nur eins hat sich verbessert: Zu Zeiten von Lalakakis wurde noch WDR 4 über die Lautsprecher eingespielt. Das ging gar nicht.

  4. szodruch, maggie
    22. Dezember 2016 at 16:35 #

    Leider muss ich Albert Ude in allen Aussagen Recht geben !

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