Es ist schon recht kompliziert, die Konzernstrategie der WAZ Mediengruppe zu durchschauen. Neben dem drastischen Sparkurs, dem nicht wenige Lokalredaktionen zum Opfer fielen und in Zukunft weiter fallen werden, preist Bodo Hombach, Konzernchef der WAZ Mediengruppe, in einem aktuellen “Haus”-Interview die “lebendige Demokratie”, welche seiner Auffassung nach vor allem durch den Lokaljournalismus aufrechterhalten werde. Damit hat er keineswegs Unrecht, warum aber werden dann zunehmend Stellen in genau diesem Bereich eingespart? Dass die Auflage fällt hat Gründe. Zum Beispiel, dass die Qualität des Lokaljournalismus im Allgemeinen stetig nachlässt.
Das mit ehrgeizigen Ambitionen gestartete Portal “DerWesten” degradiert die Printprodukte des Konzerns zum Archiv, indem Texte einen Tag zuvor kostenlos ins Netz gestellt werden, die Tags darauf auf Papier Geld kosten. Nicht nur die Nachricht selbst wird dadurch entwertet, sondern auch die Grundidee des Portals wird zunehmend in Frage gestellt. Indem der Konzern das Lokale weiter schwächt, entzieht er sich selbst seine elementare Stärke. Online wie Offline. Lokale Blogs sprießen und werden zunehmend beliebter.
Hombach als Führungsspitze müsste diesem Prozess unternehmerisch einen Riegel vorschieben. Vielleicht glaubt er dies auch zu tun, indem er sein Produkt (Lokaljournalismus) glorifizierend aufwertet und die ”Konkurrenz” herabwürdigt. So befindet Hombach zum Beispiel, dass Bürgerjournalismus niemals einen Ersatz für Lokaljournalismus sein werde und Blogs ihn aufgrund mangelhafter Qualität enttäuscht hätten. Auch wenn es niemals das Ziel der Lokalblogs war, den Lokaljournalismus zu ersetzen, werden sie es bald müssen, setzt der WAZ Konzern die skizzierte Nichtstrategie weiter fort. Darüber hinaus verfügen selbst die schlechtesten Blogs über eine bessere Kommentarpolitik als DerWesten, um einmal auf die Qualität zurück zu kommen.
Das Interview von Hombach erscheint daher, vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse, recht inhaltsleer und gewagt.
Ganz ähnlich argumentiert Jens vom Pottblog und ebenfalls sehr treffend Zoom.


January 29th, 2010 at 21:13
Was das Lokale hier in Gelsenkirchen angeht, da können wir noch ganz zufrieden sein. In Herten sieht die Geschichte schon schlechter aus. Dort ist es mit der Qualität der Lokalberichterstattung eher unbefriedigend. Und zwar nicht weil die WAZ so schlechte Texte schreibt, sondern weil sie zuwenig schreibt.
Hombach hat längst den Anschluss verloren.