Häusser-Bau aus Bochum kauft historische Siedlung Flötz Dickebank.
Trotz Mieterinitiativen, intensiver Lokalberichterstattung und einem Engagement der Stadt. Die Mieterinnen und Mieter von Flötz Dickebank fürchten nun um ihr Zuhause. Ob begründet oder nicht wird sich zeigen. Fakt ist: Illegal ist der Ankauf einer ganzen Siedlung durch das Bochumer Unternehmen Häusser-Bau selbstverständlich nicht. Aber nicht alles, was nicht verboten ist, ist auch gut. Wie die Immobilienzeitung berichtet, verspricht Häusser-Bau den jetzigen Mietern ein lebenslanges Wohnrecht, jedenfalls dann, wenn die Mieter über 65 Jahre alt sind. Ferner, lässt sich der Geschäftsführer von Häusser-Bau zitieren, habe man sich verpflichtet, Härtefallregelungen zu prüfen. In Einzelfällen könne so ebenfalls ein lebenslanges Wohnrecht ausgeübt werden.
Möglicher Verlust einer historisch gewachsenen Wohnsiedlung mit Bedeutung für die Gelsenkirchener Geschichte.
Die Argumente der Mieter in der Wohnsiedlung sind nachvollziehbar. Häusser-Bau sei, so die Akteure der Initiative, eine für Immobilien Spekulationen bekannte Firma. Konkret fürchten die Anwohner, dass die nun erworbenen Immobilien, nachdem die alten Mieter ausziehen mussten – etwa, wenn sie sich den Kauf des eigenen Zuhauses nicht leisten können- meistbietend weiterveräußert werden. Die Initiative argumentiert, dass so eine natürlich entstandene Nachbarschaft zerstört würde.
Privatisierung kann für die Siedlung auch positiv enden.
Betrachtet man die Situation um Flötz Dickebank einmal von der anderen Seite, d.h. nüchtern sachlich, so können die wahrscheinlich nun anstehenden Privatisierungsbemühungen zumindest aus der Perspektive des Städtebaus bzw. der Stadtgeschichte auch positiv ins Gewicht fallen. Denn: Es ist unbestritten, dass die Siedlung in einem maroden, an einigen Stellen gar baufälligen Zustand ist. Dieser Umstand schien dem Vorbesitzer, der Annington, offensichtlich egal zu sein und die Bemühungen einen Investor oder Käufer zu finden, der den Kaufpreis der Siedlung plus der notwendigen Grundsanierung stemmt, verlief selbstredend negativ, weil unökonomisch.
Ein Blick in die einschlägigen Onlinewohnungsbörsen macht schnell klar, in Gelsenkirchen sind Wohnungen und Häuser durchaus begehrte Kaufobjekte und wer letztendlich den Kauf einer Immobilie in Betracht zieht, der wird aller Wahrscheinlichkeit nach aus eigenem Antrieb heraus alles dafür tun, dass direkt nach dem Eigentümerwechsel auch eine Instandsetzung etwaiger Mängel vollzogen wird. Und das auf eigene Rechnung. Mit einer entsprechenden Gestaltungssatzung der Stadt, bliebe der Charakter der Siedlung baulich erhalten und wenn etwas Zeit ins Land geht würde sie sich sozusagen wie von selbst und für die Stadt völlig kostenfrei modernisieren. Vielleicht ringt sich ja nun doch der ein oder andere Mieter der Siedlung durch, sein Zuhause nun auch zu seinem Eigentum zu machen.
Mir ist Bewusst das dies nicht jedem Anwohner möglich sein wird, aber es war mir wichtig, auch diese Perspektive einmal anklingen zu lassen. Der von der Lokalpresse gepriesene Immobilien Gau für die Gelsenkirchener Geschichte  ist in der Siedlung sicherlich nicht gegeben.



