Licht und Schatten

Nun ist der Fehlstart in die Bundesliga Saison 2010 / 2011 also perfekt. Mit 0:2 verlor der FC Schalke 04 auch das dritte Spiel in Hoffenheim und prompt sind alle Medien da und hacken fröhlich auf den Schalkern herum.

Auch in Hoffenheim wurde wieder deutlich, dass die Abwehr alles andere als sicher ist, und im Spiel nach vorne unterliefen den Schalkern teils haarsträubende Fehlpässe. Natürlich wird das alles jetzt aufgegriffen, um Magaths Strategie in Frage zu stellen und darauf herum zu reiten, dass man ja schließlich fast 30 Millionen Euro investiert habe und dabei immer noch nichts herum gekommen sei.

Was allerdings alle scheinbar gerne übersehen, ist, dass Schalke sich mit Wolfsburg und Stuttgart in durchaus illustrer Gesellschaft am Tabellenende befindet. Auch die Bayern haben erst 4 Punkte auf ihrem Konto und dabei schon gegen einen Aufsteiger verloren. Was weiterhin gerne übersehen wird, ist, dass Stuttgart, Schalke und Wolfsburg alle noch Last-Minute-Transfers getätigt haben und somit einfach noch nicht eingespielt sind, während die Bayern einen nahezu unveränderten Kader haben, der im letzten Jahr Meister wurde und bereits im Vorfeld der Saison mit Lob überschüttet wurde.

Man muss natürlich so ehrlich sein zu sehen, dass bei Schalke einiges schief gelaufen ist in Hoffenheim. Das fing für mich diesmal schon bei der Startaufstellung an, bei der ich die Gedankengänge von Felix Magath nicht ganz nachvollziehen konnte. Farfan kam zwar erst Donnerstag von der Länderspielreise zurück und vielleicht wollte Magath ihn einfach für die Champions League am Dienstag schonen, aber Farfan wäre selbst mit einem Holzbein noch besser auf der rechten Mittelfeldseite gewesen als der leider völlig überforderte Christoph Moritz. Dann noch Christoph Metzelder als Rechtsverteidiger aufzubieten, öffnete Hoffenheim letztlich Tür und Tor auf dieser Seite. Ich denke, eine Variante mit Sarpei rechts und zum Beispiel Lukas Schmitz links hätte wahrscheinlich besser funktioniert.

Auch am Aufbauspiel muss dringend noch gearbeitet werden, genauso wie am Abwehrverhalten. In Hoffenheim passierten wieder einige haarsträubende Fehler, die nur dank Manuel Neuer nicht zu Toren führten. Wenn man mal ganz ehrlich ist, hätte es schon 3:0 stehen müssen, als Hoffenheim in Führung ging.

Allerdings darf man es bei dieser Sicht der Dinge nicht belassen. Denn trotz der vielen Schattenseiten sollte man nicht die positiven Aspekte übersehen und davon gab es meiner Meinung nach einige.

Alleine das Auftreten von Huntelaar nach nicht einmal drei Tagen auf Schalke war schon irgendwie beeindruckend. Er war quasi immer da, wenn es gefährlich wurde und hatte zwei große Chancen, von denen die zweite nur deshalb nicht zum Tor führte, weil der Hoffenheimer Keeper einen sensationellen Reflex aus der Trickkiste holte und so den Ball noch an die Latte lenken konnte.

Alleine durch diese Präsenz von Huntelaar kam auch Raul deutlich mehr zur Geltung, zwar noch nicht entscheidend, aber immerhin doch deutlich mehr, als in den ersten beiden Spielen. Besonders auffällig war, dass Huntelaar und Raul bereits gut aufeinander eingestellt sind. Man merkt deutlich, dass sie bereits bei Real Madrid zusammen gespielt haben.

Jermaine Jones fiel ebenso positiv auf. Er ackerte im defensiven Mittelfeld unermüdlich, spielte mehrfach gefährlich Pässe in die Spitze und war meiner Meinung nach einer der besten Schalker auf dem Platz.

Was mir persönlich allerdings besonders gefallen hat, war der Kurzauftritt von Jurado. Ich bin etwas enttäuscht, dass Magath ihn erst 10 Minuten vor dem Ende einwechselte. In Ansätzen zeigte Jurado bereits, dass er ein hervorragender Techniker ist, und auch einige Ballstaffetten mit Raul und Huntelaar funktionierten bereits halbwegs.

Man kann also sagen was man will: Der Saisonstart ist zwar gründlich in die Hose gegangen, aber die Ansätze einer Besserung sind bereits zu erkennen. Ich lehne mich jetzt einfach mal weit aus dem Fenster und sage, dass wir schon in dieser Woche das erste Erfolgserlebnis haben werden. Huntelaar braucht im Schnitt ca. 140 Einsatzminuten bis zu einem Torerfolg. So gesehen müsste er also am Dienstag eigentlich treffen. Und Schalke hat immerhin noch die Möglichkeit sich einzuspielen und besser zu werden. Die Bayern nicht!

Ich würde also sagen: Ärgern ist in Ordnung, aber Schwarzmalen nicht. Sicher müssen sich die Erfolge bald einstellen, aber ich bin ziemlich zuversichtlich, dass genau das auch passieren wird.

Fotos unter CC-Lizenz:

Hintergrund (twicepix)

Meisterschale (Wikipedia)

Schalke Logo (Christian Greller)

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