Leistungs-schutzrecht

Seitdem Google mit seiner Kampagne „Verteidige dein Netz“ auf die mit dem Leistungsschutzrecht verbundenen Einschränkungen hingewiesen hat, finden die meisten Verlage Google plötzlich unglaublich böse. Dabei verlieren sich die Berufsjournalisten in Äußerungen, Hasstriaden und Allgemeinplätzen, die – wenn sie tatsächlich so gemeint sind, wie sie geschrieben wurden – deutlich machen, warum Verlage im Internet kein Geld verdienen: Sie haben das Netz in seiner Grundfunktion nicht verstanden. Google soll endlich aufhören, mit den Inhalten, die die Verlage produzieren, Geld zu verdienen.

Ein Kommentar der WAZ befindet: „Das Internet kann kein rechtsfreier Raum sein, in dem gleichsam das Gesetz des Stärkeren gilt“.

Das Internet ist seit langem kein rechtsfreier Raum mehr, wahrscheinlich kaum ein anderes Medium zuvor hat für soviele juristische Auseinandersetzungen gesorgt wie das Internet. Domainrecht, Urheberstreitigkeiten oder Markenrecht, nirgendwo sonst werden mehr Abmahnugen und Klagen produziert, als im Internet. Diesen Allgemeinplatz  überhaupt zu bedienen zeugt nicht von Qualitätsjournalismus, sondern von Frust über die Unzulänglichkeit des eigenen Angebotes. Dabei scheint es dem Berufsjournalisten Walter Bau nicht einmal peinlich zu sein, dass rechts neben seinem Foto, eine fasst doppelt so große Google-Adsense Intext Anzeige prankt. Sein Verlag, die WAZ Mediengruppe, dessen Portal von Werbung geradezu überfrachtet ist, erhält durch Google also nicht nur Leser, sondern gleichzeitig auch Werbeeinnahmen.

Google derart herunter zu schreiben ist nicht nur inhaltlich nicht nachvollziehbar, es entbehrt auch jeder Logik. Wer als Verleger bei Google nicht erscheinen möchte, der kann sich durch einen einfachen Eintrag in der Robots.txt, einer keinen Datei, mit dessen Hilfe die Spider von Suchmaschinen gesteuert werden, selbständig aus dem Index nehmen. Aber das wäre der Tod fast jeder Internetpublikation. Im Kern wollen die Verleger also gefunden werden, sie möchten über Google Adsense Einnahmen generieren und sie wollen für die von Google erbrachte Dienstleistung auch noch entlohnt werden. Das ist absurd, aber die Presselandschaft findet diesen Vorstoß durchaus tragbar.

Die gleichartige Einseitigkeit der Presselandschaft ist beängstigend.

Wie einseitig die WAZ in einer ihrer Ausgaben Stimmung gegen Google und das LSR macht, hat Jens vom Pottblog, eingängig deutlich gemacht. Aber nicht nur die WAZ Gruppe, sondern fast die Gesamtheit der bedeutenden Zeitungshäuser verliert sich derzeit in Progaganda statt im Journalismus. Das ist durchaus beängstigend, insofern man davon ausgehen will, dass die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse eine fundermentale Säule demokratischer Gesellschaft ist. Um es mit Stefan Niggemeier zu sagen: Die deutschen Zeitungshäuser versagen gerade beispiellos im Test um die eigene Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit.

„Sie demonstrieren jedem, der es sehen will, dass sie uns im Zweifel nicht zuverlässiger informieren, als es irgendein dahergelaufener amerikanischer Konsumhersteller täte.“

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4 Kommentare zu “Das St. Josef-Hospital in Horst soll 2017 geschlossen werden.”

  1. Franz Przechowski
    19. Dezember 2016 at 11:22 #

    Zutreffende Analyse. Alle Probleme hinsichtlich Weihnachtsmärkte in Gelsen und in Buer sind hausgemacht und durch nichts mehr zu entschuldigen. deine kennzeichnung „strukturelle Geschäftsunfähigkeit“ trifft den Kern. Aber darüber hinaus fehlt auch der Sinn für die konzeptionelle Gestaltung und emotionale sowie inhaltliche Aufladung von Events, die auf die Marke GE einzahlen sollen. Das ist nicht unbedingt eine Frage des Budgets, sondern der professionellen Fähigkeiten. Ich bin kürzlich erst wieder wegen meiner Bemerkung „SMG ist eine Laienspielschar“ gescholten worden. Angesichts der miesen Performance möchte ich bei meiner Beurteilung bleiben und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung gleich mit einbeziehen.

  2. Sabine
    19. Dezember 2016 at 20:14 #

    Dann geht doch endlich hin statt nur zu mosern

  3. Albert Ude
    21. Dezember 2016 at 17:12 #

    Die Analyse geht in Ordnung. Die Hinterfragung klammert die Mittäterschaft des örtlichen Einzelhandels leider völlig aus. Die Anlieger der Bahnhofstrasse haben kein Interesse an einem Weihnachtsmarkt, der als zentrale Veranstaltung auftritt. Die Mitwirkenden der SMG, des Umbaubüros und die für die blau-weiße Kugelplastik Verantwortlichen sind gutmeinende, aber hoffnungslos überforderte Amateure und Dilettanten, deren schlimmster Alptraum es ist, von professionellen Akteuren, ja auch bereits von schlichten Menschen, die sich einfach mal in anderen Städten umgeschaut haben, erzählt zu bekommen, wie ein Weihnachtsmarkt aussieht, ja, was überhaupt ein Weihnachtsmarkt ist. Die in Gelsenkirchen stattfindende Veranstaltung darf man auf einer Skala von 1 – 10 bei minus fünf verorten, eine gefühlte Tendenz zur Qualitätssteigerung ist illusionistische Schönrederei. Wollte man eine Verbesserung um fünf Punkte erzielen, so bedeutete das, den Nullpunkt anzustreben, die Veranstaltung also schlicht zu unterlassen. Stattdessen empfiehlt sich ein Busshuttle nach Dortmund, Essen oder Münster, oder in die kleinen niederländischen Orte oder an den Niederrhein.
    Das ist alles sehr schade, leider aber so zutreffend. In meiner Erinnerung ist die Reibeplätzchenhütte am Anfang der Bahnhofstrasse rechts der aus dem Betrachtungsraster heraustanzende kulinarische Höhepunkt der Meile. Die Reststrecke schaffe ich nicht: Kabel, Mülltonnen, Ramschstände, Trink- und Nahrungsmittelhütten. Und – mit Verlaub – Menschenmassen. Nur eins hat sich verbessert: Zu Zeiten von Lalakakis wurde noch WDR 4 über die Lautsprecher eingespielt. Das ging gar nicht.

  4. szodruch, maggie
    22. Dezember 2016 at 16:35 #

    Leider muss ich Albert Ude in allen Aussagen Recht geben !

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