Helm ab zum Gebet. Hirn raus zum Abschied.

08 March 2012 von Dennis

Der große Zapfenstreich für den scheidenden Bundespräsident Christian Wulff hinterlässt bei allem emotionalen Abstand zur Grundthematik seines Scheiterns einen merkwürdigen symbolischen Eindruck. Spiegel Online übertrug heute per Livestream ins Internet. Und trotz der zum Teil sehr ruckeligen und stockenden Übertragung, transportierte das Video eine unheimliche, wenn nicht sogar bedrohliche Atmosphäre.

Wulff wurde aus dem Amt gedrängt, weil das deutsche Volk ihn aufgrund persönlicher Verfehlungen nicht mehr an der Spitze des Staates sehen will. Täglich enthüllen emsige Reporter neue brisante Details über die Nehmerqualitäten des Ex-Präsidenten mit einflussreichen Freunden. Massive Proteste im Vorfeld der Veranstaltung, Online Umfragen, Facebook und Twitterstreams stellen klar und deutlich heraus: Deutschland will diesen symbolischen Akt des Dankes in Richtung Wulff nicht. Heute erging der große Zapfenstreich nicht im Namen des Volkes, sondern der Zapfenstreich heute war eine grauenvolle Inszenierung institutionalisierter Macht. Er erging auf Befehl der Regierung und er widerspricht mehr als mehrheitlich dem Willen des Volkes.

Dümmlich in der der Gegend aufgestellte Soldaten mit Fackeln in der Hand, eine protestierende, dröhnende Geräuschkulisse aufgebrachter und erboster Bürger vor den Schlossmauern und ein homogen geschlossener Hofstab in künstlicher Feststimmung im Schlossgarten, verbreiteten ein schlimmes Zerrbild deutscher Demokratie. Eine gänzlich unpassend gekleidete Familienministerin, hohe Generäle und mätressenhafte Blondinnen mit der Attitüde eine Diskothek aufsuchen zu wollen bilden die Statisten.

Ein Präsident, der in seiner Leistung auf die Refabulation der Evidenz reduziert werden muss, dass auch der Islam zu Deutschland gehört, ist mehr als erbärmlich. Ein Präsident, der nach zwei (unehrenhaften?) Jahren Amtszeit Pensionsansprüche erwirbt, für die der normale Arbeiter 140 Jahre arbeiten muss, der kann nur als desintegriert wahrgenommen werden. Die vorherrschenden Spekulationen darüber, ob Wulff das Präsidenten Amt geschädigt hat müssen erweitert werden. Es stellt sich dringend die Frage, ob die Veranstaltung heute nicht der deutschen Auffassung von Demokratie geschadet hat. Es war eine Veranstaltung gegen das Volk. Diese Regierung hat ihr Volk übergangen. Diese Regierung ist nicht meine.

CDU Deutschland ist nicht mein Deutschland. Mir ist schlecht.



2 Kommentare

  1. Martin sagt:

    Mir gefällt das Wort “Nehmerqualitäten” in diesem Kontext. ^^

    *daumenhoch*

  2. Dr.Wolfram Schnieders sagt:

    Sehr treffend formuliert. Diese Regierung ist keine Regierung, sie ist – wie Sie richtig entlarven – ein Hofstab. Friede den Hütten, Krieg den Palästen. In diesem Sinne: Schönen Samstag.

Ihre Meinung ist wertvoll.








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