Leistungs-schutzrecht

03 December 2012 von Dennis

Seitdem Google mit seiner Kampagne “Verteidige dein Netz” auf die mit dem Leistungsschutzrecht verbundenen Einschränkungen hingewiesen hat, finden die meisten Verlage Google plötzlich unglaublich böse. Dabei verlieren sich die Berufsjournalisten in Äußerungen, Hasstriaden und Allgemeinplätzen, die – wenn sie tatsächlich so gemeint sind, wie sie geschrieben wurden – deutlich machen, warum Verlage im Internet kein Geld verdienen: Sie haben das Netz in seiner Grundfunktion nicht verstanden. Google soll endlich aufhören, mit den Inhalten, die die Verlage produzieren, Geld zu verdienen.

Ein Kommentar der WAZ befindet: “Das Internet kann kein rechtsfreier Raum sein, in dem gleichsam das Gesetz des Stärkeren gilt”.

Das Internet ist seit langem kein rechtsfreier Raum mehr, wahrscheinlich kaum ein anderes Medium zuvor hat für soviele juristische Auseinandersetzungen gesorgt wie das Internet. Domainrecht, Urheberstreitigkeiten oder Markenrecht, nirgendwo sonst werden mehr Abmahnugen und Klagen produziert, als im Internet. Diesen Allgemeinplatz  überhaupt zu bedienen zeugt nicht von Qualitätsjournalismus, sondern von Frust über die Unzulänglichkeit des eigenen Angebotes. Dabei scheint es dem Berufsjournalisten Walter Bau nicht einmal peinlich zu sein, dass rechts neben seinem Foto, eine fasst doppelt so große Google-Adsense Intext Anzeige prankt. Sein Verlag, die WAZ Mediengruppe, dessen Portal von Werbung geradezu überfrachtet ist, erhält durch Google also nicht nur Leser, sondern gleichzeitig auch Werbeeinnahmen.

Google derart herunter zu schreiben ist nicht nur inhaltlich nicht nachvollziehbar, es entbehrt auch jeder Logik. Wer als Verleger bei Google nicht erscheinen möchte, der kann sich durch einen einfachen Eintrag in der Robots.txt, einer keinen Datei, mit dessen Hilfe die Spider von Suchmaschinen gesteuert werden, selbständig aus dem Index nehmen. Aber das wäre der Tod fast jeder Internetpublikation. Im Kern wollen die Verleger also gefunden werden, sie möchten über Google Adsense Einnahmen generieren und sie wollen für die von Google erbrachte Dienstleistung auch noch entlohnt werden. Das ist absurd, aber die Presselandschaft findet diesen Vorstoß durchaus tragbar.

Die gleichartige Einseitigkeit der Presselandschaft ist beängstigend.

Wie einseitig die WAZ in einer ihrer Ausgaben Stimmung gegen Google und das LSR macht, hat Jens vom Pottblog, eingängig deutlich gemacht. Aber nicht nur die WAZ Gruppe, sondern fast die Gesamtheit der bedeutenden Zeitungshäuser verliert sich derzeit in Progaganda statt im Journalismus. Das ist durchaus beängstigend, insofern man davon ausgehen will, dass die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse eine fundermentale Säule demokratischer Gesellschaft ist. Um es mit Stefan Niggemeier zu sagen: Die deutschen Zeitungshäuser versagen gerade beispiellos im Test um die eigene Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit.

“Sie demonstrieren jedem, der es sehen will, dass sie uns im Zweifel nicht zuverlässiger informieren, als es irgendein dahergelaufener amerikanischer Konsumhersteller täte.”

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  1. Links anne Ruhr (04.12.2012) » Pottblog Says:

    [...] Leistungsschutzrecht (Gelsenkirchen Blog) – Die Debatte zum Leistungsschutzrecht wird noch einmal zusammengefasst. [...]

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