Helm ab zum Gebet. Hirn raus zum Abschied.

Der große Zapfenstreich für den scheidenden Bundespräsident Christian Wulff hinterlässt bei allem emotionalen Abstand zur Grundthematik seines Scheiterns einen merkwürdigen symbolischen Eindruck. Spiegel Online übertrug heute per Livestream ins Internet. Und trotz der zum Teil sehr ruckeligen und stockenden Übertragung, transportierte das Video eine unheimliche, wenn nicht sogar bedrohliche Atmosphäre.

Wulff wurde aus dem Amt gedrängt, weil das deutsche Volk ihn aufgrund persönlicher Verfehlungen nicht mehr an der Spitze des Staates sehen will. Täglich enthüllen emsige Reporter neue brisante Details über die Nehmerqualitäten des Ex-Präsidenten mit einflussreichen Freunden. Massive Proteste im Vorfeld der Veranstaltung, Online Umfragen, Facebook und Twitterstreams stellen klar und deutlich heraus: Deutschland will diesen symbolischen Akt des Dankes in Richtung Wulff nicht. Heute erging der große Zapfenstreich nicht im Namen des Volkes, sondern der Zapfenstreich heute war eine grauenvolle Inszenierung institutionalisierter Macht. Er erging auf Befehl der Regierung und er widerspricht mehr als mehrheitlich dem Willen des Volkes.

Dümmlich in der der Gegend aufgestellte Soldaten mit Fackeln in der Hand, eine protestierende, dröhnende Geräuschkulisse aufgebrachter und erboster Bürger vor den Schlossmauern und ein homogen geschlossener Hofstab in künstlicher Feststimmung im Schlossgarten, verbreiteten ein schlimmes Zerrbild deutscher Demokratie. Eine gänzlich unpassend gekleidete Familienministerin, hohe Generäle und mätressenhafte Blondinnen mit der Attitüde eine Diskothek aufsuchen zu wollen bilden die Statisten.

Ein Präsident, der in seiner Leistung auf die Refabulation der Evidenz reduziert werden muss, dass auch der Islam zu Deutschland gehört, ist mehr als erbärmlich. Ein Präsident, der nach zwei (unehrenhaften?) Jahren Amtszeit Pensionsansprüche erwirbt, für die der normale Arbeiter 140 Jahre arbeiten muss, der kann nur als desintegriert wahrgenommen werden. Die vorherrschenden Spekulationen darüber, ob Wulff das Präsidenten Amt geschädigt hat müssen erweitert werden. Es stellt sich dringend die Frage, ob die Veranstaltung heute nicht der deutschen Auffassung von Demokratie geschadet hat. Es war eine Veranstaltung gegen das Volk. Diese Regierung hat ihr Volk übergangen. Diese Regierung ist nicht meine.

CDU Deutschland ist nicht mein Deutschland. Mir ist schlecht.

,


-Anzeige-

4 Kommentare zu “Das St. Josef-Hospital in Horst soll 2017 geschlossen werden.”

  1. Franz Przechowski
    19. Dezember 2016 at 11:22 #

    Zutreffende Analyse. Alle Probleme hinsichtlich Weihnachtsmärkte in Gelsen und in Buer sind hausgemacht und durch nichts mehr zu entschuldigen. deine kennzeichnung „strukturelle Geschäftsunfähigkeit“ trifft den Kern. Aber darüber hinaus fehlt auch der Sinn für die konzeptionelle Gestaltung und emotionale sowie inhaltliche Aufladung von Events, die auf die Marke GE einzahlen sollen. Das ist nicht unbedingt eine Frage des Budgets, sondern der professionellen Fähigkeiten. Ich bin kürzlich erst wieder wegen meiner Bemerkung „SMG ist eine Laienspielschar“ gescholten worden. Angesichts der miesen Performance möchte ich bei meiner Beurteilung bleiben und die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung gleich mit einbeziehen.

  2. Sabine
    19. Dezember 2016 at 20:14 #

    Dann geht doch endlich hin statt nur zu mosern

  3. Albert Ude
    21. Dezember 2016 at 17:12 #

    Die Analyse geht in Ordnung. Die Hinterfragung klammert die Mittäterschaft des örtlichen Einzelhandels leider völlig aus. Die Anlieger der Bahnhofstrasse haben kein Interesse an einem Weihnachtsmarkt, der als zentrale Veranstaltung auftritt. Die Mitwirkenden der SMG, des Umbaubüros und die für die blau-weiße Kugelplastik Verantwortlichen sind gutmeinende, aber hoffnungslos überforderte Amateure und Dilettanten, deren schlimmster Alptraum es ist, von professionellen Akteuren, ja auch bereits von schlichten Menschen, die sich einfach mal in anderen Städten umgeschaut haben, erzählt zu bekommen, wie ein Weihnachtsmarkt aussieht, ja, was überhaupt ein Weihnachtsmarkt ist. Die in Gelsenkirchen stattfindende Veranstaltung darf man auf einer Skala von 1 – 10 bei minus fünf verorten, eine gefühlte Tendenz zur Qualitätssteigerung ist illusionistische Schönrederei. Wollte man eine Verbesserung um fünf Punkte erzielen, so bedeutete das, den Nullpunkt anzustreben, die Veranstaltung also schlicht zu unterlassen. Stattdessen empfiehlt sich ein Busshuttle nach Dortmund, Essen oder Münster, oder in die kleinen niederländischen Orte oder an den Niederrhein.
    Das ist alles sehr schade, leider aber so zutreffend. In meiner Erinnerung ist die Reibeplätzchenhütte am Anfang der Bahnhofstrasse rechts der aus dem Betrachtungsraster heraustanzende kulinarische Höhepunkt der Meile. Die Reststrecke schaffe ich nicht: Kabel, Mülltonnen, Ramschstände, Trink- und Nahrungsmittelhütten. Und – mit Verlaub – Menschenmassen. Nur eins hat sich verbessert: Zu Zeiten von Lalakakis wurde noch WDR 4 über die Lautsprecher eingespielt. Das ging gar nicht.

  4. szodruch, maggie
    22. Dezember 2016 at 16:35 #

    Leider muss ich Albert Ude in allen Aussagen Recht geben !

Schreibe einen Kommentar

Bitte schreiben Sie uns Ihren Kommentar. Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht