Wem diese Abfolge bekannt vorkommt, der ist möglicherweise Journalist. Information, Analyse und Bewusstseinsbildung skizziert idealtypisch einen Prozess, der durch qualitativ hochwertigen Journalismus ausgelöst werden sollte. Das lernt man i.d.R. auf der Journalistenschule. Gerade für die Lokaljournalisten sollte dies Verpflichtung sein. Angesichts der gestrigen Demos, hätte in der heutigen Berichterstattung der WAZ doch zumindest eine Dimension erfüllt werden dürfen.
Entlang der Dimension Information hätte die Polizeipressemitteilung um den Umstand ergänzt werden müssen, dass eine nicht unerheblich kleine Menge an Demonstranten den Tod des Volkes Israel und den der Juden eingefordert hat. Selbstverständlich nicht alle, aber ein größerer Teil. Das Weglassen dieser Information ist, wie auch die Pressemitteilung der Polizei – meinem Empfinden nach – eine Wirklichkeitsverzerrung.
Entlang der Dimension Analyse hätten die Hintergründe für die Demonstration über die Ursache (Demo gegen den Krieg) hinaus transparent gemacht werden müssen. Es hätte angesprochen werden müssen, welche Motive Parteien wie AUF und DIE LINKE haben könnten, sich sogar moderierend auf dieser Demo aufzuspielen. Dabei hätte geschlussfolgert werden können, dass möglicherweise Gründe, die über die Abneigung zum Krieg und die Philantrophie hinaus, etwa eine politische Motivation ebenfalls eine Rolle gespielt haben könnten. Oder ist es für die Gelsenkirchener Redaktion so natürlich, dass eine derartige Demo durch vornehmlich LINKE moderiert wird? Falls ja, hätte doch transparent gemacht werden können, warum. Wer ist denn die Parteilose Wählergruppe Gelsenkirchen? Was macht sie? Wofür setzt sie sich ein ? Gegen den Krieg in Gaza sind alle demokratischen Parteien im Rat der Stadt, dafür brauchen wir nicht Die LINKE, AUF und PWG. Eine Analyse findet nicht statt. Selbst die bloße Deskription ist unvollständig. Eine (valide) Bewusstseinsbildung beim Leser ohne Vorinformation ist daher nahezu ausgeschlossen. Legt man Information, Analyse und Bewusstseinsbildung als Qualitätskriterium zu Grunde, ist der Bericht – zumindest für mich – kein Journalismus sondern verschriftlichtes Desinteresse.


January 12th, 2009 at 16:18
Nur ein Beispiel von vielen. Es ist nichts neues, dass u.a. die WAZ regelrecht verzerrt.