Neuwald-Tasbachs Kritik am Projekt „Stolpersteine“ ist unverschämt.

Das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen erntet Kritik von oberster Stelle. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen äußert sich öffentlich kritisch gegenüber dem Projekt und führt es fast ad absurdum.

Das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen erntet Kritik von oberster Stelle. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen äußert sich öffentlich kritisch gegenüber dem Projekt und führt es fast ad absurdum.
(Foto: stolpersteine-gelsenkirchen.de)
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Ein Blick in die Geschichtsbücher macht unmissverständlich klar, dass das historische Deutschland eine nicht wieder gutzumachende Schuld auf sich geladen hat. Die Ermordung von Millionen von Juden durch die Nazis sind Gräueltaten, die bis in die Gegenwartsgesellschaft nachwirken. Es ist gewissermaßen zu einer bedeutsamen gesellschaftlichen Verantwortung geworden, stetig an die völlig sinnlos ermordeten Menschen – auch hier bei uns in Gelsenkirchen – zu erinnern und damit zu mahnen, dass so etwas aus unserer Mitte heraus niemals wieder passieren darf.

Denn, wie wir wissen, gibt es auch in Gelsenkirchen einige stolz-dumme Zeitgenossen, die diese historische Schuld gern leugnen. Nicht selten sind es genau diese Menschen, die auch heute noch Hakenkreuze an die Wände malen und rechte Parolen grölen.

Das Projekt Stolpersteine lässt mit seinen vergoldeten Wegmarken darüber „stolpern“, was an bestimmten Orten in Gelsenkirchen zur Nazizeit passierte und arbeitet damit nun eben genau gegen das Vergessen und das oben beschriebene Gedankengut. Die Initiatoren und Künster unternehmen dieses Projekt dabei nicht nur ehrenamtlich, sondern stehen auch mit ihrem Namen und Gesicht in der Öffentlichkeit. Sie sind damit für Nazis greifbar und angreifbar. Heike Jordan vom Mitorganisator Gelsenzentrum musste bereits mehrmals Schmierereien und Drohungen auf ihrer Hauswand ertragen.

Im Zuge der Ankündigung weiterer „Stolperstein“-Verlegungen äußerte sich die Vorsitzende der Gelsenkirchener Jüdischen Gemeinde Judith Neuwald-Tasbach, die ich für ihre Arbeit ansonsten sehr schätze, äußerst ungewöhnlich. In der WAZ gab sie zu Protokoll, dass sie das Projekt „Stolpersteine“ offenkundig wenig schätzt.

Wörtlich:

„Es gibt bessere Formen der Erinnerung“ […] Gedenken sei immer wichtig, „aber die Stolpersteine-Aktion finde ich schwierig“. Das Problem aus ihrer Sicht: Die Steine sind im Boden eingelassen, Menschen laufen darüber und „treten auf die Namen der Ermordeten“. Außerdem sei auf einem einzelnen Stein, der zusätzlich im Laufe der Zeit dreckig werde, nicht genügend Platz für ausreichend Informationen über den Menschen (vgl. WAZ).

Aus meiner persönlichen Sicht ist eine solche Äußerung gegenüber den Initiatoren – auch vor den oben aufgezeigten Opportunitätskosten der Organisatoren – unangebracht. Neuwald-Tasbach interpretiert das Projekt exakt entgegen der eigentlichen Bestimmung und führt es schon fast ad absurdum. Neuwald- Tasbach sollte inzwischen bemerkt haben, dass in Gelsenkirchen im Allgemeinen das öffentliche Gedenken der Gelsenkirchener Juden zur Nazizeit keinesfalls mit „Füßen getreten“ wird. Selbstredend, dass es auch nicht die Absicht der Initiatoren ist.

Vielleicht sollte sich Judith Neuwald-Tasbach öffentlich entschuldigen oder sich erklären. Die Kritik ist so schlicht unverschämt und dem Projekt unwürdig. Falls ihr übrigens die Gendenkfläche zu klein ist, darf sie gern aus der Gemeindekasse Geld spenden. Gunter Demnig vergoldet sicherlich auch einen Bordstein, da wäre dann mehr Platz für Informationen über den Menschen, vor dem sich die Menschen dann verbeugen, um mehr über sie zu erfahren.

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5 Kommentare zu “Neuwald-Tasbachs Kritik am Projekt „Stolpersteine“ ist unverschämt.”

  1. Jürgen Wenke
    7. Oktober 2016 at 06:45 #

    Wer für sich in Anspruch nimmt, sich insgesamt zu den Stolpersteinen zu äußern, vergißt, dass er dann nicht nur für sich reklamiert, für jüdische Opfer in Gesamtheit zu sprechen (was an sich schon genügend anmaßend ist), sondern unterschlägt auch, dass der Künstler auch die Verfolgung von Homosexuellen, Bibelforschern, sogenannten Berufsverbrechern, sogenannten Asozialen, lesbische Frauen, Kommunisten, Sozialdemokraten etc. im Blick hat.
    Schade, dass auch das Gedenken für diese Opfergruppen damit an den Rand gedrängt wird.
    Im übrigen gibt es ja auch: homosexuellen Juden, jüdische Sozialdemokraten, jüdische lesbische Frauen, kommunistische Juden.
    Wer also die Kategorisierungen der Nazis übernehmen zu müssen und andere Denkweisen nicht zuläßt, ist schon reingefallen und setzt die Diskriminierung fort.

  2. Dennis
    9. Oktober 2016 at 12:35 #

    Mit Verlaub, Herr Wenke, wenn Sie mir hier durch die Blume eine Form von Diskriminierung unterstellen wollen, dann haben Sie den Text entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Kernpunkt meiner Kritik war die Kritik am Engagement zum Gedenken allgemein. Dass diese Fundermentalkritik durch die jüdische Gemeinde nicht gegeben ist, hat mir die Vorsitzende der Gelsenkirchener Gemeinde am Donnerstag bei der Stolperstein Verlegung persönlich erläutert.

    Siehe: http://www.gelsenclan.de/index.php/stolpersteinverlegung-vor-dem-grillo-gymnasium/

    Ich habe mich im oben vorliegenden Text darüber geärgert, dass man öffentlich angegangen werden kann, wenn man den Opfern der Nazis gedenkt und dies nicht auf eine ganz bestimmte Weise geschieht. Gedenken sollte doch frei sein. Wie so vieles in diesem Land. Inzwischen teile ich die Kritik der jüdischen Gemeinde. Das Stolperstein Projekt stellt nicht die Ultima Ratio da. Aber es ist eine Form des Gedenkens und das sollte man respektieren.

    Ihre Anwürfe gegenüber dem Künstler sind mir bisher unbekannt. Möglicherweise können Sie sie hier mit dem ein oder anderen Link ja belegen. Ich habe für diesen Artikel viel (konstruktive) Kritik erhalten. NIEMAND aber hat mir unterstellt, Kategorisierungen von Nazis zu übernehmen und Diskriminierung fortzusetzen. Das ist auch, das mag ich Ihnen versichern absolut abwegig.

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