Michael Jackson. Sein Nachruf wird zur “Breaking News” und in der Eile verkennt die Welt sein kulturelles Erbe. Denn in vielen Nachrufen spiegelt sich stets eine Wertung erster Ordnung. Jackson als Musikgenie, Jackson als Geschäftsmann, Jackson als mutmaßlicher Kinderschänder. In einer Wertung zweiter Ordnung sehen wir jedoch etwas Anderes.
Vor dem Hintergrund einer von Leistung und Kapital dominierten Gesellschaft sehen wir einen von dieser Wertordnung gezeichneten Künstler, der in seiner Kunst gleichzeitig Schmerz und Leidenschaft integrieren muss. Schmerzhaft ist diese Kunst, weil er sie sich in freiheitsberaubender Art und Weise, unter Druck von seinem Vater anzueignen hatte. Doch sie kann nicht zur Fessel werden, weil sie gleichzeitig zu einem Sprachrohr geworden ist. Zu einem gottgleichen Sprachrohr. 95% der Weltbevölkerung kennt angeblich seinen Namen. Damit ist Jackson nicht mehr weit von Jesus Christus entfernt. Der Antagonismus von Schmerz und Leidenschaft hatte dabei Strahlkraft auf die Persönlichkeitsstruktur Jacksons. Oszillierend von bedingungsloser Verehrung bis hin zu abscheulichster Verachtung induzierte er stets ebenfalls antagonistische Reaktionen vor einer Weltgesellschaft, die gemeinhin als polarisierend beschrieben werden. Jackson externalisierte seine innere Zerrissenheit, um Aufmerksamkeit zu erregen. Seine Musik ist gespickt von Mitteilungen, Symbolen und Hilfeschreien. Jackson ist zeitlebens beseelt von der Persönlichkeit eines Amokläufers. Nur seine unfassbare Fähigkeit zur Kommunikation hilft ihm dabei, Aggression als weniger erstrebenswert als Kreativität und Kommunikation erscheinen zu lassen. Jackson reiht zeitlebens Kommunikation an Kommunikation und wird dabei niemals plakativ oder offensiv. Jacksons Botschaften sind nie explizit, sondern verbleiben stets immanent expressiv.
Er präsentiert sich nicht leidend-depressiv, sondern als der erfolgreichste Künstler, den die Welt je gesehen hat. Jackson verstellte sich nie. Er blieb stets die Person, die er war. Zuletzt, äußerlich distanziert von seinem Schmerz, aber immer noch der leidenschaftliche Jackson. Genau das war der Grund, warum niemand wusste, wer er wirklich war. In den letzten Jahren galt Jackson, aus einer Perspektive erster Ordnung, als ein psychopathologisches Opfer, gescheitert an der Gesellschaft und vor allem an sich selbst. Nun, nach seinem frühen Tod, honoriert das gehobene Feuilliton seinen Erfolg als das Leben in Superlativen und kratzt dabei nur an der Peripherie, an den Nebenfolgen seiner künstlerischen Expression. Michael Jackson ist Symbol und Sprachrohr einer defizitären Gesellschaft. Schließlich kann eine Gesellschaft, die nach dem Ableben zu honorieren beginnt, was sie zu Lebzeiten als Opfer stilisierte nicht vollkommen sein. Ein Defizit ist gewiss nicht die Erkenntnis von Jackson allein, aber dieser Umstand ist elementarer Bestandteil seiner Ubiquität. Und auch hier ist er nah an Jesus Christus. Superlative sind dabei nicht wichtig. Jackson hat ihn qualvoll beschritten, den Weg aus der Leistungsgesellschaft. Nur überwunden hat er sie nicht.


June 29th, 2009 at 11:08
Denn Zusammenhang von Michael Jackson und Jesus Christus hab ich nich verstanden. Auch nicht mit Wörterbuch ^^
June 30th, 2009 at 06:20
Antagonismus, Oszillierend, induzierte, antagonistische, externalisierte, immanent expressiv, psychopathologisches, Peripherie, Ubiquität
Hallo Z., was muss ich studieren damit ich den Text kapiere, Wikipedia hilf da nicht weiter;;)))