Neujahrsempfang 2015: Demokratie und Denkmalschutz

Die Stadt Gelsenkirchen lud am gestrigen Freitag Abend zum alljährlichen Neujahrsempfang ins Musiktheater. Der Abend sollte den gut gelaunten Gästen im wahrsten Sinne des Wortes ein volles Programm bieten.

Die Stadt Gelsenkirchen lud am gestrigen Freitag Abend zum alljährlichen Neujahrsempfang ins Musiktheater. Der Abend sollte den gut gelaunten Gästen im wahrsten Sinne des Wortes ein volles Programm bieten.

Für den Neujahrsempfang gab es in diesem Jahr über 800 Anmeldungen, wie mir ein Mitarbeiter vor Ort gestern nicht unbeeindruckt mitteilte. So viele wie selten zuvor.

Entsprechend voll war es im Foyer des Theaters. Bereits im Eingangsbereich herrschte stattliches Gedränge und Geschiebe, wohl aber, wie es sich für einen Neujahrsempfang gebührt, in sehr gesitteter Art und Weise.

Für mich ist es ein jedes Jahr immer ein Gefühl des “Heimkommens”, auch wenn ich die Stadtgrenzen realistisch betrachtet nur selten überschreite. Ich mag einfach die typisch Gelsenkirchener Stimmung und auch die war gestern wieder zu spüren.

Inhaltlich ein hochkarätiger Volltreffer

 

Die inhaltliche Gestaltung des Abends stand ganz im Zeichen der Stadtentwicklung. Zu diesem Abend lud die Stadt Prof. Dr. Christoph Zöpel, der zumindest der planenden Zunft ein Begriff gewesen sein dürfte.

Eingeleitet wurde der Abend durch eine Rede von Frank Baranowski, die so ziemlich alle Aspekte zusammenfasste, die mir an dieser Stadt so wichtig sind und die die Einzigartigkeit Gelsenkirchens herausarbeiteten. Baranowski lobte den Zusammenhalt der Menschen in den Quartieren, das herausragende bürgerschaftliche Engagement und die vielen Initiativen und stadteigenen Bemühungen für Inklusion, Integration, Bildung und Stadtentwicklung. Dabei machte er unter Verweis auf die Vorfälle in Paris und auch Dresden deutlich klar, dass Integration auch misslingen kann. Ein solches Versagen sei immer auch ein Stück des Versagens in den Quartieren und Städten.

Das war nicht nur eine politische Botschaft, sondern eine stadtsoziologische Evidenz. Ebenfalls richtig war der geäußerte Eindruck Baranowskis, dass es ihm in Gelsenkirchen um eben diese soziale Dimension in den Quartieren der Stadt nicht bange ist. In Gelsenkirchen gelingt das. Aber, auch das brachte der OB auf den Punkt, es sei keine Selbstverständlichkeit, es sei immer auch Arbeit.

Wissen zur “Agglomeration Ruhr”

Ebenfalls um Evidenzen kümmerte sich Christoph Zöpel, der in einem akademischen Vortrag fachlich sehr dezidiert auf die die Stadt- und Regionalentwickung der “Agglomeration Ruhr” einzugehen wusste. Der Vortrag war inhaltlich wirklich umfassend und setzte an den richtigen Stellen, die richtigen Akzente. Besonders die Herleitung Zöpels, was Denkmalpflege und Demokratie gemeinsam haben, gefiel mir ausgesprochen gut. Er konnte deutlich machen, dass ein Gebäude wie das Hans Sachs Haus, durch seine Historizität zur Identität der Stadt gehöre und ein Abriss unverzeihlich gewesen wäre. Es gehöre zur Demokratie, seine Denkmäler zu schützen, um die Identität nicht zu verlieren. Diese These untermauerte Zöpel großartig mit Verweis auf die Kriegsgebiete dieser Welt, in denen “Nichtdemokraten” ganze Landmarken einfach von den Landkarten verbannen. Einigen im Raum erschien der Vortrag zu lang, was zum Ende hin für etwas Unruhe sorgte. Letztlich wurde daran aber nur deutlich, dass Stadt- und Regionalentwicklung ein komplexes Unterfangen ist und eben kein triviales. Jeder, der im Theater Interesse an dieser Thematik hatte, wird den Vortrag vom ersten Moment an genossen haben.

Musikalisches Rahmenprogramm des Musiktheaters

Für die musikalische Unterhaltung sorgten Arien aus der “Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart vorgetragen vom Ensemble des Musiktheaters. Für etwas Auflockerung, nach der “schweren” akademisch-kulturellen Kost sorgte zum Schluss des Abends der Kabarettist Wilfried Schmickler mit einem Ausschnitt aus seinem aktuellen Programm: “Ich weiß es doch auch nicht”.

Stölting Service Group als großzügiger Hauptsponsor des Abends

Ganz neu in diesem Jahr war die Sponsorenpräsentation der Stölting Service Group, die in diesem Jahr den Neujahrsempfang überhaupt erst möglich machte. Das Theater war vom äußeren und inneren Eingangsbereich bis hin zum Treppenaufgang gespickt mit schönen Frauen im dezenten Stölting Corporate Outfit, Roll-UP Aufstellern und POS-Präsentationen. Auch das Radrennsport Team der Stölting Gruppe präsentierte sich im Foyer sehr prominent. Insgesamt kam das bei den Besuchern und auch bei mir gut an. Ganz besonders das Radsportteam wurde von einigen mit großem Interesse zur Kenntnis genommen. Viele Besucher schienen gar nicht zu wissen, dass Stölting auch im Radsport engagiert ist. Stölting präsentierte sich an diesem Abend kommunikativ sehr engagiert und konnte die volle Aufmerksamkeit der geladenen Gäste auf sich ziehen. Das ganz natürliche Interesse der Besucher, vor allem am Radsport Team und seinen Athleten, hätte aus meiner Sicht ausgereicht, um markenrelevante Akzente als Sponsor zu setzen. Die Damen im Treppenaufgang und Eingangsbereich, zusätzlich zu den ausgestellten und hell angestrahlten Fahrzeugen, wirkten aus meiner Sicht dann werblich doch etwas dominant, was in nicht werbeaffinen Zielgruppen, die sehr gelungene Markenpräsentation, schnell ins Gegenteil hätte verkehren können.

Alles in allem aber muss man der Stadt, wie auch dem Sponsor dankbar sein: Es war – wie immer – ein sehr gelungener und informativer Abend dort, wo man sich nicht erklären muss: Zuhause in Gelsenkirchen.  Danke dafür.

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2 Kommentare zu “Neujahrsempfang 2015: Demokratie und Denkmalschutz”

  1. Franz Przechowski
    17. Januar 2015 at 16:39 #

    Lieber Dennis,
    schöner Text, der mich etwas betrüblich macht, weil es mir gestern nicht möglich war den Empfang zu besuchen. Aber du beschreibst auch mein Lebensgefühl im Bezug auf Heimat.
    Ansonsten wurde mir aus gut informierten Kreisen berichtet, dass du einmal mehr als unermüdliche Buffet-Fräse auffällig geworden bist. Hast du dir wenigsten den Mund abgewischt?
    Liebe Grüße

  2. Dennis
    17. Januar 2015 at 17:09 #

    Hehe, hallo Franz. Ja, ich bin mir sicher, die Reden hätten dir gefallen. Dass mit der Buffet-Fräse muss dir aus einer bereits betrunkenen Quelle zugetragen worden sein.

    Nachdem ich zwischen Schalker Fußballern nebst Peter Peters und dem Radrennathleten der Stölting Gruppe über deren Trainingseinheiten sprach, fiel es mir nicht leicht, nicht wie ein untrainierter Fettsack zu wirken, nachdem ich mich bereits deutlich so fühlte.

    Selbstredend, dass ich mich – wenn überhaupt – am Salat und der Fischplatte – wohlgemerkt bescheiden – bediente. 🙂

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